Marvell Technology Aktie: 1 Milliarde für Zulieferer
Marvell Technology verzeichnet deutlichen Kursverlust, während das Rechenzentrumsgeschäft weiterhin stark wächst und Nvidia investiert.

Kurz zusammengefasst
- Aktie fällt um über sieben Prozent
- Data-Center-Umsatz dominiert mit 76 Prozent
- Nvidia investiert zwei Milliarden Dollar
- Analysten sehen moderate Kaufgelegenheit
Die Aktie von Marvell Technology hat am Freitag einen kräftigen Rücksetzer erlitten. Das Papier schloss bei 171,06 Euro, ein Minus von 7,05 Prozent gegenüber dem Vortag. Damit liegt der Kurs inzwischen 41,08 Prozent unter seinem erst am 3. Juni erreichten 52-Wochen-Hoch. Der Ausverkauf reiht sich in eine Phase erhöhter Nervosität rund um Technologiewerte mit hoher Bewertung ein.
Rechenzentrumsgeschäft treibt die Zahlen
Fundamental gibt der Chip- und Halbleiterkonzern bislang wenig Anlass für Zweifel. Für das erste Quartal des Geschäftsjahres 2027 wies Marvell einen Umsatz von 2,42 Milliarden Dollar aus, ein Plus von 27,6 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Der Gewinn je Aktie lag bei 0,80 Dollar und traf die Erwartungen der Analysten.
Für das laufende zweite Quartal stellte das Management einen Gewinn je Aktie zwischen 0,88 und 0,98 Dollar in Aussicht. Um die Nachfrage nach eigenen Chips bedienen zu können, will Marvell im laufenden Geschäftsjahr zudem rund eine Milliarde Dollar als Vorauszahlungen an Zulieferer leisten – ein Zeichen dafür, wie knapp Fertigungskapazitäten in der Branche derzeit sind.
Kern des Wachstums bleibt das Datacenter-Geschäft, das im ersten Quartal 1,833 Milliarden Dollar beisteuerte und damit 76 Prozent des Konzernumsatzes ausmachte. Vor wenigen Jahren lag dieser Anteil laut Unternehmensangaben noch im einstelligen Bereich. Für das laufende Geschäftsjahr erwartet das Management, dass die Data-Center-Sparte insgesamt weiter zulegt, während das Interconnect-Geschäft besonders dynamisch wächst und laut Unternehmensangaben um mehr als 70 Prozent steigen soll.
Nvidia investiert, Analysten uneins über Kursziel
Rückenwind erhielt Marvell zuletzt durch Nvidia, das rund 2 Milliarden Dollar in das Unternehmen investierte. Auf der Computex-Konferenz bezeichnete Nvidia-Chef Jensen Huang Marvell im Gespräch mit Konzernchef Matt Murphy als möglichen „nächsten Billionen-Dollar-Konzern“ und hob die gemeinsame Arbeit an optischer Konnektivität hervor.
Die hohen Wachstumsraten haben allerdings ihren Preis. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis von Marvell liegt bei 73,1 und damit deutlich über dem Marktdurchschnitt des S&P 500 von 24,0. Auch das Kurs-Umsatz-Verhältnis fällt mit gut 21 entsprechend hoch aus.
Ein weiterer Punkt, den Beobachter anführen: Ein Großteil der laufenden Umsätze im Custom-Chip-Geschäft geht auf Design-Gewinne zurück, die bereits Jahre zurückliegen – zwischen Auftragsvergabe und tatsächlichem Umsatzbeitrag vergehen bei solchen Programmen häufig zwölf bis 24 Monate. Kurzfristig dürften eher das Geschäft mit optischen DSP-Chips und Hochgeschwindigkeits-Ethernet-Switches den Umsatz stützen.
Der Analystenkonsens für Marvell lautet trotz der hohen Bewertung „Moderate Buy“ bei einem durchschnittlichen Kursziel von rund 245 Dollar. Deutlich optimistischer positioniert sich KeyBanc mit einem Kursziel von 385 Dollar, während UBS mit 340 Dollar am unteren Rand der von den großen Häusern genannten Ziele liegt. Auch andere Research-Häuser siedeln ihre Kursziele überwiegend deutlich über dem aktuellen Niveau an.
Institutionelle Investoren mit gegenläufigen Bewegungen
Bei den jüngsten Pflichtmeldungen zu institutionellen Beständen zeigt sich ein gespaltenes Bild. Lombard Odier Asset Management Switzerland stockte seinen Marvell-Bestand im ersten Quartal um 54,2 Prozent auf. Die Schwestergesellschaft Lombard Odier Asset Management Europe reduzierte ihre Position im selben Zeitraum dagegen um 67 Prozent. Insgesamt liegt der institutionelle Anteil an Marvell bei 83,5 Prozent – ein Wert, der zeigt, wie stark professionelle Investoren das Kursgeschehen der Aktie prägen.
Marvell zahlt zudem eine Quartalsdividende von 0,06 Dollar je Aktie, die am 30. Juli ausgezahlt wird. Angesichts der massiven Kursschwankungen der vergangenen Wochen dürfte die Ausschüttung für die meisten Anleger jedoch ein Nebenaspekt bleiben. Im Zentrum der Debatte steht vielmehr, ob Marvell sein hohes Wachstumstempo im Rechenzentrumsgeschäft angesichts der ambitionierten Bewertung auch in den kommenden Quartalen aufrechterhalten kann.
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