Medtronic Aktie: MiniMed steht vor der Trennung und steckt noch in der Prognose
Altmann sieht Medtronics Bewertung als moderat attraktiv, verlangt aber klarere Margenbelege für das Geschäft ohne MiniMed.

Kurz zusammengefasst
- Umtauschangebot betrifft mindestens 80,1 Prozent
- Jahresprognose umfasst weiterhin MiniMed
- Ablationslösungen wachsen weltweit um 88 Prozent
- Zollkosten 2027 bei rund 250 Millionen Dollar erwartet
Mindestens 80,1 Prozent der verbliebenen MiniMed-Aktien sollen über das laufende Umtauschangebot abgegeben werden. Medtronics Jahresprognose enthält das Diabetesgeschäft weiterhin – wie lässt sich damit das verbleibende Unternehmen bewerten? Mit Eduard Altmann sprechen wir darüber, welche Ertragskraft nach der Trennung belegt sein muss.

Medtronic (IE00BTN1Y115) — Schlusskurse 09.04.2026 bis 06.10.2026, Angaben in EUR. Stand: 06.10.2026.
Stock World Redaktion: Der Analysten-Konsens und die angehobene Jahresprognose sprechen für Medtronic. Weshalb legen Sie bei der Bewertung einen strengeren Maßstab an?
Eduard Altmann: Beim geschätzten Wert liege ich nahe am Analysten-Konsens. Strenger bin ich bei der Begründung. Medtronic hat im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2027 die Erwartungen übertroffen, und das erkenne ich an. Die Jahresprognose enthält allerdings MiniMed noch. Der Umbau verspricht Klarheit; welche Erträge vom übrigen Geschäft bleiben, muss Medtronic erst zeigen.
Stock World Redaktion: Sie sprechen von Klarheit. Ist der Abschlag von sieben Prozent im MiniMed-Umtauschangebot nicht eher ein Zeichen, dass Medtronic für die Trennung teuer bezahlen muss?
Eduard Altmann: Der Preisnachlass zeigt für mich eher Entschlossenheit als Schwäche. Medtronic will die Trennung zu Ende bringen, statt sie weiter aufzuschieben. Ob sich das lohnt, muss der verbleibende Betrieb zeigen.
Stock World Redaktion: Wie schwer wiegen die Zölle für Ihre Rechnung, wenn in China zugleich staatliche Ausschreibungen auf die Preise drücken?
Eduard Altmann: Medtronic erwartet im Geschäftsjahr 2027 eine Zollbelastung von rund 250 Millionen Dollar. Die lässt sich nicht mit guten Produktmeldungen wegreden. Der Preisdruck in China kommt hinzu; deshalb muss das starke Ablationsgeschäft seine Wirkung erst in der operativen Marge beweisen. Meine Rechnung kippt, wenn der Preisdruck anhält und die für 2027 erwartete Ausweitung dieser Marge ausbleibt.
Stock World Redaktion: Sie sagen, „das starke Ablationsgeschäft“ müsse „seine Wirkung erst in der operativen Marge beweisen“. Hat dessen Wachstum im jüngsten Quartal diesen Beweis nicht längst erbracht?
Eduard Altmann: Das Wachstum ist eindrucksvoll: Cardiac Ablation Solutions legte im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2027 weltweit um 88 Prozent zu. Davon ist aber noch nicht alles im Ertrag zu sehen. Die adjustierte operative Marge lag in diesem Quartal bei 23,7 Prozent und damit nur leicht über dem Vorjahreswert. Wachstum ist belegt, seine volle Ertragswirkung noch nicht.
Stock World Redaktion: Was müsste nach der MiniMed-Trennung sichtbar werden, damit Sie das verbleibende Geschäft höher bewerten?
Eduard Altmann: Eine Prognose für das verbleibende Geschäft, an der sich dessen operative Marge messen lässt. Die jüngste FDA-Freigabe für Affera Prism-2 stärkt das Produktangebot bei Eingriffen gegen Herzrhythmusstörungen. Das ist ein Fortschritt, noch kein Beleg für dauerhafte Erträge. Höher bewerten würde ich Medtronic, wenn Nachfrage und Marge auch ohne MiniMed gemeinsam tragen.
Stock World Redaktion: Bei rund 250 Millionen Dollar Zollbelastung im Geschäftsjahr 2027: Welches Urteil folgt daraus für die Bewertung von Medtronic?
Eduard Altmann: Ich halte die Bewertung für moderat attraktiv. Das Ablationsgeschäft liefert Wachstum, und die MiniMed-Trennung kann den Blick auf die Erträge schärfen. Mehr Gewicht gebe ich derzeit der Marge: Solange sie den Fortschritt nicht deutlicher bestätigt, bleibt meine Zuversicht begrenzt.
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