Mercedes-Benz Aktie: 1 Milliarde für Ungarn-Werk

Mercedes-Benz investiert über eine Milliarde Euro in sein ungarisches Werk und plant, den Anteil der Produktion in Niedriglohnländern zu verdoppeln.

Dieter Jaworski ·
Mercedes-Benz Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Milliarden-Investition in ungarisches Werk
  • Produktionsanteil in Billiglohnländern soll steigen
  • Aktie rutscht in Richtung Jahrestief
  • Neue Elektro-Modelle mit hoher Reichweite

Mercedes-Benz baut seine Produktion in Ungarn deutlich aus und setzt damit ein klares Signal für die Kostenstruktur des Konzerns. Nach Angaben des Handelsblatts investiert der Stuttgarter Autobauer mehr als eine Milliarde Euro in das Werk Kecskemét, das künftig bis zu 400.000 Fahrzeuge pro Jahr fertigen soll. Dort soll unter anderem die E-Variante der C-Klasse vom Band laufen. Ausschlaggebend ist der Kostenvorteil: Die Produktion in Ungarn liegt laut Handelsblatt rund 70 Prozent unter dem deutschen Niveau.

Källenius will Anteil der Billiglohnländer verdoppeln

Vorstandschef Ola Källenius verfolgt dem Bericht zufolge das Ziel, den Produktionsanteil in Niedriglohnländern von aktuell 15 auf 30 Prozent zu verdoppeln. Mercedes-Benz steht damit nicht allein: BMW hat laut Handelsblatt 2 Milliarden Euro in sein Werk Debrecen gesteckt, Audi produzierte im ungarischen Györ 2025 gut 200.000 Fahrzeuge und 1,6 Millionen Motoren. Insgesamt fertigen deutsche Hersteller mittlerweile rund 70 Prozent ihrer Fahrzeuge im Ausland. Die Verlagerung nach Osteuropa reagiert auf den anhaltenden Margendruck, der die gesamte Branche erfasst hat – während chinesische Wettbewerber mit aggressiven Preisen und wachsenden Marktanteilen in Europa Druck auf die etablierten Hersteller ausüben.

Aktie nahe am Jahrestief

Die Kapitalmarktreaktion auf die strukturellen Herausforderungen der Branche zeigt sich deutlich im Kursverlauf. Mercedes-Benz schloss am Freitag bei 43,95 Euro, nach einem Minus von 3,07 Prozent binnen sieben und 8,63 Prozent binnen 30 Tagen. Seit Jahresbeginn steht ein Verlust von 28,71 Prozent zu Buche, auf Zwölfmonatssicht sind es 15,32 Prozent. Damit notiert die Aktie nur noch 3,07 Prozent über ihrem 52-Wochen-Tief von 42,64 Euro, erreicht am 29. Juni 2026, während der Abstand zum Jahreshoch von 62,30 Euro aus dem Dezember 2025 mittlerweile 29,45 Prozent beträgt. Auch die gleitenden Durchschnitte signalisieren fortgesetzten Abwärtsdruck: Der Kurs liegt 8,35 Prozent unter dem 50-Tage-Schnitt von 47,96 Euro und 19,46 Prozent unter dem 200-Tage-Durchschnitt von 54,57 Euro. Der RSI von 38,4 deutet auf eine angeschlagene, aber noch nicht überverkaufte Marktlage hin, die Marktkapitalisierung liegt bei 41,94 Milliarden Euro.

Neue Elektromodelle als Gegengewicht

Auf der Produktseite setzt Mercedes-Benz weiter auf die Elektro-Offensive. Die vollelektrische CLA-Variante soll laut einem Bericht eine WLTP-Reichweite von 792 Kilometern erreichen, angetrieben von einem 272-PS-Heckmotor mit einer 85-kWh-Batterie mit Siliziumoxid-Anoden. Die 800-Volt-Architektur ermöglicht eine Ladeleistung von 320 kW, womit sich in zehn Minuten rund 300 Kilometer Reichweite nachladen lassen. Der Marktstart des Modells ist für 2026 vorgesehen, zusätzlich soll eine Hybridversion mit 1,5-Liter-Benziner angeboten werden.

Auf dem Goodwood Festival of Speed präsentierte Mercedes-Benz zudem den AMG CLA 45 4MATIC+ für das Modelljahr 2027. Der Hochleistungs-Kompaktwagen leistet 680 PS und mobilisiert 1.759 Newtonmeter über drei Axialflussmotoren, der Sprint auf 100 km/h gelingt in 2,7 Sekunden. Die 94-kWh-Batterie in Verbindung mit der 800-Volt-Architektur und 330 kW Ladeleistung soll eine WLTP-Reichweite von 670 Kilometern ermöglichen, ein Ladevorgang von 10 auf 80 Prozent dauert 22 Minuten.

Rabatte auf Neuwagen bleiben hoch

Parallel zur Elektro-Offensive bleibt das Rabattniveau im Neuwagengeschäft erhöht. Nach Angaben von JESMB gewährt Mercedes-Benz bei Built-to-Order-Bestellungen für Privatkunden Nachlässe von bis zu 15 Prozent, etwa bei der A-Klasse, während GLC-Käufer 8 Prozent und E-Klasse-Kunden 10 Prozent erhalten. Bei Lagerfahrzeugen wie dem EQE sind sogar Rabatte von bis zu 30 Prozent möglich. Die hohen Nachlässe fallen in eine Phase, in der der Konzern zugleich Milliarden in kostengünstigere Standorte investiert – ein Hinweis darauf, wie stark der Preisdruck im europäischen Automarkt derzeit auf den Margen lastet.

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