Mercedes-Benz Aktie: 704 Millionen Wertminderung in China

Mercedes-Benz treibt Filialnetz-Umbau voran und erhält EU-Zuschlag für Verkauf. Derweil drücken Einbrüche in China auf Umsatz und Aktienkurs.

Andreas Sommer ·
Mercedes-Benz Aktie

Kurz zusammengefasst

  • EU-Kommission genehmigt Verkauf von sieben Niederlassungen
  • China-Absatz bricht um 30 Prozent ein
  • Umsatzprognose für 2026 gesenkt
  • Vans-Sparte zeigt sich robust

Mercedes-Benz treibt den Umbau seines Filialnetzes in Deutschland voran. Die EU-Kommission hat am Montag den Verkauf von sieben Mercedes-Benz-Niederlassungen in Berlin und Brandenburg an die britische Global Auto Holdings genehmigt.

Die Transaktion betrifft mehr als 1.100 Mitarbeiter und soll bis Ende des Jahres abgeschlossen sein. Der Schritt fügt sich in eine Serie von Nachrichten, die zeigen, wie stark der Konzern derzeit unter Druck steht – vor allem in China.

Der Aktienkurs spiegelt diese Gemengelage wider: Am Freitag schloss das Papier bei 45,99 Euro, ein Plus von 0,7 Prozent. Auf Sicht von sieben Tagen steht dennoch ein Minus von 2,5 Prozent zu Buche, seit Jahresbeginn hat die Aktie 24 Prozent verloren. Damit notiert sie rund 26 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 62,30 Euro vom Dezember, während der Abstand zum Jahrestief bei 42,64 Euro nur noch knapp 8 Prozent beträgt.

China bleibt die zentrale Belastung

Die Zahlen zum zweiten Quartal offenbaren das Ausmaß der Probleme im wichtigsten Auslandsmarkt. Der Konzernumsatz sank auf 32,06 Milliarden Euro, das ausgewiesene EBIT lag bei 1,55 Milliarden Euro. Belastet wurde das Ergebnis unter anderem durch eine Wertminderung von 704 Millionen Euro auf ein Gemeinschaftsunternehmen in China.

Die Auslieferungen dort brachen um 30 Prozent ein. Als Konsequenz senkte Mercedes-Benz die Umsatzprognose für das laufende Jahr: Statt eines Umsatzes auf Vorjahresniveau erwartet der Konzern nun ein leichtes Minus.

Ein Lichtblick bleibt die Vans-Sparte. Sie steigerte den Absatz auf 94.100 Einheiten und den Umsatz um 5 Prozent auf 4,46 Milliarden Euro, bei einer bereinigten Umsatzrendite von 10,2 Prozent. Damit stemmt sich das Geschäft mit Transportern gegen den Abwärtstrend im Pkw-Segment, dessen bereinigte Umsatzrendite auf 4,0 Prozent fiel – wenn auch über dem Konsens von 3,5 Prozent.

Der GLC L EV als Hoffnungsträger mit Fragezeichen

Wie fragil die China-Erholung ist, zeigt der Fall des GLC L EV. Nach dem Marktstart am 8. Juli gingen innerhalb von 24 Stunden 12.000 Vorbestellungen ein – ein starkes Signal für die Nachfrage. Im ersten vollen Monat wurden davon jedoch nur 1.438 Fahrzeuge tatsächlich zugelassen. Die Diskrepanz zwischen Vorbestellungen und realen Zulassungen deutet darauf hin, dass Lieferengpässe oder Kaufzurückhaltung die Umsetzung in echte Verkäufe bremsen.

Stellenabbau und rechtliche Altlasten

Parallel zum operativen Druck schrumpft die Belegschaft in der Verwaltung. Zwischen April 2025 und Ende März 2026 nahmen rund 5.500 Beschäftigte ein freiwilliges Abfindungsprogramm an, das sich an etwa 40.000 Mitarbeiter außerhalb der Produktion richtete – mit Abfindungen von teils über 500.000 Euro.

Auf der rechtlichen Seite gab es dagegen einen Teilerfolg: Im Juli gewann Mercedes in Großbritannien die erste Stufe der Diesel-Emissionsklagen weitgehend. Ein weiteres Verfahren steht im Oktober an.

Zudem verhandelte Mercedes-Benz zuletzt exklusiv mit BNP Paribas über den Verkauf der Leasing-Tochter Athlon für rund eine Milliarde Euro, ein Abschluss wurde für das dritte Quartal angepeilt. Anleger richten den Blick nun auf den Zwischenbericht zum dritten Quartal, der für den 28. Oktober angesetzt ist – dort dürfte sich zeigen, ob sich die China-Schwäche fortsetzt oder erste Stabilisierungssignale sichtbar werden.

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