Mercedes-Benz Aktie: Alabama statt Bremen

Mercedes-Benz reagiert auf hohe US-Zölle und verlegt die Fertigung des GLC von Bremen nach Alabama. Die Zollbelastung kostete den Konzern im Vorjahr über eine Milliarde Euro Gewinn.

Dr. Robert Sasse ·
Mercedes-Benz Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Produktionsverlagerung für wichtigstes US-Modell
  • Sieben Milliarden Dollar Investition in US-Standorte
  • Hohe Zollbelastung drückt Gewinn erheblich
  • Aktie zeigt weiterhin deutliche Kursschwäche

Der GLC ist Mercedes‘ meistverkauftes Modell in den USA — und er wird künftig dort gebaut. Der Stuttgarter Konzern verlagert die Produktion der nächsten GLC-Generation von Bremen nach Tuscaloosa, Alabama. Eine Entscheidung, die sich mit einer konkreten Zahl erklären lässt: Rund eine Milliarde Euro Gewinnbelastung durch US-Zölle allein im Jahr 2025.

Sieben Milliarden Dollar für Tuscaloosa

Konzernchef Ola Källenius wählte für die Ankündigung einen symbolisch aufgeladenen Rahmen: die Weltpremiere der überarbeiteten GLE- und GLS-Modelle im Beisein von US-Verkehrsminister Sean Duffy. Gleichzeitig präsentierte er ein Investitionspaket von insgesamt sieben Milliarden Dollar für den US-Standort — vier Milliarden davon fließen bis 2030 allein nach Tuscaloosa.

Das Werk beschäftigt rund 5.800 Mitarbeiter und exportiert bereits heute etwa 60 Prozent seiner Fahrzeuge. Damit gehört es zu den größten Automobilexporteuren der gesamten USA. Zeitgleich mit der Ankündigung rollte das fünfmillionste SUV vom Fließband — 30 Jahre nach Produktionsstart in Alabama.

Der finanzielle Hintergrund der Verlagerung ist eindeutig: Seit August 2024 gilt ein Zollsatz von 15 Prozent auf europäische Autoexporte in die USA, zuvor waren es lediglich 2,5 Prozent. Diese Verschiebung kostete Mercedes im abgelaufenen Geschäftsjahr mehr als eine Milliarde Euro operativen Gewinn — der insgesamt auf 5,8 Milliarden Euro und damit auf weniger als die Hälfte des Vorjahreswerts schrumpfte. Nordamerikachef Jason Hoff brachte es gegenüber Reuters auf den Punkt: Es sei sinnvoll, wichtige Volumenmodelle lokal zu produzieren.

Operatives Umfeld bleibt angespannt

Die strategische Neuausrichtung ändert nichts an der aktuellen Kursschwäche. Seit Jahresbeginn 2026 hat die Aktie rund 12 Prozent verloren. Im vierten Quartal 2025 brach der Gewinn je Aktie von 2,57 auf 1,43 Euro ein, der Umsatz schrumpfte um über zwölf Prozent. Für 2026 erwartet das Management stagnierende Erlöse und eine Pkw-Umsatzrendite von lediglich drei bis fünf Prozent.

Zwei Termine markieren den weiteren Monatsverlauf: Am 17. April 2026 ist der Ex-Dividende-Tag, die Auszahlung folgt am 21. April. Am 29. April präsentiert Mercedes die Quartalszahlen für das erste Quartal 2026 — die erste konkrete Bestandsaufnahme, wie stark die Zollbelastung das operative Ergebnis im laufenden Jahr trifft. Erst dann wird sich zeigen, ob die Verlagerungsstrategie schnell genug greift, um den Margendruck zu begrenzen.

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Sektor Zyklischer Konsum
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