Mercedes-Benz Aktie: BAIC-Anteil gefährdet US-Markt
Ein US-Gesetzentwurf bedroht Mercedes-Benz wegen chinesischer Beteiligungen. Die Aktie reagiert verhalten, während politische Unsicherheit den Kurs belastet.

Kurz zusammengefasst
- Gesetz zielt auf chinesische Anteile
- BAIC-Beteiligung als Risikofaktor
- Aktie mit moderater Wochenerholung
- Aktienrückkaufprogramm läuft weiter
Ein parteiübergreifender Gesetzentwurf in Washington trifft Mercedes-Benz an einer empfindlichen Stelle: dem Zugang zum US-Markt. Das Papier zielt auf chinesische Beteiligungen an Autobauern. Wegen BAIC könnte ausgerechnet der deutsche Premiumhersteller in den Radius geraten. Das macht aus einem politischen Entwurf ein handfestes Börsenrisiko.
Warum Mercedes ins Gesetz rutscht
Der „Motor Vehicle Modernization Act of 2026“ würde Autoherstellern den Import, Verkauf oder die Produktion in den USA untersagen. Gemeint sind Firmen mit direkter oder indirekter Kapitalbeteiligung einer ausländischen Regierung. China fällt unter diese Logik.
Für Mercedes ist BAIC der Knackpunkt. Der staatliche chinesische Autobauer hält 9,98 Prozent. Li Shufu kommt über das Vehikel Tenaciou3 Prospect Investment auf 9,69 Prozent, zusammen liegen beide chinesischen Aktionäre bei 19,67 Prozent.
Eine weitere Bestimmung setzt bei Unternehmen eine Schwelle von 15 Prozent. Sie richtet sich gegen Länder, die Washington als ausländische Gegner einstuft. Genau hier entsteht das Problem: BAIC ist staatlich, Li Shufu ist es nicht.
Rechtslage bleibt heikel
CNBC zufolge bewerten Personen mit Kenntnis des Entwurfs die Lage unterschiedlich. Zwei halten die aktuelle Fassung für ausreichend, um Mercedes zu erfassen. Andere verweisen auf Mehrdeutigkeiten.
Ein ehemaliger Automobilpolitikberater und Lobbyist sagte CNBC: „Die Formulierung ist eindeutig“. Der Satz zeigt, wie eng der Spielraum in Washington werden könnte.
Zwar enthält der Entwurf eine Ausnahme für Hersteller, die mindestens fünf Jahre vor dem 1. Januar 2026 Pkw in den USA gebaut haben. Diese Ausnahme greift aber nicht, wenn eine ausländische Regierung direkt oder indirekt beteiligt ist. Das dürfte in Stuttgart für Unruhe sorgen.
Der mögliche Kollateralschaden wäre nicht klein. Mercedes-Benz betreibt in den USA zwei große Montagewerke und beschäftigt dort mehr als 11.000 Menschen. Das Werk in Tuscaloosa produzierte seit dem Start im Jahr 1997 mehr als 4,5 Millionen Fahrzeuge.
Stephen Ezell vom Washingtoner Thinktank ITIF stuft Mercedes als geringeres Sicherheitsrisiko ein als direkt von China kontrollierte Autobauer. Er warnte, eine Einbeziehung von Mercedes könne Jobs kosten und Gewinne belasten.
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Der Entwurf liegt weiter im Repräsentantenhaus und hat den Senat noch nicht erreicht. Parallel dazu kursiert im Senat der „Connected Vehicle Security Act of 2026“. Auch er setzt bei ausländischen Beteiligungen eine Schwelle von 15 Prozent. Welche Ausnahmen dort gelten, ist offen.
Aktie erholt sich nur teilweise
Am Freitag schloss die Aktie bei 52,07 Euro und verlor 0,91 Prozent. In der vergangenen Woche lag sie dennoch 4,56 Prozent im Plus. Das passt zu einer kurzen Erholung nach einem schwachen Jahresstart.
Im Monatsvergleich steht ein Plus von 6,10 Prozent. Seit Jahresanfang bleibt aber ein Minus von 15,54 Prozent. Der Kurs liegt noch 6,23 Prozent unter der langfristigen Durchschnittslinie.
Derweil läuft die Kapitalrückführung. Das Rückkaufprogramm startete am 3. November 2025 und soll bis zum 3. November 2026 laufen.
Der Rahmen erlaubt bis zu 96 Millionen Aktien für einen Gesamtkaufpreis von bis zu 2 Milliarden Euro. Bis Mai 2026 erwarb der Konzern rund 33,9 Millionen eigene Anteile. In der vorletzten Maiwoche kamen 3,8 Millionen Stück hinzu.
Das Rückkaufprogramm kaschiert das politische Risiko nicht. Es zeigt aber, dass Mercedes die eigene Kapitalplanung bisher nicht sichtbar ändert.
Operativ ist der Rückenwind begrenzt. Im ersten Quartal 2026 erzielte Mercedes-Benz einen Umsatz von 31,60 Milliarden Euro.
Das Ergebnis je Aktie sank auf 1,49 Euro nach 1,74 Euro im Vorjahresquartal. Das ist kein Einbruch, aber ein klarer Dämpfer.
Der nächste feste Termin sind die Quartalszahlen im Juli 2026. Bis dahin bleibt der Gesetzestext der zentrale Kurstreiber. Entschärft Washington die Eigentumsregeln, fällt Druck aus der Aktie. Bleibt BAIC ein Problem, rückt der US-Zugang in die Bewertung.
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