Mercedes-Benz Aktie: Chief Software Officer Östberg geht
Magnus Östberg scheidet bei Mercedes-Benz aus, während sinkende China-Verkäufe und eine niedrigere Pkw-Marge den Konzern belasten.

Kurz zusammengefasst
- Softwarechef Östberg verlässt Mercedes-Benz
- China-Absatz der Pkw sinkt 30 Prozent
- Elektroverkäufe steigen um 51 Prozent
- Aktie verliert seit Jahresbeginn 24 Prozent
Mercedes-Benz steht vor einem Führungswechsel an zentraler Stelle: Chief Software Officer Magnus Östberg verlässt das Unternehmen nach knapp fünf Jahren. Der Manager, der seit September 2021 den Aufbau des konzerneigenen Betriebssystems MB.OS verantwortete und die globale Software-Organisation leitete, geht aus persönlichen Gründen. Ein Nachfolger steht noch nicht fest, auch Östbergs nächste berufliche Station ist offen.
Der Abgang trifft Mercedes-Benz in einer Phase, in der Software und automatisiertes Fahren zu einem der wichtigsten strategischen Themen des Konzerns geworden sind. Für Anfang 2027 ist die Einführung einer „Point-to-Point“-Navigation geplant, eines teilautomatisierten Fahrsystems für den Stadtverkehr. Gerade dieser Bereich galt als Kernprojekt der von Östberg aufgebauten Software-Sparte.
Geschäftszahlen zeigen Druck im China-Geschäft
Der Personalwechsel fällt zusammen mit einer angespannten operativen Lage. Im zweiten Quartal sank der Konzernumsatz auf 32,06 Milliarden Euro, ein Rückgang von 3,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Der Absatz der Pkw-Sparte Mercedes-Benz Cars brach um 8 Prozent auf rund 419.400 Fahrzeuge ein, getrieben von einem Einbruch in China um 30 Prozent. In den USA und Europa legten die Verkäufe dagegen zu, um 13 beziehungsweise 4 Prozent.
Die bereinigte Marge der Pkw-Sparte fiel auf 4,0 Prozent nach 5,1 Prozent im Vorjahr, bewegt sich damit aber weiterhin innerhalb der Zielspanne von 3 bis 5 Prozent. Belastet wurde das Ergebnis zusätzlich durch eine Wertminderung von 704 Millionen Euro auf ein Gemeinschaftsunternehmen in China.
Als Reaktion senkte der Konzern seine Prognose vor gut drei Wochen bereits von „auf Vorjahresniveau“ auf „leicht unter Vorjahr“ für Absatz und Umsatz. Seither hat die Aktie rund 2,9 Prozent verloren.
Positiver entwickelt sich das Geschäft mit Elektrofahrzeugen: Die BEV-Verkäufe legten im zweiten Quartal um 51 Prozent zu, in Europa hat sich der Bestelleingang für Elektromodelle mehr als verdoppelt. Der Konzern hob deshalb seine Zielmarke für die xEV-Quote auf 23 bis 25 Prozent an. Auch die Finanzsparte Mercedes-Benz Financial Services lief deutlich besser als im Vorjahr und steigerte ihr Ergebnis um 70 Prozent auf 492 Millionen Euro.
Kurs stabilisiert sich nach schwachem Jahr
Am Donnerstag legte die Aktie um 2,2 Prozent auf 45,59 Euro zu, ein konkreter Auslöser für die Bewegung lässt sich aus der Nachrichtenlage des Tages nicht ableiten.
Auf Wochensicht steht damit ein Plus von 0,7 Prozent, während sich der Titel binnen 30 Tagen um 2,7 Prozent verbilligt hat. Seit Jahresbeginn summiert sich der Verlust auf 24 Prozent, der Abstand zum 52-Wochen-Hoch von 62,30 Euro beträgt 27 Prozent.
Zusätzliche Unsicherheit bringt eine politische Entwicklung aus den USA: Der Senat treibt einen Gesetzentwurf voran, der den Vertrieb von Fahrzeugen unter chinesischer Kontrolle verbieten könnte. Betroffen wäre auch Mercedes-Benz, da der chinesische Geely-Chef Li Shufu 9,7 Prozent der Anteile hält und die Beijing Automotive Group weitere 5,0 Prozent.
Ausblick
Die nächste Gelegenheit für den Konzern, operative Fortschritte zu belegen, bietet die Präsentation der Zahlen zum dritten Quartal am 28. Oktober. Bis dahin dürfte insbesondere die Entwicklung im China-Geschäft im Fokus der Anleger stehen, ebenso wie die Frage, wer die Softwarestrategie nach Östbergs Abgang künftig verantwortet.
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