Mercedes-Benz Aktie: Deutsche Bank senkt Kursziel auf 65 Euro
Die Pkw-Marge sank im dritten Quartal auf 2,5 Prozent; für 2026 rechnet Mercedes mit einer niedrigeren Rendite.

Kurz zusammengefasst
- Deutsche Bank reduziert Kursziel auf 65 Euro
- Pkw-Marge fällt auf 2,5 Prozent
- Absatzplus in Europa und den USA
- China-Absatz geht um 31 Prozent zurück
Das gesenkte Kursziel verschärft die Bewertungsfrage
Für Mercedes-Benz-Anleger entscheidet sich die Perspektive daran, ob die gesenkte Jahresprognose eine belastbare Untergrenze bildet oder weitere Ergebniskorrekturen folgen. Die Deutsche Bank senkt heute ihr Kursziel von 70 auf 65 Euro und hält an der Kaufempfehlung fest.
Analyst Tim Rokossa sieht im schwierigen Umfeld allerdings kaum positive Aspekte. Kleine Verbesserungen reichten nicht für einen Stimmungswechsel bei Gewinn und Barmittelentwicklung.
Damit steht weniger die grundsätzliche Erholungsfähigkeit zur Debatte als deren Zeitpunkt. Nach der Gewinnwarnung vom Dienstag müssen Anleger beurteilen, ob die Belastungen inzwischen ausreichend berücksichtigt sind. Das höhere berichtete Quartalsergebnis liefert dafür allein keinen belastbaren Beleg: Sonderbelastungen hatten den Vorjahresvergleich gedrückt.
Für 2026 erwartet Mercedes nur noch eine bereinigte Pkw-Umsatzrendite von 2–3% statt zuvor 3–5%. Das Konzern-EBIT soll lediglich das Vorjahresniveau erreichen.
Die Aktie reagiert heute dennoch mit einem Plus von 1,8%. Diese Gegenbewegung ist aber noch kein Nachweis dafür, dass sich das operative Geschäft stabilisiert.
Die Pkw-Marge muss einen Boden finden
Die entscheidende Kennzahl ist die bereinigte Umsatzrendite der Pkw-Sparte. Sie zeigt, wie viel Ergebnis nach den Belastungen durch Absatzschwäche, Wettbewerb und Modellwechsel übrig bleibt. Eine Erholung des ausgewiesenen Konzerngewinns kann diese operative Entwicklung nicht ersetzen.
Im dritten Quartal 2026 betrug die bereinigte Pkw-Marge 2,5%. Im entsprechenden Vorjahresquartal waren es noch 4,8%.
Der Rückgang macht deutlich, wie wenig Spielraum für zusätzliche Kosten besteht. Im Schlussquartal erwartet Mercedes höhere Belastungen durch Rohstoffe und Modellwechsel. Laut Finanzchef ist ein Verlust der Pkw-Sparte nicht ausgeschlossen. Für Anleger zählt deshalb nicht nur das Erreichen des neuen Jahresziels. Ebenso wichtig ist, mit welcher Ertragskraft Mercedes aus dem Jahr herausgeht.
Das bereinigte operative Pkw-Ergebnis sank auf 560 Millionen Euro nach rund 1,14 Milliarden Euro im Vorjahresquartal. Dieser Rückgang unterstreicht, weshalb die operative Marge für die weitere Bewertung aussagekräftiger ist als der gestiegene Nettogewinn.
Entlastung könnte aus mehreren Märkten kommen
Ein positives Szenario setzt keine schnelle Rückkehr zu früheren Renditen voraus. Es würde zunächst genügen, wenn der China-Rückgang nachlässt und das Geschäft außerhalb des Landes die Ergebnisschwäche zunehmend abfedert. Dafür gibt es zumindest regionale Ansatzpunkte.
Im dritten Quartal 2026 stieg der Pkw-Absatz in Europa um 5% und in den USA um 6%.
Parallel plant Mercedes, künftig in China gebaute Fahrzeuge nahezu vollständig lokal zu beschaffen. Das könnte die Kostenposition verbessern. Die Maßnahme ist allerdings ein Vorhaben und noch kein nachgewiesener Ergebnisbeitrag. Auch das angekündigte Baukastensystem für eine günstigere und schnellere Fahrzeugproduktion muss seine Wirkung erst entfalten.
Finanziellen Handlungsspielraum bietet die industrielle Nettoliquidität von rund 31 Milliarden Euro. Sie beseitigt die operative Schwäche nicht, verschafft dem Konzern aber einen Puffer für den Umbau.
Ab Dezember soll Mercedes in Deutschland erneut freiwillige Abfindungen für nicht produktionsnahe Beschäftigte anbieten. Im günstigen Szenario führen solche Maßnahmen später zu einer niedrigeren Kostenbasis. Entscheidend wäre, dass die Einsparungen nicht dauerhaft von neuen Belastungen aufgezehrt werden.
China und Umbaukosten könnten länger belasten
Das negative Szenario ist mehr als eine kurzfristige Absatzdelle. Mercedes könnte auch bei einer Stabilisierung der Stückzahlen unter intensivem Wettbewerb und hohen Umstellungskosten leiden. Eine stärkere lokale Beschaffung wäre dann notwendig, aber nicht ausreichend für eine rasche Margenerholung.
Der China-Pkw-Absatz sank im dritten Quartal 2026 um 31%. Der Sparkurs belastet zudem zunächst die Liquidität, bevor mögliche Einsparungen sichtbar werden.
Jefferies warnt vor einer Pkw-Marge von etwa 1,5% im Jahr 2027. Trotz dieses skeptischen Ertragsbilds hält das Haus an seiner Kaufempfehlung und dem Kursziel von 46 Euro fest.
Das ist kein Widerspruch, sondern verdeutlicht die Trennung zwischen Bewertung und kurzfristiger Gewinnentwicklung. Eine Aktie kann Erholungspotenzial bieten und operativ trotzdem vor einem weiteren schwierigen Jahr stehen.
Die nächsten Zahlen müssen Stabilisierung belegen
Solange Mercedes die neue Margenspanne hält und die Kostenmaßnahmen eine nachvollziehbare Entlastung versprechen, bleibt eine schrittweise Erholung plausibel. Kippt dagegen auch das reduzierte Renditeziel, müsste die Erwartung eines Ergebnisbodens erneut überprüft werden. Ein steigender Aktienkurs allein würde diese Frage nicht beantworten.
Die Zahlen zum vierten Quartal 2026 werden für den 18. Februar 2027 erwartet. Sie dürften insbesondere zeigen, wie stark Materialkosten und Modellwechsel das Schlussquartal belastet haben.
Bis dahin sollten Anleger zwischen angekündigten Maßnahmen und messbarer Wirkung unterscheiden. Beim geplanten Abfindungsprogramm sind weder die Zahl der Angebote noch die Zahl der Ausscheidenden genannt. Sein tatsächlicher Entlastungsbeitrag lässt sich deshalb noch nicht beziffern.
Zusätzliche Orientierung könnte das für 2027 angekündigte umfassende Strategie-Update liefern. Für die Anlageentscheidung bleibt jedoch der operative Nachweis vorrangig: Eine günstigere Kostenstruktur muss sich letztlich in einer stabileren Pkw-Marge niederschlagen.
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