Mercedes-Benz Aktie: Kurs nähert sich Jahrestief
Schwächere China-Auslieferungen und sinkende Verkäufe belasten Mercedes-Benz; Rückkäufe und neue EQS-Technik setzen Gegenakzente.

Kurz zusammengefasst
- China-Auslieferungen sinken um 31 Prozent
- Weltweite Pkw-Verkäufe fallen um acht Prozent
- 875.000 eigene Aktien zurückgekauft
- EQS-Lenksystem weltweit bestellbar
Schwache Vorgaben belasten den Aktienkurs
Die Aktie von Mercedes-Benz gerät an den Märkten zunehmend unter Druck. Mit einem Tagesverlust von 2,1 Prozent fiel das Papier auf 39,06 Euro zurück. Damit nähert sich die Notierung bedrohlich ihrem 52-Wochen-Tief von 38,90 Euro an. Für Investoren markiert dieser Kursstand einen neuralgischen Punkt. Die jüngsten operativen Signale treffen auf ein ohnehin eingetrübtes Umfeld an den europäischen Leitbörsen.
Laut Reuters fiel der DAX am heutigen Donnerstag unter die Marke von 25.000 Punkten, begleitet von einem kräftigen Anstieg der Ölpreise. In diesem schwachen Gesamtmarkt wiegen fundamentale Belastungsfaktoren für die Stuttgarter doppelt schwer. Anleger müssen nun abwägen, ob die Bewertung das konjunkturelle Risiko bereits vollständig widerspiegelt oder ein weiterer Rücksetzer droht.
China als bestimmender Faktor für die Ertragskraft
Im Zentrum der künftigen Entwicklung steht die Frage, wie stark das Geschäft im wichtigsten Einzelmarkt das Gesamtergebnis im laufenden Jahr nach unten zieht. Die Auslieferungen in China fielen im dritten Quartal um 31 Prozent auf 86.800 Pkw zurück. Wie das Handelsblatt berichtete, gefährden die überproportionalen Einbußen auf dem chinesischen Markt die Bilanzen deutscher Autokonzerne spürbar.
Laut Reuters ist der weltweite Rückgang der Pkw-Sparte vor allem auf die anhaltend schwierigen Marktbedingungen in China zurückzuführen. Weltweit setzte Mercedes-Benz Cars 407.200 Pkw ab, was einem Minus von acht Prozent entspricht.
Der gesamte Konzernabsatz inklusive der Vans sank um sechs Prozent auf 491.700 Fahrzeuge. Da margenstarke Luxusmodelle traditionell einen erheblichen Teil der Gewinne in Asien erwirtschaften, entscheidet die dortige Dynamik über die Profitabilität der kommenden Quartale.
Chancen durch Modellneuheiten und Kapitaldisziplin
Auf der Oberseite setzt das bullische Szenario darauf, dass der Markt die Absatzdelle im laufenden Bewertungsniveau überzeichnet hat. Gelingt es dem Konzern, die Profitabilität trotz sinkender Stückzahlen auf einem soliden Niveau zu stabilisieren, könnte das Tief halten.
Hoffnungsträger bleiben zudem technologische Neuerungen im oberen Fahrzeugsegment. Mercedes-Benz gab bekannt, dass das Steer-by-Wire-Lenksystem inzwischen weltweit für alle Märkte der EQS Limousine bestellbar ist.
Zudem steht der Auftritt auf der Pariser Automobilmesse bevor, die vom 12. bis zum 18. Oktober stattfindet. Dort plant das Management am 12. Oktober um 14:45 Uhr MESZ eine Pressekonferenz. Impulse von dieser Leitmesse könnten das Vertrauen in die Modellpipeline stärken.
Flankiert wird diese Perspektive von fortlaufenden Stützungsmaßnahmen am Kapitalmarkt. Für den Zeitraum vom 28. September bis zum 2. Oktober meldete das Unternehmen den Erwerb von 875.000 eigenen Aktien. Das Transaktionsvolumen belief sich dabei auf 35.637.298,00 Euro. Setzt das Management diesen Rückkaufkurs fort, stützt dies die Aktie bei weiteren Marktschwankungen.
Anhaltender Preisdruck gefährdet die Margen
Das bärische Szenario speist sich hingegen aus der Gefahr einer dauerhaften strukturellen Verschiebung in China. Sollte sich der dortige Absatzeinbruch im vierten Quartal fortsetzen oder weiter beschleunigen, gerät die anvisierte Renditebasis ins Wanken. Ein anhaltender Preiskampf und lokale Konkurrenz könnten die Stuttgarter dazu zwingen, Zugeständnisse bei den Verkaufspreisen zu machen.
Zudem drohen steigende Energiekosten und geopolitische Spannungen die Nachfrage in Europa und Nordamerika zu dämpfen. Wenn sich der globale Automobilsektor weiter abkühlt, lässt sich der Volumenschwund in Asien nicht durch andere Kernregionen kompensieren. In einem solchen Umfeld droht ein Durchbrechen des bisherigen Jahrestiefs, was zusätzlichen technischen Verkaufsdruck entfachen dürfte.
Zwei Termine bringen im Oktober Klarheit
Für Marktteilnehmer ist die Richtungsentscheidung eng an spezifische Marken und Daten gekoppelt. Solange das Tief bei 38,90 Euro auf Schlusskursbasis verteidigt werden kann, besteht die Möglichkeit einer technischen Stabilisierung. Kippt diese Marke jedoch nachhaltig, droht der Rutsch auf ein neues Jahrestief.
Erste Detailerläuterungen liefert das Management im heutigen Pre-Close-Call für Analysten und Investoren von 17:30 bis 18:00 Uhr MESZ. Die entscheidende fundamentale Weichenstellung folgt am 28. Oktober: An diesem Tag veröffentlicht die Mercedes-Benz Group ihren vollständigen Quartalsfinanzbericht für das dritte Quartal 2026. Erst diese Zahlen werden offenlegen, wie stark der Margendruck das Betriebsergebnis tatsächlich belastet hat.
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