Mercedes-Benz Aktie: Schiebe droht mit Werkschließungen
Mercedes-Benz fordert Einsparungen von Beschäftigten und stellt Werksschließungen in Aussicht. Die Aktie verlor 28 Prozent seit Jahresbeginn.

Kurz zusammengefasst
- Zwei deutsche Werke potenziell gefährdet
- Management verlangt längere Arbeitszeiten
- Rund 20.000 Beschäftigte protestierten
- Aktie seit Jahresbeginn 28 Prozent schwächer
Mit einer unverhohlenen Schließungsdrohung verschärft Mercedes-Benz die Debatte um die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Produktionsstandorte. Produktionsvorstand Michael Schiebe knüpft den Fortbestand zweier Fabriken direkt an Zugeständnisse der Belegschaft bei den Arbeitskosten. Die Aktie des Stuttgarter Konzerns verlor gestern 1,7 Prozent auf einen Schlusskurs von 43,58 Euro.
Ultimatum des Vorstands vor der Belegschaft
Auf einer Betriebsversammlung in Sindelfingen stellte Michael Schiebe klar, dass die Führung zwar den Erhalt aller deutschen Standorte anstrebe, dies jedoch Zugeständnisse erfordere. Gelinge keine Einigung auf Maßnahmen zur Kostensenkung, müsse das Unternehmen jeweils ein deutsches Aufbauwerk und ein deutsches Powertrainwerk schließen.
Für den Fahrzeugbau betrifft diese Drohung neben dem Traditionsstandort Sindelfingen die Werke in Bremen und Rastatt. In der Komponenten- und Antriebsstrangfertigung stehen Betriebe in Stuttgart-Untertürkheim, Berlin, Hamburg, Kamenz, Affalterbach sowie Kölleda und Arnstadt im Fokus.
Um die Ausgaben zu drücken, schlägt das Management im Rahmen einer Produktivitätsoffensive längere Arbeitszeiten bei unverändertem Gehalt sowie Kürzungen bei Urlaubs- und Weihnachtsgeldern vor.
Fronten vor den Tarifgesprächen verhärtet
Die Arbeitnehmervertretung reagierte mit erheblichem Widerstand auf die Forderungen. Gesamtbetriebsratschef Ergun Lümali kritisierte den Vorstand scharf und warf der Führung vor, das Gespür für die Beschäftigten verloren zu haben. Gestern beteiligten sich am Standort Sindelfingen rund 20.000 Mitarbeiter an einer Protestaktion der Gewerkschaft IG Metall gegen drohende Einschnitte.
Der Konflikt gewinnt durch den anstehenden Fahrplan zusätzliche Brisanz. Am 7. Oktober beginnen die Tarifverhandlungen für die Metall- und Elektroindustrie, während die Friedenspflicht mit dem Auslaufen der Verträge zum Monatsende endet. Das Management baut mit dem Verweis auf Schließungsoptionen frühzeitig Druck für die bevorstehenden Verhandlungstermine auf.
Margendruck belastet die Jahresziele
Hintergrund der harten Haltung ist der zunehmende Druck auf die Rentabilität. Eine Branchenstudie der Prüfungsgesellschaft EY zeigt, dass der operative Gewinn der deutschen Automobilhersteller im ersten Halbjahr vor allem wegen Absatzrückgängen in China spürbar sank.
Analyst Patrick Hummel von der Schweizer Großbank UBS stuft das Papier unverändert mit „Neutral“ ein. Er betont, dass die Erreichung der Jahresziele maßgeblich vom Verlauf des anstehenden vierten Quartals abhängen wird. Die strukturellen Baustellen spiegeln sich im Börsenwert wider: Seit Jahresanfang verzeichnet die Aktie von Mercedes-Benz ein Minus von 28 Prozent.
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