Mercedes-Benz ringt mit zwei Fronten zugleich: schwächelnde Absätze im Kerngeschäft und ein abrupter Kurswechsel bei der Autonomie-Technologie. Besonders der Rückzug von Level 3 beim Flaggschiff S-Klasse sorgt für Stirnrunzeln. Wie sehr belasten diese Entwicklungen die Aktie – und wo liegen die Ansatzpunkte für eine Stabilisierung?
Absatzschwäche und China-Belastung
Für das Gesamtjahr 2025 meldete der Konzern einen Rückgang des Absatzes um 10 % auf 2,16 Millionen Fahrzeuge (Pkw und Vans). Im wichtigen Pkw-Segment lag das Minus bei 9 % auf 1,8 Millionen Einheiten. Damit bestätigt sich: 2025 war für Mercedes klar ein schwieriges Jahr.
Besonders deutlich wird das im Blick auf den wichtigsten Einzelmarkt:
– China: Verkäufe fallen um 19 % auf 551.900 Fahrzeuge
– USA: Händlerabsatz -12 %, Retail-Auslieferungen dagegen leicht im Plus (+1 %)
Die Schwäche in China unterstreicht die hohe Abhängigkeit von diesem Markt. Mercedes verliert dort Marktanteile sowohl an lokale Anbieter als auch an den Premium-Rivalen BMW.
Zusätzlich unter Druck steht das Elektrogeschäft. Bei batterieelektrischen Pkw (BEV) sank der Absatz um 9 % auf 168.800 Einheiten. Im Vergleich zu BMW, das im gleichen Zeitraum über 442.000 vollelektrische Fahrzeuge absetzte, fällt Mercedes deutlich zurück.
Ganz dunkel ist das Bild allerdings nicht. Im vierten Quartal 2025 zeigte sich eine gewisse Stabilisierung: Mit 558.400 Einheiten war es das stärkste Quartal des Jahres, 6 % mehr als im dritten Quartal. Auch im Luxus-Segment gibt es positive Ausreißer:
– G-Klasse: Rekord mit 49.700 Einheiten (+23 %)
– AMG: Absatzplus von 7 %
Diese Nischen stützen die „Luxury First“-Ausrichtung, auch wenn im Top-End-Segment die Marge um 5 % zurückging – ein direkter Treffer ins Herz dieser Strategie.
Strategiewechsel bei autonomem Fahren
Parallel zur Absatzschwäche zeichnet sich ein markanter Technologie-Schwenk ab. Laut Berichten verzichtet Mercedes beim anstehenden Facelift der S-Klasse, das am 29. Januar 2026 präsentiert wird, vorerst auf die Level-3-Funktion („Drive Pilot“).
Gründe sind:
– sehr hohe Produktionskosten, insbesondere durch Lidar-Sensorik
– geringe Zahlungsbereitschaft der Kunden für den Aufpreis von rund 6.000 Euro
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Statt vollwertigem Level 3 setzt der Konzern künftig auf ein „Level 2++“-System („MB.Drive Assist Pro“), bei dem der Fahrer die Hände zwar vom Lenkrad nehmen darf, den Verkehr aber weiterhin permanent überwachen muss. Der Ansatz ähnelt damit eher konkurrenzfähigen Assistenzsystemen im Markt als einem echten „Eyes-off“-System.
Für die strategische Positionierung ist das ein Einschnitt. Mercedes war der erste Hersteller mit einer Level-3-Zulassung; der Rückzug auf ein kostengünstigeres System zeigt, dass sich die frühe Pionierrolle im Massenmarkt aktuell nicht rechnet.
Aktie zwischen Rückkaufstütze und verhaltenem Chartbild
Trotz der operativen Belastungen läuft das Aktienrückkaufprogramm weiter. Zwischen dem 5. und 9. Januar 2026 erwarb der Konzern rund 700.000 eigene Papiere zu Kursen um 60 Euro und setzt damit ein Signal der Kapitaldisziplin.
Die Aktie schloss gestern bei 59,66 Euro. Auf Sicht von sieben Tagen ergibt sich ein Minus von 2,72 %, seit Jahresbeginn liegt das Papier rund 3,47 % im Rückstand. Im Zwölfmonatsvergleich steht aber noch ein Plus von 7,79 % zu Buche. Vom 52-Wochen-Hoch bei 70,10 Euro ist der Kurs derzeit etwa 15 % entfernt, gleichzeitig rund 27 % über dem Tief bei 47,05 Euro.
Charttechnisch fällt das Bild gemischt aus:
– Kurs knapp unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 60,20 Euro
– Deutlicher Abstand über dem 200-Tage-Durchschnitt (54,61 Euro; +9,47 %)
– RSI (14 Tage) bei 36,3 und damit im unteren neutralen Bereich
Die Zone um 60 Euro fungiert damit als kurzfristig wichtige Marke, die gleichzeitig durch den laufenden Rückkauf gestützt wird.
JPMorgan reagierte auf die jüngsten Entwicklungen nicht defensiv, sondern leicht positiv: Am 12. Januar wurde das Kursziel moderat von 68 auf 70 Euro angehoben, die Einstufung „Overweight“ bestätigt. Begründet wird dies mit der Erwartung, dass neue Produktzyklen die Lage ab 2026/2027 verbessern könnten.
Ausblick: Produktstart als Bewährungsprobe
Die vorgelegten 2025er-Zahlen und der Kurswechsel bei Level 3 zeichnen ein Bild eines Übergangsjahres, in dem Mercedes sowohl im Kerngeschäft als auch technologisch nachjustieren muss. Besonders China bleibt der Knackpunkt, zumal eine nachhaltige Erholung der Absätze dort erst für die zweite Jahreshälfte 2026 oder 2027 erwartet wird.
Im Fokus steht nun der 29. Januar 2026, wenn das S-Klasse-Facelift offiziell vorgestellt wird. Entscheidend wird sein, ob das neue „MB.Drive Assist Pro“ im Wettbewerbsvergleich überzeugt und ob das überarbeitete Flaggschiff die Marge im Premiumsegment wieder stützen kann. Gelingt dies zusammen mit dem Hochlauf neuer Modelle wie dem kommenden CLA und einem elektrischen GLC ab 2026/2027, hätte der Konzern eine solide Grundlage, um sich aus dem aktuellen Übergangskorridor herauszuarbeiten.
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