Mercedes muss am Mittwoch zeigen, was der Zoll wirklich kostet
Der Quartalsbericht von Mercedes-Benz macht sichtbar, wie sich Zölle auf die Pkw-Rendite auswirken; zuletzt betrug sie vier Prozent.

Kurz zusammengefasst
- Mercedes legt Quartalszahlen am Mittwoch vor
- Pkw-Marge zuletzt bei vier Prozent
- Audi plant SUV-Werk in Georgia
- Fed-Zinsentscheidung am Mittwochabend erwartet
Liebe Börsianerinnen und Börsianer,
Audi baut in Georgia ein neues SUV-Werk. Verkündet wurde das am Samstag auf einer Wahlkampfbühne von Donald Trump. Rund 4 Milliarden Dollar sind angekündigt, 4.500 Arbeitsplätze sollen entstehen. Trump feierte die Investition als Beleg dafür, dass seine Zölle ausländische Hersteller ins Land holen.
Klingt nach einer guten Nachricht für deutsche Autoaktien? Meine These: Die wichtigere Zahl der Woche kommt nicht aus Georgia, sondern von Mercedes-Benz. Am Mittwoch legt der Konzern seine Pkw-Marge vor. Sie zeigt, was der Zoll gekostet hat. Ein neues Werk zeigt nur, was versprochen wird.
Mercedes-Benz: Die Marge im engen Korridor
Mercedes-Benz muss am Mittwoch beweisen, dass seine Pkw-Marge im eigenen Zielkorridor geblieben ist. Die Zahlen zum dritten Quartal kommen am Mittwoch, 28. Oktober, um 7:00 Uhr. Die Marge ist der Anteil vom Umsatz, der als Gewinn übrig bleibt. Der Konzern peilt selbst einen Korridor von drei bis fünf Prozent an.
Zuletzt lag die Marge bei vier Prozent, genau in der Mitte. Das klingt komfortabel, ist es aber nicht. Jeder Zehntelpunkt nach unten rückt Mercedes-Benz näher an den Rand dessen, was der Konzern versprochen hat.
Warum gerade diese Zahl? Weil der Zoll direkt an ihr ansetzt. Steigen Importzölle, wandert ein Teil des Verkaufspreises an den Staat statt in die Bilanz, denn Mehrkosten lassen sich im Wettbewerb selten ganz weitergeben. Für mich ist die Marge deshalb ehrlicher als jedes Investitionsversprechen.
Audi und Volkswagen: Fabriken gegen Zollrabatt
Bloomberg berichtet unter Berufung auf einen US-Regierungsvertreter, Volkswagen erhoffe sich vom Ausbau in den USA Erleichterungen bei den Importzöllen. Diese hätten das Ergebnis schwer belastet. Audi will in Macon SUV-Modelle bauen, die Produktion soll Anfang der 2030er Jahre anlaufen. Zugleich erweitert Volkswagen das im Bau befindliche Scout-Werk in South Carolina.
Wo liegt der Haken? Wer vor Ort produziert, umgeht den Zoll, bindet aber über Jahre Kapital, bevor das erste Auto vom Band läuft. Die Zollentlastung dagegen ist eine politische Zusage, keine Buchungszeile.
Audi-Chef Gernot Döllner dankte Trump auf der Bühne persönlich, und das kurz vor den Kongresswahlen am 3. November. In einer Ipsos-Umfrage für ABC und Washington Post billigen nur noch 33 Prozent der Amerikaner Trumps Amtsführung. Ein Wahlkampfversprechen mit so wenig Rückhalt ersetzt keine Marge, die im Quartalsbericht steht.
Volkswagen, Porsche, Ford: Wie sich die Risiken verteilen
Volkswagen zeigt zugleich, was passiert, wenn die Marge im Inland geholt werden muss. Der Konzern will im großen Stil Stellen streichen und Milliarden einsparen. Die IG Metall macht dagegen mobil. Der erste Verhandlungstermin ist am 24. November in Emden, die Fortsetzung für den 15. Dezember in Zwickau geplant.
In beiden Städten stehen Volkswagen-Werke, deren Zukunft offen ist. Der Haustarif, ein eigener Tarifvertrag nur für das Unternehmen, gilt für rund 130.000 Beschäftigte. „Tarifverhandlungen gehören dorthin, wo die Zukunft der Standorte auf dem Spiel steht“, sagte IG-Metall-Bezirksleiter Thorsten Gröger.
Porsche legt dem Terminkalender zufolge am 27. Oktober Zahlen vor, nachdem die weltweiten Auslieferungen deutlich zurückgegangen sind. Die neue Strategie „Sportwagenschmiede ’35“ soll zeigen, wie Porsche trotz geringerer Stückzahlen dauerhaft höhere Renditen erreichen will.
Ford Motor berichtet am Mittwoch, 28. Oktober, um 21:00 Uhr, also erst nach dem Frankfurter Handel. Der DAX kann darauf frühestens am Donnerstag reagieren. Drei Antworten auf denselben Druck: Audi kauft sich mit Fabriken politisches Wohlwollen, Volkswagen sucht die Marge beim Personal, Porsche beim Preis statt bei der Stückzahl.
Ifo, Deutsche Bank, Fed: Die Woche in drei Terminen
Den Auftakt macht am Montag, 26. Oktober, um 10:00 Uhr der Ifo-Geschäftsklimaindex für Oktober. Er misst die Stimmung in deutschen Unternehmen per Umfrage. Volkswirte erwarten im Schnitt 89,8 Punkte nach 89,9 im Vormonat, also kaum Bewegung.
Am Mittwoch, 28. Oktober, um 7:00 Uhr legt die Deutsche Bank ihre Quartalszahlen vor. Im Vorjahresquartal verdiente sie 2,4 Milliarden Euro vor Steuern, im zweiten Quartal 2026 waren es 2,68 Milliarden. Spannend wird, wo die Deutsche Bank diesmal landet.
Auch BNP Paribas berichtet am Mittwoch um 7:00 Uhr, Société Générale am Donnerstag um 6:30 Uhr. HSBC kommt schon am Dienstag um 8:00 Uhr.
Am Mittwoch um 19:00 Uhr entscheidet die Fed. Ändert die US-Notenbank ihre Zinsen? Erwartet wird das nicht, die Zielspanne soll bei 3,75 bis 4,00 Prozent bleiben.
Am Donnerstag um 14:15 Uhr folgt die EZB. Der Konsens rechnet mit einem unveränderten Hauptrefinanzierungssatz von 2,65 Prozent. Das ist der Zins, zu dem sich Banken bei der Notenbank Geld leihen. Nach Einschätzung von Marktbeobachtern erschwert der Ölpreis der Sorte Brent über 117 Dollar das Inflationsbild für beide Notenbanken.
Huthis, Qiagen, Moody’s: Was übers Wochenende geschah
Die Huthi-Rebellen haben nach eigenen Angaben Flughäfen in Riad und Dammam angegriffen, dazu eine Aramco-Anlage in Janbu und eine Raffinerie in Rabigh. Am Ölfeld Schaiba blieb der Betrieb laut Energieministerium unbeeinträchtigt. Brent schloss am Freitag nahe 117 Dollar, nicht weit vom Jahreshoch bei gut 118 Dollar Ende März.
EQT will mit einem Konsortium 46,50 Euro je Qiagen-Aktie bieten. Moody’s beließ Frankreichs Bonitätsnote nach US-Börsenschluss am Freitag unverändert, mit negativem Ausblick. Der Anleihemarkt hatte eine Herabstufung bereits in die Kurse eingerechnet. Bitcoin bewegte sich seit Freitag kaum.
Unterm Strich
Audis Werk in Georgia liefert frühestens Anfang der 2030er Jahre das erste Auto. Die Zollentlastung dafür bleibt bis dahin ein Versprechen aus dem Wahlkampf. Mercedes-Benz dagegen legt am Mittwoch um 7:00 Uhr offen, was der Zoll im dritten Quartal tatsächlich gekostet hat.
Für mich ist das der wichtigere Termin für deutsche Autoaktien, weil er misst statt verspricht. Achten Sie am Mittwoch auf eine einzige Zahl: die Pkw-Marge, zuletzt bei vier Prozent.
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