Meta wächst und verbrennt Geld: Wer bezahlt den KI-Ausbau eigentlich?
Metas Investitionen übersteigen erstmals den operativen Mittelzufluss; Texas Instruments und SAP verbinden starke Ergebnisse mit wachsenden Barmitteln.

Kurz zusammengefasst
- Meta erzielt 26 Prozent Umsatzplus
- Freier Cashflow fällt auf minus 2,1 Milliarden Dollar
- Texas Instruments steigert Mittelzufluss um 249 Prozent
- SAP überschreitet zehn Milliarden Euro Quartalsumsatz
Liebe Börsianerinnen und Börsianer,
diese Woche ging es an der Börse weniger ums Wachstum als ums Kassenbuch. Die Frage lautete: Wer verdient mit den Milliarden für künstliche Intelligenz tatsächlich Geld? Meta jedenfalls gerade nicht.
Meta meldete am Donnerstag zum ersten Mal seit dem Börsengang, dass mehr Geld abfloss als hereinkam. Das schickte den Nasdaq auf den größten Tagesverlust seit vier Monaten. Texas Instruments und SAP zeigten dagegen, wie Rekordmargen und steigende Barmittel aussehen. Für Anleger zählt jetzt weniger das Umsatzwachstum als die Frage, ob die Bilanz die Ausgaben trägt.
Meta: Rekordumsatz, aber die Kasse leert sich
Metas Zahlen sind das Paradox der Woche. Der Umsatz stieg im dritten Quartal um 26 Prozent und lag über den Erwartungen. Doch die Investitionen überstiegen erstmals das Geld aus dem laufenden Geschäft. Der freie Cashflow, also das Geld, das nach allen Investitionen übrig bleibt, rutschte auf minus 2,1 Milliarden Dollar.
Der Haken steckt in der Finanzierung. Meta führt ab Januar 2027 Aktien ohne Stimmrecht ein, um das Wachstum zu bezahlen und Mark Zuckerbergs Kontrolle zu sichern. Gleichzeitig stiegen die Kreditausfallversicherungen auf Meta-Anleihen auf ein Allzeithoch.
Mit diesen Papieren sichern sich Gläubiger gegen einen Zahlungsausfall ab. Dazu kamen eine Sonderbelastung für einen Vergleich zum Jugendschutz und eine höher angesetzte Untergrenze für die Investitionen 2026.
Und die Analysten? Die meisten hoben ihre Kursziele trotzdem an, Truist bis auf 1.000 Dollar, obwohl die Aktie am Donnerstag fast 7 Prozent verlor. Wer hier investiert, wettet darauf, dass die Werbemaschine mit höheren Anzeigenpreisen die Rechenzentren irgendwann refinanziert. Der Markt hat diese Wette erst einmal abgelehnt.
Texas Instruments: Die Gegenprobe
Texas Instruments liefert das Gegenmodell. Bei dem Chiphersteller sprang die Bruttomarge im dritten Quartal auf 64 Prozent und lag damit klar über den Schätzungen. Die Bruttomarge zeigt, wie viel vom Umsatz nach den direkten Herstellkosten übrig bleibt.
Entscheidend ist aber die Kasse. Der freie Mittelzufluss der letzten zwölf Monate stieg bei Texas Instruments um 249 Prozent auf 8,4 Milliarden Dollar. Der Grund: Der jahrelange Ausbau der Fertigungskapazitäten wirft nun Geld ab, statt es zu binden. Auch der Ausblick aufs vierte Quartal liegt deutlich über dem, was Analysten erwartet hatten.
Die Aktie von Texas Instruments liegt seit Jahresbeginn 70 Prozent im Plus, das Hoch aus dem Juni hat sie aber noch nicht wieder erreicht. Für deutsche Depots ist der Vergleich mit Infineon aufschlussreich, das im vergangenen Monat deutlich verloren hat. Der Zyklus bei diesen Chips dreht in den USA schon, während Infineon in der Verkaufswelle des Sektors mitgerissen wird.
Welche Unternehmen von der nächsten Welle der KI-Hardware profitieren könnten, zeigt das Live-Webinar „Der Robo-Boom“. Während bei Texas Instruments die jahrelangen Investitionen in Fertigungskapazitäten jetzt Cashflow abwerfen, steht die Produktion humanoider Roboter nach Einschätzung von Carsten Müller erst am Anfang eines ähnlichen Zyklus. Der Chefredakteur von Future Money stellt morgen, Sonntag, den 25.10.2026, um 18:00 Uhr fünf Unternehmen vor, die von der Serienfertigung dieser Roboter profitieren sollen. Zusätzlich zeigt er eine dreistufige Prüfmethode, mit der sich Roboter-Aktien künftig selbst einordnen lassen. Die Teilnahme ist kostenlos. Jetzt zum Webinar „Der Robo-Boom“ anmelden
SAP: Rekordquartal ohne Kursgewinn
SAP schaffte am Donnerstag zwei Premieren: erstmals über 10 Milliarden Euro Quartalsumsatz und erstmals über 3 Milliarden Euro operatives Ergebnis ohne Sondereffekte. Das Cloud-Geschäft wuchs kräftig. Für 2026 peilt SAP beim Cloud-Umsatz nun das obere Ende der eigenen Spanne an.
Warum gab die Aktie am Freitag trotzdem leicht nach? Finanzchef Dominik Asam warnte vor Risiken im vierten Quartal, in dem rund die Hälfte der Jahresbuchungen anfällt. Als Unsicherheiten nannte er Ölpreise und US-Zinsen. Zudem rechnet SAP im Schlussquartal mit einer Abschwächung des Cloud-Wachstums auf rund 23 Prozent.
Seit dem Juli-Tief hat sich die SAP-Aktie um weit mehr als die Hälfte erholt. Viel von dem guten Quartal steckte also schon im Kurs. Wer noch nicht investiert ist, bekommt bis zum Ausblick im Januar vermutlich keinen neuen Anlass, aber auch kein operatives Problem.
American Express: KI als Sparprogramm
Bei American Express kommt KI in der Bilanz als Kostenprogramm an. Der Kreditkartenkonzern streicht rund 5 Prozent der weltweiten Belegschaft, etwa 3.500 Stellen. Finanzchef Le Caillec begründete den ersten großen Stellenabbau seit rund einem Jahrzehnt mit der Vorbereitung auf den KI-Einsatz. Auch Barclays plant einen Stellenabbau.
Operativ läuft es bei American Express gut. Der Gewinn je Aktie ohne Sondereffekte lag mit 4,68 Dollar über der Analystenerwartung von 4,48 Dollar. Der Konzern hob die Jahresprognose an. Eine höhere Jahresgebühr für die Platinum-Karte brachte zusätzliche Kartengebühren.
Am Freitag fiel die Aktie von American Express trotzdem um 3,4 Prozent, seit Jahresbeginn liegt sie 13 Prozent im Minus. Warum? Der Markt liest den Stellenabbau offenbar nicht als Effizienzgewinn. Er sieht darin eher einen Hinweis, dass das Wachstum bei wohlhabenden Kunden allein nicht mehr reicht. Das Muster: Banken und Zahlungsdienstleister finanzieren KI über Personal, nicht über Investitionen wie Meta.
SpaceX will Mobilfunk anbieten
Am Freitag kam eine Nachricht, die deutsche Depots direkt trifft: SpaceX plant ein eigenes US-Mobilfunknetz. AT&T und T-Mobile US verloren jeweils fast 8 Prozent, die Deutsche Telekom als Mutter von T-Mobile US gab 3,2 Prozent ab.
Wer gewinnt dabei? Die Betreiber von Funktürmen. American Tower stieg um 4,3 Prozent und erreichte im Tagesverlauf den höchsten Stand seit einem Jahr. Ein neues Netz braucht Infrastruktur, egal wer es betreibt.
Für Telekom-Aktionäre ist noch offen, ob das Satellitennetz den US-Cashflow wirklich bedroht oder nur die Bewertung drückt. Der Kursrutsch war die Antwort des ersten Tages, nicht die endgültige.
Unterm Strich
Der DAX verlor auf Wochensicht rund 1,7 Prozent, doch die Richtung geben kommende Woche die US-Bilanzen vor. Alphabet, Amazon und Microsoft legen ihre Zahlen vor, und nach Meta wird jeder Investitionsplan auf den freien Cashflow abgeklopft.
Belohnt wird, wer wie Texas Instruments und SAP steigende Margen mit steigenden Barmitteln verbindet. Wer Wachstum mit verwässerten Stimmrechten bezahlt, wird es nicht. Der Umsatzrekord allein ist kein Freifahrtschein mehr.
In Deutschland folgt am Freitag, 30. Oktober, die Schnellmeldung zum Bruttoinlandsprodukt des dritten Quartals. Laut Bundesbank dürfte die Wirtschaft stagniert haben. Am selben Tag kommt die vorläufige Inflation für Oktober. Die Fed dürfte bei ihrer Sitzung pausieren, eine Zinserhöhung im Dezember bleibt eingepreist.
Beste Grüße, Ihr Eduard Altmann
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