Micron: 11 Prozent in sieben Tagen

Micron profitiert von anhaltender KI-Speichernachfrage: Kapazitäten bis 2027 ausgebucht, operative Marge erreicht 81 Prozent, Analysten uneins über Zyklusdauer.

Redaktion Stock-World ·
Abstrakte Nahaufnahme eines Silizium-Wafers in einem Hightech-Reinraum mit blauer Beleuchtung. (KI-generiertes Symbolbild)
Symbolbild, KI-generiert

Kurz zusammengefasst

  • Kapazitäten bis 2027 vollständig ausgebucht
  • Operative Marge erreicht 81 Prozent
  • Rekordumsatz von 50 Milliarden Dollar erwartet
  • Analysten uneins über Zyklusdauer

Micron Technology hat am Freitag ein Plus von 2,1 Prozent verbucht und damit die Serie fortgesetzt, die die Aktie binnen sieben Tagen um 11 Prozent nach oben trieb. Für mich ist das kein Strohfeuer, sondern die logische Fortsetzung einer These, die sich in den vergangenen Tagen mit erstaunlicher Konsistenz bestätigt hat: Der Speichermarkt ist eng, und er bleibt es länger, als viele erwartet hatten.

Wenn der Chief Business Officer selbst überrascht ist

Bemerkenswert fand ich die Aussage von Sumit Sadana, EVP und Chief Business Officer von Micron, beim KeyBanc Capital Markets Technology Leadership Forum am 10. August. Er sprach davon, dass KI die Speichernachfrage schneller verändere, als die Industrie neue Kapazitäten aufbauen könne – und dass die Nachfragesignale seit dem letzten Quartalsbericht sogar noch stärker geworden seien.

Wenn ein Unternehmen mitten im eigenen Boom sagt, das Kalenderjahr 2027 werde noch enger als 2026, dann ist das keine übliche Investor-Relations-Rhetorik. Das ist eine Kapazitätswarnung.

Gestützt wird diese Lesart durch Berichte, wonach die drei größten DRAM-Hersteller Samsung Electronics, SK Hynix und Micron ihre Kapazitätsallokation für 2027 bereits verhandelt haben – mit dem Ergebnis, dass DRAM- und HBM-Produktion vollständig ausgebucht sind.

Den Großteil der Kapazität sichern sich Cloud-Anbieter und große KI-Chip-Kunden über Verträge mit Laufzeiten von drei bis fünf Jahren. Für mich ist das der eigentliche Kern der Geschichte: Micron verkauft nicht mehr auf Sicht, sondern auf Jahre hinaus.

Zahlen, die die Erzählung stützen

Die operative Marge lag im jüngsten Quartal, das am 24. Juni endete, bei 81 Prozent – ein Wert, der für einen zyklischen Speicherhersteller ungewöhnlich hoch ist.

Für das laufende Quartal stellt Micron einen Rekordumsatz von 50,0 Milliarden Dollar in Aussicht, mit einer Bruttomarge von rund 86 Prozent und einem Gewinn je Aktie von 31,00 Dollar, jeweils mit einer Schwankungsbreite von einer Milliarde beziehungsweise einem Dollar.

Das Rechenzentrumsgeschäft überschritt im dritten Quartal 25 Milliarden Dollar, SSD-Umsätze verdoppelten sich sequenziell mehr als. 16 strategische Kundenverträge decken rund ein Fünftel des DRAM- und bis zu einem Drittel des NAND-Volumens ab. Das ist für mich der Unterschied zu früheren Zyklen: Die Visibilität ist höher, weil die Kunden selbst langfristig binden wollen.

Dazu passt der Schritt vom 13. August, mit dem Micron Ventures den Paradigm Fund auflegte – ein mit 250 Millionen Dollar dotiertes, drittes und bislang größtes Investmentvehikel, das über den gesamten KI-Technologie-Stack hinweg investieren soll, von Modellarchitekturen über Recheninfrastruktur bis zu physischer KI. Das lese ich weniger als Kapitalallokations-Nebensache, sondern als Signal: Micron will nicht nur Zulieferer sein, sondern sich strategisch in das KI-Ökosystem einweben.

Nicht alle sind gleich euphorisch

Allerdings lohnt der Blick auf abweichende Stimmen. UBS bekräftigte am 10. August die Kaufempfehlung und hob das Kursziel auf 1.625 Dollar an, mit Verweis auf die enge HBM-Versorgung und robuste Data-Center-Speichernachfrage.

Citigroup dagegen senkte am 7. August das Kursziel von 1.400 auf 1.150 Dollar, hielt aber an Kaufen fest – die Amerikaner erwarten, dass der Preisauftrieb im kommenden Jahr an Schwung verliert, auch wenn DRAM- und NAND-Preise kurzfristig weiter steigen, und kappten deshalb ihre Schätzungen für die Geschäftsjahre 2027 und 2028. Diese Divergenz zwischen zwei namhaften Häusern zeigt: Die Frage ist nicht, ob der Zyklus läuft, sondern wie lange er noch so gut läuft wie jetzt.

Mein Fazit

Unterm Strich überwiegen für mich die Argumente für eine anhaltende Stärke. Die operative Marge, die ausgebuchten Kapazitäten bis 2027 und die langfristigen Kundenverträge sprechen dafür, dass Micron nicht auf einem kurzlebigen Preisausschlag reitet, sondern auf einer strukturellen Verknappung, die selbst das eigene Management überrascht.

Der Kurs notiert mit 841,00 Euro knapp unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 844,07 Euro und rund 24 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch – Raum für weitere Bewegung ist also vorhanden, in beide Richtungen.

Die Vorsicht von Citigroup bei den Schätzungen für 2027 und 2028 sollte man ernst nehmen, ohne die Kapazitätslage zu ignorieren. Für mich bleibt die zentrale Frage nicht, ob der Engpass real ist – das scheint belegt –, sondern wie lange die Preisdynamik der Nachfrage standhält, bevor neue Kapazitäten den Markt entspannen.

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Micron Technology Aktie

918,80 EUR

– 4,90 EUR -0,53 %
KGV 13,84
KUV 13,73
Sektor Technologie
Div.-Rendite 0,05 %
Marktkapitalisierung 1,17 Bio. USD
Ø Kursziel 1.520,02 USD
ISIN: US5951121038 WKN: 869020

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