Micron: 16 Verträge bis 2030

Micron sichert sich mit Take-or-Pay-Verträgen bis 2030 Preis- und Volumengarantien. HBM4-Rampe läuft doppelt so schnell wie beim Vorgänger, während die Aktie unter dem 50-Tage-Durchschnitt notiert.

Dr. Robert Sasse ·
Abstrakte Darstellung moderner Halbleiterfertigung in einem Reinraum mit blauer Beleuchtung. (KI-generiertes Symbolbild)
Symbolbild, KI-generiert

Kurz zusammengefasst

  • 16 strategische Kundenverträge bis 2030
  • Rekordumsatz von 41,46 Milliarden Dollar
  • HBM4-Produktion für Nvidia gestartet
  • Aktie notiert 8,5% unter 50-Tage-Linie

Micron Technology hat diese Woche etwas vorgelegt, das mir wichtiger scheint als jede einzelne Analystenstimme: 16 mehrjährige „Strategic Customer Agreements“ bis 2030, mit Preisuntergrenzen und Volumenzusagen. Das ist kein Marketing-Sprech, das ist ein Fundament.

Für mich ist das die eigentliche Kernnachricht dieser Woche – nicht die Kursziele, nicht die Insiderverkäufe, sondern die strukturelle Absicherung eines Unternehmens, das gerade den größten Nachfrageschub seiner Geschichte erlebt.

Die Knappheit ist real, nicht erzählt

Micron-Manager sprachen auf dem KeyBanc Technology Leadership Forum am 10. August von einem „Total Game Changer“ für den Speichermarkt. Das Unternehmen könne derzeit nicht mehr als die Hälfte der Kapazitätsanfragen von Rechenzentrumskunden erfüllen.

Wer das für Übertreibung hält, sollte sich die Geschäftszahlen ansehen: Im dritten Fiskalquartal, das am 28. Mai endete, meldete Micron einen Rekordumsatz von 41,46 Milliarden Dollar, ein Plus von 345,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr, bei einem Non-GAAP-Gewinn von 25,11 Dollar pro Aktie.

Die Prognose für das vierte Quartal liegt bei rund 50 Milliarden Dollar Umsatz und einer Bruttomarge von etwa 86 Prozent. Das sind keine Zahlen, die man mit „zyklische Erholung“ abtut – das ist ein Strukturbruch.

Die Take-or-Pay-Verträge bis 2030 fügen sich genau in dieses Bild. Sie sichern Micron nicht nur Volumen, sondern auch Preisniveaus – ausgerechnet in einem Markt, der laut Unternehmensangaben bis mindestens 2027 knapp bleiben soll. Wer glaubt, dass KI-Nachfrage nur ein vorübergehendes Strohfeuer ist, muss erklären, warum Kunden sich freiwillig für vier Jahre binden.

HBM4 liefert, die Aktie schwankt trotzdem

Parallel dazu läuft die Serienfertigung von HBM4-Speicher für Nvidias Vera-Rubin-Plattform bereits an – mit einer Rampe, die laut Unternehmen doppelt so schnell verläuft wie bei der Vorgängergeneration HBM3E. Das ist operative Exekution, nicht Ankündigungspolitik.

Auch die Auszeichnung mit dem „Grand Prize“ beim Future of Memory and Storage-Event für die neue 6600 ION NVMe-SSD mit bis zu 245 Terabyte Kapazität zeigt: Micron liefert technologisch ab, während andere noch über KI-Zyklen diskutieren.

Trotzdem schwankt die Aktie kräftig. Aktuell notiert sie bei 771,00 Euro, nach einem Tagesplus von 2,62 Prozent. Zum 50-Tage-Durchschnitt von 842,64 Euro fehlen aber immer noch 8,50 Prozent, und vom 52-Wochen-Hoch bei 1.103,80 Euro trennen 30,15 Prozent. Diese Diskrepanz zwischen operativer Stärke und Kursverlauf finde ich bemerkenswert.

Ein Teil der Erklärung liegt in der Konkurrenz aus China: Anfang August fiel die Aktie rund 4 Prozent, nachdem Medienberichten zufolge der chinesische Wettbewerber CXMT seine DRAM-Kapazitäten in Peking ausbaut. Das ist ein Risiko, das man nicht kleinreden sollte – zumal Citigroup deswegen am 7. August ihr Kursziel von 1.400 auf 1.150 Dollar senkte, trotz weiterhin bestehender Kaufempfehlung.

Insider verkaufen, Institutionelle kaufen

Interessant ist auch die Gegenläufigkeit bei den Eigentümerbewegungen. CEO Sanjay Mehrotra verkaufte Ende Juli Aktien im Wert von knapp 29 Millionen Dollar, der Chief Accounting Officer Scott R. Allen trennte sich Ende Juli ebenfalls von einem kleineren Paket. Solche Verkäufe sind bei stark gestiegenen Kursen üblich und für sich genommen kein Warnsignal.

Gleichzeitig stockten mehrere institutionelle Investoren ihre Positionen im zweiten Quartal auf, etwa Handelsbanken Fonder und Franklin Street Advisors – Letztere erhöhte ihren Bestand um mehr als das 24-Fache. Für mich überwiegt hier das Bild einer Aktie, die von langfristig orientierten Adressen aufgebaut wird, während Führungskräfte lediglich Gewinne realisieren.

Mein Fazit

Unterm Strich spricht für mich mehr für Micron als gegen das Unternehmen. Die Kombination aus vertraglich abgesicherter Nachfrage bis 2030, technologischer Führungsrolle bei HBM4 und einer Bruttomarge jenseits der 85 Prozent ist selten. Das Risiko aus China ist real und rechtfertigt vorsichtigere Kursziele, wie Citigroup sie setzt.

Aber die Volatilität von 95,05 Prozent zeigt vor allem eines: Der Markt hat sich noch nicht entschieden, wie er diesen Strukturwandel bewerten soll. Genau diese Unsicherheit halte ich für den eigentlichen Interessantfaktor der Aktie – nicht als Kaufsignal, sondern als Beobachtungsposten für die kommenden Quartale.

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Micron Technology Aktie

845,90 EUR

– 35,50 EUR -4,03 %
KGV 23,25
KUV 12,72
Sektor Technologie
Div.-Rendite 0,05 %
Marktkapitalisierung 1,15 Bio. USD
Ø Kursziel 1.513,11 USD
ISIN: US5951121038 WKN: 869020

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