Micron: 50-Milliarden-Prognose für das vierte Quartal
Micron verzeichnet beste Geschäftszahlen der Firmengeschichte, doch der Aktienkurs fällt deutlich. Sorgen um die Nachhaltigkeit der hohen Margen und der Börsengang eines chinesischen Konkurrenten belasten die Stimmung.

Kurz zusammengefasst
- Rekordumsatz von 41,5 Milliarden Dollar
- Kursverlust von über zehn Prozent
- 16 strategische Kundenverträge abgeschlossen
- Analysten sehen trotzdem hohes Potenzial
Ein Rekordumsatz von 41,5 Milliarden US-Dollar, eine Bruttomarge von 84,6 Prozent und eine Prognose für das laufende Quartal, die weiteres kräftiges Wachstum verspricht – und trotzdem verkaufen Anleger die Micron-Aktie im großen Stil. Der Speicherchiphersteller aus Boise steckt mitten in einem Paradox: Die Geschäftszahlen für das dritte Fiskalquartal 2026 waren die besten der Firmengeschichte, doch der Kurs brach in der vergangenen Woche um mehr als zehn Prozent ein. Auch im deutschen Handel spiegelt sich diese Nervosität wider: Am Freitag schloss das Papier bei 714,70 Euro, ein Minus von 5,86 Prozent an nur einem Tag.
Starke Zahlen, aber wachsende Zweifel an der Nachhaltigkeit
Micron meldete für das bis Ende Mai gelaufene Quartal einen Umsatzsprung von rund 350 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Für das nun laufende vierte Fiskalquartal stellte das Unternehmen einen Umsatz von etwa 50 Milliarden US-Dollar in Aussicht, bei einer Bruttomarge von nahezu 86 Prozent. Getragen wird das Wachstum vom Cloud- und Rechenzentrumsgeschäft, das im Berichtsquartal bereits 61 Prozent des Konzernumsatzes ausmachte. Hyperscaler wie Amazon, das seine Investitionsausgaben für 2026 um zehn Prozent auf 220 Milliarden US-Dollar anhob, treiben die Nachfrage nach KI-Speicherchips weiter an.
Dennoch verkauften Anleger die Aktie ab. Binnen einer Woche bis zum vergangenen Freitag verlor das Papier an der Nasdaq rund 10,6 Prozent und schloss dort bei 823,03 US-Dollar. Der Rückgang der vergangenen 30 Handelstage summierte sich laut aktuellen Marktdaten auf 21,71 Prozent. Offenbar stellen sich Investoren zunehmend die Frage, wie lange sich die aktuellen Rekordmargen halten lassen, nachdem der Kurs seit Jahresbeginn ohnehin bereits massiv gestiegen war.
Verträge sichern Umsatz, doch Konkurrenz aus China wächst
Um die Nachfrage langfristig abzusichern, hat Micron nach eigenen Angaben inzwischen 16 strategische Kundenverträge abgeschlossen, davon 14 mit einem garantierten Mindestumsatz von zusammen mehr als 100 Milliarden US-Dollar. Die Kunden hinterlegten dafür Anzahlungen von rund 22 Milliarden US-Dollar. CEO Sanjay Mehrotra bezeichnete diese mehrjährigen Vereinbarungen als Faktor, der die Nachhaltigkeit des Geschäfts erhöhe. Parallel dazu warnte Samsung, dass die Angebotsknappheit bei Speicherchips bis mindestens 2028 anhalten dürfte – ein Signal, das eigentlich für anhaltend hohe Preise spricht.
Auf der anderen Seite sorgt der Börsengang des chinesischen Speicherherstellers ChangXin Memory Technologies in Shanghai für Unruhe in der gesamten Branche. Die Aktie legte am ersten Handelstag um mehrere Hundert Prozent zu, das Unternehmen erreichte eine Marktkapitalisierung von rund 487 Milliarden US-Dollar. Anleger fürchten, dass der aggressive Kapazitätsausbau in China mittelfristig Druck auf die Speicherpreise ausüben könnte – just in einer Phase, in der Micron und seine Wettbewerber Samsung und SK Hynix ihre besten Margen seit Jahren einfahren. Zusätzlich belastet hat, dass Micron-CEO Mehrotra Ende Juli eigene Aktien im Wert von rund 37,3 Millionen US-Dollar verkaufte – ein Vorgang, der in einem ohnehin nervösen Marktumfeld zusätzlich Aufmerksamkeit erregte.
Analysten sehen trotz Kursrutsch erhebliches Potenzial
Trotz der jüngsten Verluste bleibt die Mehrheit der Analysten optimistisch gestimmt. Das Analysehaus KeyBanc hob sein Kursziel Mitte Juli auf 1.750 US-Dollar an, der Analyst Ben Reitzes von Melius nannte sogar eine Zielmarke von 2.200 US-Dollar. Nach Angaben von Marktbeobachtern votieren rund 40 von 45 befragten Analysten für eine Kaufempfehlung. Gestützt wird der Optimismus durch die Bewertung: Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von etwa 18,6 notiert Micron deutlich günstiger als Wettbewerber wie SanDisk, das auf ein Vielfaches von rund 42 kommt.
Die technische Verfassung der Aktie zeigt derweil deutliche Bremsspuren. Der aktuelle Kurs liegt rund 16,25 Prozent unter dem gleitenden 50-Tage-Durchschnitt, ein Zeichen dafür, dass der kurzfristige Trend nach unten gedreht hat. Ob sich die Aktie von diesem Rücksetzer erholt, dürfte maßgeblich davon abhängen, wie überzeugend Micron die Sorgen um die Nachhaltigkeit seiner Rekordmargen im kommenden Quartal entkräften kann.
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