Micron Aktie: 11,80 Prozent Sprung auf 726,80 Euro

Micron-Aktie erholt sich mit 11,8 Prozent Plus nach Rekordquartal, während Analysten die Nachhaltigkeit der hohen Margen diskutieren.

Felix Baarz ·
Micron Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Kurserholung um fast zwölf Prozent
  • Rekordumsatz von 41,5 Milliarden Dollar
  • Analysten sehen KI-Nachfrage bis 2028
  • Insiderverkäufe belasten Marktstimmung

Nach einem schweren Kurseinbruch zur Wochenmitte dreht die Micron-Aktie am Donnerstag deutlich ins Plus. Das Papier notiert bei 726,80 Euro und legt um 11,80 Prozent zu, nachdem es am Mittwoch noch bei 650,10 Euro geschlossen hatte. Die Gegenbewegung fällt damit fast so kräftig aus wie der vorangegangene Rückschlag – ein Beleg dafür, wie nervös der Markt den Speicherchip-Sektor derzeit handelt.

Rekordquartal trifft auf Zweifel am Rally-Fortbestand

Ausgangspunkt der Volatilität war ein außergewöhnlich starkes Quartalsergebnis. Micron meldete einen Umsatz von 41,46 Milliarden Dollar, ein Plus von 346 Prozent gegenüber dem Vorjahr, und übertraf mit einem Gewinn je Aktie von 25,11 Dollar die Analystenschätzung von 21,39 Dollar deutlich. Die GAAP-Betriebsmarge lag bei 80,4 Prozent. Für das laufende Quartal stellt Micron einen Umsatz von rund 50 Milliarden Dollar sowie eine Bruttomarge von etwa 86 Prozent in Aussicht, die Gewinnprognose je Aktie liegt zwischen 30 und 32 Dollar. Der Speicherchip HBM4 werde bereits in hohen Stückzahlen ausgeliefert.

Trotz dieser Zahlen brach die Aktie am Mittwoch um 9,94 Prozent ein und büßte damit rund 92 Milliarden Dollar an Marktkapitalisierung ein. Anleger stellten offenbar die Nachhaltigkeit der außergewöhnlichen Margen infrage – ein Muster, das sich branchenweit zeigte. Auch SK Hynix und Samsung legten Rekordergebnisse vor, verloren an der Börse aber trotzdem deutlich an Wert. SK Hynix steigerte den operativen Gewinn im zweiten Quartal um mehr als das Sechsfache, die Aktie fiel dennoch an drei aufeinanderfolgenden Handelstagen, zuletzt am Donnerstag um 5,64 Prozent. Als Belastungsfaktor gilt neben Gewinnen, die leicht unter dem Konsens lagen, auch der Börsengang des chinesischen Speicherherstellers CXMT, der zum viertgrößten DRAM-Anbieter der Welt aufgestiegen ist und Sorgen vor zusätzlicher Konkurrenz schürt.

Analysten sehen Nachfrageüberhang bis mindestens 2028

Chris Caso von Wolfe Research widerspricht der Skepsis am Markt. Die Nachfrage nach KI-Chips übersteige das Angebot mindestens bis 2028, begründet durch physische Kapazitätsgrenzen bei der Fertigung. Zunehmend werde die Finanzierung neuer Kapazitäten zum limitierenden Faktor, nicht die technische Machbarkeit. Der breite Halbleiterindex SOXX verlor im Juli dennoch mehr als ein Viertel an Wert. Der Analystenkonsens zu Micron bleibt trotz der jüngsten Turbulenzen auf „Buy“ mit einem durchschnittlichen Kursziel von 1.268,93 Dollar eingestuft.

Für zusätzliche Fantasie sorgt eine Einschätzung von Goldman Sachs, wonach Tausende geplante Starship-Missionen von SpaceX für weltraumgestützte Rechenzentren bis 2031 enorme Mengen an Nvidia-Beschleunigern und damit auch an HBM-Speicher erfordern könnten. Micron zähle neben Samsung und SK Hynix zu den einzigen drei Herstellern, die solche Speicherbausteine in relevanten Stückzahlen liefern könnten.

Insiderverkäufe und Streit um China-Lieferketten

Parallel zur Kursrally verkaufte Micron-Chef Sanjay Mehrotra am 24. Juli Aktien im Wert von rund 37,3 Millionen Dollar im Rahmen eines vorab festgelegten 10b5-1-Plans. Weitere Führungskräfte aus der Halbleiterbranche, darunter bei Nvidia, Broadcom, Marvell und Lam Research, veräußerten in den vergangenen Wochen ebenfalls Anteile im großen Stil. Solche planmäßigen Verkäufe gelten rechtlich als unauffällig, drücken nach Einschätzung von Beobachtern aber zusätzlich auf die Stimmung in einem ohnehin volatilen Sektor.

Zugleich positioniert sich Micron in einem Streit um Lieferketten. Das Unternehmen lehnt Bestrebungen von Apple ab, chinesische Speicherchips von CXMT und YMTC für Produkte außerhalb der USA einzusetzen. Mehrotra warnt, dies könnte der US-Speicherindustrie langfristig schaden. Der Vorstoß fällt in eine Phase, in der die Speicherpreise binnen eines Jahres nach Unternehmensangaben deutlich gestiegen sind und Abnehmer wie Apple nach alternativen Bezugsquellen suchen.

Für Anleger bleibt die Gemengelage anspruchsvoll: Starke Fundamentaldaten und ein wachsender HBM-Markt stehen einer nervösen Marktstimmung gegenüber, die sich an chinesischer Konkurrenz, Insiderverkäufen und der Frage nach der Dauerhaftigkeit der Rekordmargen entzündet. Die heutige Erholung zeigt, wie schnell sich das Bild an diesem Markt drehen kann.

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Micron Aktie

739,60 EUR

+ 89,50 EUR +13,77 %
KGV 20,37
Sektor Technologie
Div.-Rendite 0,06 %
Marktkapitalisierung 926,70 Mrd. EUR
ISIN: US5951121038 WKN: 869020

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