Micron Aktie: 12,16-Prozent-Absturz nach Broadcom-Schock
Nach kurzzeitigem Überschreiten der Billionen-Marke erlebt Micron einen zweistelligen Kursverlust. Auslöser sind enttäuschende Prognosen von Broadcom.

Kurz zusammengefasst
- Neues Allzeithoch und Billionen-Bewertung
- NVIDIA-Zertifizierung für HBM4-Speicher
- Broadcom-Prognose löst Kursrutsch aus
- Management sieht strukturelle Angebotslücke
Innerhalb weniger Handelstage hat Micron Technology eine vollständige Achterbahnfahrt hingelegt: neues Allzeithoch, kurz danach zweistelliger Tagesverlust. Der Speicherchiphersteller schloss den Freitag mit einem Minus von 12,16 Prozent bei 755,00 Euro — und das nach einer Woche, die mit einer Marktkapitalisierung jenseits der Billion-Dollar-Marke begann.
NVIDIA-Zertifizierung als Zündfunke
Den Auftakt machte eine Nachricht aus Seoul. NVIDIA-Chef Jensen Huang bestätigte am 5. Juni offiziell, dass Micron als zertifizierter Lieferant für HBM4-Speicher der kommenden „Vera Rubin“-KI-Plattform zugelassen ist. Die ersten Systeme sollen im dritten Quartal 2026 an Kunden ausgeliefert werden.
Die Reaktion war unmittelbar: Microns Börsenwert überschritt kurzzeitig die Billion-Dollar-Schwelle. Raymond James erhöhte das Kursziel auf 1.100 Dollar und begründete das mit einem durch KI-Server-Nachfrage verlängerten Speicher-Superzyklus. Das Jahreshoch von 938,70 Euro wurde am 3. Juni markiert.
Broadcom-Zahlen kippen die Stimmung
Der Umschwung kam schneller als erwartet. Broadcom meldete Quartalszahlen, die auf den ersten Blick überzeugten — Umsatz und Gewinn übertrafen die Konsensschätzungen. Allerdings enttäuschte die Prognose für KI-Chip-Umsätze im dritten Quartal: 16 Milliarden Dollar, während manche Analysten bis zu 17,2 Milliarden erwartet hatten.
Schwerer wog die Entscheidung, das Jahresziel für KI-Umsätze von 100 Milliarden Dollar für das Geschäftsjahr 2027 nicht anzuheben. Das weckte Zweifel, ob das Tempo der KI-Infrastrukturinvestitionen seinen Höhepunkt erreicht haben könnte. Als zentraler HBM-Lieferant für KI-Beschleuniger wurde Micron in den sektorweiten Ausverkauf hineingezogen. Starke US-Arbeitsmarktdaten am Freitag verstärkten den Druck — sie nährten Sorgen über eine länger anhaltende restriktive Geldpolitik.
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Management sieht strukturelles Ungleichgewicht
Microns Führungsetage hält an ihrer bullishen Einschätzung fest. Manish Bhatia, Executive Vice President für globale Operationen, hat das aktuelle Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage bei Hochleistungsspeichern als strukturell eingestuft — nicht als zyklisches Phänomen. Laut Unternehmensangaben können einige Schlüsselkunden derzeit nur rund 60 Prozent ihres benötigten HBM-Bedarfs decken. Die gesamte HBM-Produktionskapazität ist demnach bis Ende 2026 durch bindende Vereinbarungen ausgelastet.
Trotz des jüngsten Rücksetzers liegt die Aktie auf Jahressicht noch rund 181 Prozent im Plus und notiert deutlich über ihren gleitenden Durchschnitten. Der RSI von 56,2 signalisiert nach der Korrektur keine überkaufte Situation mehr.
Am 24. Juni legt Micron die offiziellen Zahlen für das dritte Geschäftsquartal vor. Im Mittelpunkt stehen dann aktualisierte Preisprognosen für DRAM sowie Details zum Hochlauf der Produktion von HBM4- und 1-Alpha-DRAM-Komponenten — beides entscheidend dafür, ob das Management seine Versprechen einlösen kann.
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