Micron Aktie: 16 Verträge stützen DRAM und NAND

Neue US-Zölle auf Halbleiter belasten Micron trotz massivem KI-getriebenen Umsatzwachstum und hoher Nachfrage nach HBM-Speicherchips.

Dr. Robert Sasse ·
Micron Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Kursrutsch trotz Umsatzplus von 345 Prozent
  • Neue US-Zölle belasten den Tech-Sektor
  • HBM-Knappheit treibt langfristige Nachfrage
  • Chinesische Konkurrenz drängt auf den Markt

Ein Speicherchip-Konzern mit einem Umsatzsprung von 345 Prozent sollte eigentlich keine Kursverluste von fast sieben Prozent an einem einzigen Tag hinnehmen müssen. Genau das ist Micron am Freitag passiert. Die Aktie fiel auf 809,20 Euro, ein Tagesminus von 6,96 Prozent. Der Grund liegt nicht in den Auftragsbüchern des Unternehmens, sondern in Washington.

Zölle treffen einen Sektor mitten im Boom

Am 24. Juli wurden neue US-Zölle bekannt, die 60 Handelspartner treffen. Die Sätze liegen zwischen 10 und 12,5 Prozent. Betroffen sind zentrale Halbleiter-Standorte wie Südkorea, Taiwan und Japan. Offizieller Anlass: Vorwürfe von Zwangsarbeit in den Lieferketten.

Für den ohnehin nervösen Tech-Sektor kam das zur Unzeit. Anleger hatten bereits begonnen, Kapital aus den gefragtesten KI-Werten abzuziehen. Die Zoll-Ankündigung verstärkte diesen Trend zusätzlich.

Parallel dazu tobt ein zweiter Konflikt, der Micron direkt betrifft. Apple soll in Washington dafür lobbyieren, Speicherchips chinesischer Hersteller wie CXMT und YMTC für Produkte außerhalb der USA zuzulassen. Micron-Chef Sanjay Mehrotra hält dagegen. Er warnt, subventionierte chinesische Konkurrenten könnten die heimische Industrie massiv schädigen.

Wie ernst diese Bedrohung ist, zeigt CXMT selbst. Der chinesische DRAM-Hersteller bereitet einen Börsengang über 8,5 Milliarden Dollar vor. Die angepeilte Bewertung liegt bei mehr als 80 Milliarden Dollar. Das chinesische Wettbewerbsumfeld verschiebt sich damit rasant.

Die Nachfrage explodiert, die Zweifel wachsen

Trotz eines Kursrückgangs von 12,14 Prozent binnen 30 Tagen bleibt Micron fundamental auf den KI-Boom ausgerichtet. Im dritten Quartal 2026 meldete das Unternehmen einen Umsatz von 41,46 Milliarden Dollar. Das entspricht einem Plus von 345,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Der Treiber heißt High Bandwidth Memory, kurz HBM. Diese Speicherchips stecken in praktisch jedem KI-Beschleuniger. Analysten von UBS und Morgan Stanley gehen davon aus, dass die Knappheit bis 2028 anhält.

Trotzdem bekommt die Branche gerade einen Dämpfer. Alphabet meldete zuletzt einen negativen freien Cashflow, obwohl der Konzern seine Investitionen massiv erhöht hat. Das nährt Zweifel, ob sich die gigantischen KI-Ausgaben tatsächlich so schnell auszahlen wie erhofft. Diese Sorge lastete am Freitag spürbar auf Micron.

Kann eine Branche, deren Nachfrage praktisch grenzenlos scheint, tatsächlich an politischen Zollmauern scheitern? Die Antwort ist komplizierter, als es zunächst wirkt. Physische Chips lassen sich nicht einfach umleiten, wenn Handelsrouten neu gezogen werden. Lieferketten brauchen Monate, um sich anzupassen — die Nachfrage nach HBM wartet nicht so lange.

Zwischen Korrektur und Kurschance

Die Aktie hat sich seit ihrem Rekordhoch von 1.103,80 Euro im Juni deutlich abgekühlt. Der aktuelle Abstand beträgt 26,69 Prozent. Das klingt nach einer massiven Korrektur, relativiert sich aber angesichts eines Kursanstiegs von über 750 Prozent binnen zwölf Monaten.

Langfristig orientierte Investoren verweisen gerne auf ein Polster, das Micron sich in den vergangenen Monaten aufgebaut hat: 16 sogenannte „Strategic Customer Agreements“. Diese Take-or-Pay-Verträge sichern einen erheblichen Teil des DRAM- und NAND-Volumens ab, unabhängig von kurzfristigen Marktschwankungen. Genau diese Verträge sollen die Zyklik dämpfen, die den Speichermarkt traditionell prägt.

Der Analystenkonsens sieht ein Kursziel von 1.325,33 Euro. Das entspräche einem Aufwärtspotenzial von 63,8 Prozent gegenüber dem Freitagsschluss. Der Markt scheint also weiterhin an den viel zitierten „Memory-Superzyklus“ zu glauben, selbst wenn die politische Lage kurzfristig für Nervosität sorgt.

Für die kommenden Wochen dürfte sich zeigen, welche Kraft am Ende überwiegt: die strukturelle Nachfrage nach KI-Speicherchips oder die politischen Reibungsverluste aus Zöllen und Chip-Diplomatie. Die nächsten Quartalszahlen und ein möglicher Ausgang der Lobby-Auseinandersetzung um chinesische Speicherhersteller dürften darüber entscheiden, in welche Richtung sich das Chart-Bild als Nächstes bewegt.

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Micron Aktie

868,90 EUR

+ 16,70 EUR +1,96 %
KGV 21,93
Sektor Technologie
Div.-Rendite 0,05 %
Marktkapitalisierung 977,44 Mrd. EUR
ISIN: US5951121038 WKN: 869020

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