Micron Aktie: KI-Effizienz weckt Sorgen

Googles neues Kompressionsverfahren TurboQuant senkt den Speicherbedarf für KI-Modelle drastisch und verunsichert Anleger. Analysten sehen die Reaktion jedoch als überzogen an.

Dr. Robert Sasse ·
Micron Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Neues Google-Tool reduziert KI-Speicherbedarf um 80 Prozent
  • Micron-Aktie verliert deutlich nach Bekanntgabe
  • Analysten halten Abverkauf für unbegründet
  • Unternehmen treibt Expansion und Schuldenabbau voran

Ein technologischer Durchbruch bei Google hat die Anleger von Micron Technology auf dem falschen Fuß erwischt. Forscher haben einen Weg gefunden, den Speicherbedarf für große Sprachmodelle drastisch zu senken. Was für die KI-Entwicklung ein Meilenstein ist, schürt am Markt plötzlich Ängste vor einem spürbaren Nachfrageeinbruch bei teuren Speicherchips.

Neues Google-Tool drückt die Stimmung

Verantwortlich für den jüngsten Kursrutsch ist das Projekt „TurboQuant“. Google gab bekannt, dass diese neue Technologie den Speicherbedarf für KI-Modelle um das Sechsfache reduzieren kann, ohne die Leistung zu beeinträchtigen. Obwohl sich das Verfahren noch im Laborstadium befindet, reagierten Investoren nervös. Sie befürchten, dass solche Kompressionsalgorithmen den langfristigen Bedarf an High-Bandwidth-Memory (HBM) und DRAM dämpfen könnten. Genau diese Chips waren zuletzt die Haupttreiber des Halbleiterbooms.

Die Sorgen spiegeln sich deutlich im Chart wider. Auf Wochensicht verlor der Titel rund 15 Prozent und ging am Donnerstag bei 310,30 Euro aus dem Handel. Fundamental betrachtet präsentiert sich das Unternehmen jedoch in einer extrem starken Verfassung. Im letzten Geschäftsquartal kletterte der Umsatz im Jahresvergleich um 196 Prozent auf 23,9 Milliarden US-Dollar. Gleichzeitig liegt das erwartete Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) bei niedrigen 6,8. Zum Vergleich: Der Median in der Halbleiterbranche rangiert bei fast 29.

Milliarden für Expansion und Schuldenabbau

Das Management lässt sich von der aktuellen Marktstimmung offenbar nicht beirren und treibt die strategische Ausrichtung voran. Erst diese Woche startete Micron ein Rückkaufprogramm für ausstehende Anleihen im Wert von bis zu 5,4 Milliarden US-Dollar.

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Parallel dazu fließt viel Geld in die physische Expansion. Ein neues, 1,8 Milliarden US-Dollar teures Chipwerk in Taiwan soll ab dem Geschäftsjahr 2028 zusätzliche Kapazitäten für die nächste Generation von HBM4-Speichern liefern. Dafür hob der Konzern seine Investitionsprognose für 2026 um 5 Milliarden auf über 25 Milliarden US-Dollar an.

Analysten sehen Überreaktion

Branchenexperten werten den Abverkauf mehrheitlich als unbegründet. Sie verweisen auf das sogenannte Jevons-Paradoxon: Eine höhere Effizienz bei KI-Anwendungen führt historisch betrachtet zu einer breiteren Nutzung und damit letztlich zu einer noch höheren Gesamtnachfrage nach Hardware. Diese Zuversicht spiegelt sich in den aktuellen Kurszielen wider:

  • Konsensschätzung: 466,75 US-Dollar
  • Raymond James: 530,00 US-Dollar
  • Deutsche Bank: 550,00 US-Dollar

Von 43 Analysten raten derzeit 38 weiterhin zum Kauf der Papiere. Solange die Google-Technologie das Laborstadium nicht verlässt, bleiben die realen Auswirkungen auf die Bilanzen rein theoretisch. In der Zwischenzeit stützt der laufende Schuldenabbau in Kombination mit dem niedrigen KGV die fundamentale Basis des Speicherherstellers.

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Micron Aktie

316,15 EUR

– 12,55 EUR -3,82 %
KGV 18,66
Sektor Technologie
Div.-Rendite 0,12 %
Marktkapitalisierung 446,05 Mrd. EUR
ISIN: US5951121038 WKN: 869020

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