Micron Aktie: Umsatz springt auf 41,46 Milliarden
Micron überrascht mit starken Quartalszahlen und Rekordmarge. Analysten reagieren mit erhöhten Kurszielen, während Kritiker die hohe Bewertung hinterfragen.

Kurz zusammengefasst
- Umsatz und Gewinn übertreffen Prognosen
- Rekordmarge von 74,9 Prozent erreicht
- KeyBanc erhöht Kursziel auf 1.750 Dollar
- Milliardeninvestitionen in Singapur und USA
Micron hat mit seinen jüngsten Quartalszahlen die Wall Street überrascht – und Analysten überbieten sich seither mit neuen Kurszielen. Der Speicherchip-Hersteller meldete für das dritte Fiskalquartal einen Umsatz von 41,46 Milliarden Dollar, während der Analystenkonsens im Schnitt nur rund 35,9 Milliarden Dollar erwartet hatte. Der Gewinn je Aktie lag bei 25,11 Dollar, verglichen mit einer Konsensschätzung von 21,39 Dollar. Für das vierte Quartal stellte Micron einen Umsatz von rund 50 Milliarden Dollar in Aussicht – deutlich über der von Analysten erwarteten Marke von 43,58 Milliarden Dollar.
Rekordmarge und ausverkaufte Kapazitäten
Die Bruttomarge kletterte im dritten Quartal auf einen Rekordwert von 74,9 Prozent, für das vierte Quartal stellte das Unternehmen rund 86 Prozent in Aussicht. Micron hat inzwischen 16 sogenannte Strategic Customer Agreements mit Take-or-Pay-Klauseln und Preisuntergrenzen abgeschlossen, die zusammen Lieferverpflichtungen von 22 Milliarden Dollar umfassen. Diese Verträge decken jedoch nur rund 20 Prozent des DRAM- und 30 Prozent des NAND-Volumens ab – der Rest bleibt dem Spotmarkt und damit klassischen Zyklusrisiken ausgesetzt, wie eine Analyse von Yahoo Finance betont. Nach Unternehmensangaben kann Micron derzeit nur 50 bis 66 Prozent der Kundennachfrage bedienen.
KeyBanc-Analyst erhöht Kursziel deutlich
KeyBanc-Analyst John Vinh reagierte auf die Zahlen mit einer kräftigen Anhebung seines Kursziels von 1.600 auf 1.750 Dollar und bestätigte sein Overweight-Rating. Nach einer Reise durch Asien sieht Vinh die Nachfrage nach KI-Rechenzentren ungebrochen stark und rechnet mit anhaltender Speicherknappheit bis mindestens 2027. Für das laufende Quartal erwartet er DRAM-Preissteigerungen von 15 bis 20 Prozent und NAND-Aufschläge von 30 bis 40 Prozent, HBM-Preise sollen sich im kommenden Jahr mehr als verdoppeln. Vinh hob im selben Zug auch die Kursziele für AMD, Nvidia, Marvell und ARM an – ein Signal für seine grundsätzlich bullische Einschätzung des gesamten Chipsektors. Der Analystenkonsens für Micron liegt bei überwiegender Kaufempfehlung mit einem Durchschnittskursziel von rund 1.269 Dollar, wobei einzelne Häuser wie KeyBanc der Aktie deutlich mehr zutrauen.
Milliardeninvestitionen in Singapur und den USA
Parallel zur starken Nachfrage treibt Micron seine Kapazitätsausweitung voran. Für Singapur kündigte das Unternehmen eine Investition von 24 Milliarden Dollar über zehn Jahre an. Eine neue, doppelstöckige Wafer-Fabrik mit rund 700.000 Quadratfuß Reinraumfläche soll in der zweiten Hälfte 2028 die Produktion aufnehmen und etwa 1.600 Arbeitsplätze schaffen, eine HBM-Packaging-Anlage am selben Standort soll bereits 2027 liefern. In den USA hat Micron sein Investitionsvolumen auf mehr als 250 Milliarden Dollar bis 2035 angehoben, darunter eine Beteiligung von 500 Millionen Dollar am Texas-Werk von GlobalWafers sowie eine 100-Milliarden-Dollar-Fabrik in New York, deren Bauarbeiten dem Zeitplan voraus sind. Zusätzlich fließen 3 Milliarden Dollar in Lieferkettenprojekte gemeinsam mit Ford und GM.
Bewertung bleibt umstritten
Trotz der starken operativen Entwicklung mehren sich kritische Stimmen zur Bewertung. GuruFocus beziffert den fairen Wert der Aktie auf 516,47 Dollar und sieht sie damit um gut 90 Prozent überbewertet, das Kurs-Gewinn-Verhältnis von 22,26 liegt über dem Fünf-Jahres-Median von 20,69. Ein Autor bei Seeking Alpha vertritt unter dem Titel „The Top Is In“ sogar die These, der Höhepunkt des aktuellen Speicherzyklus sei bereits erreicht, und empfiehlt Verkauf. Insider verkauften in den vergangenen drei Monaten Aktien im Wert von rund 152,7 Millionen Dollar. Zusätzlich belastete Anfang Juli die Konkurrenz: Nach starken Quartalszahlen von Samsung, die einen Rekordgewinn und eine Kapazitätsausweitung zeigten, brach die Micron-Aktie an einem Handelstag um 7,7 Prozent ein. Samsung hält derzeit rund 38 Prozent Marktanteil im DRAM-Geschäft, Micron kommt auf etwa 22 Prozent.
Kursbild bleibt volatil
Auf dem aktuellen Niveau notiert die Micron-Aktie bei 851,20 Euro und gibt am Berichtstag um 1,20 Prozent nach, nach einem Schlusskurs von 861,50 Euro am Vortag. Auf Sicht von sieben Tagen steht dennoch ein Plus von 2,44 Prozent zu Buche, während der 30-Tage-Zeitraum mit minus 9,01 Prozent negativ ausfällt. Seit Jahresbeginn hat sich der Kurs um 216,43 Prozent erhöht, auf Zwölfmonatssicht sogar um 722,26 Prozent. Vom 52-Wochen-Hoch bei 1.103,80 Euro, erreicht am 25. Juni 2026, notiert die Aktie derzeit 22,88 Prozent entfernt, zum 50-Tage-Durchschnitt von 821,87 Euro besteht dagegen ein Aufschlag von 3,57 Prozent. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität liegt bei 108,08 Prozent – ein Wert, der die Schwankungsbreite rund um die jüngsten Nachrichten deutlich widerspiegelt.
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