Micron: Citi senkt auf 1.150 Dollar, BofA widerspricht
US-Banken bewerten Micron nach Kursrutsch konträr: Citi senkt Ziel, BofA sieht Einstiegschance. Rekordzahlen und KI-Nachfrage stützen langfristigen Ausblick.

Kurz zusammengefasst
- Citi senkt Kursziel auf 1.150 Dollar
- BofA sieht Übertreibung und Kaufgelegenheit
- Rekordumsatz von 41,46 Milliarden Dollar
- Neue PCIe-Gen-6-SSD vorgestellt
Innerhalb weniger Tage haben zwei US-Großbanken gegensätzliche Schlüsse aus dem jüngsten Rückgang der Micron-Aktie gezogen. Citi kappte am 3. August das Kursziel deutlich, Bank of America erklärte am 4. August genau den entgegengesetzten Ausblick: Für sie ist der Rücksetzer eine Kaufgelegenheit. Beide Häuser stützen sich auf dieselbe Ausgangslage – nur die Bewertung fällt unterschiedlich aus.
Citi kappt Ziel, BofA sieht Kaufchance
Citi senkte das Kursziel für Micron von 1.400 auf 1.150 US-Dollar, beließ die Aktie aber auf Kaufen. Begründet wurde der Schritt mit einem vorsichtigeren Blick auf die Preisentwicklung bei DRAM- und NAND-Speichern für das kommende Jahr. Der zuständige Analyst erwartet, dass die Preise für beide Speichertypen in den kommenden vier Quartalen von Quartal zu Quartal nachgeben, mit einem Höhepunkt im zweiten Quartal des kommenden Jahres. Bank of America wiederum stufte den vorangegangenen Kursrutsch als Übertreibung ein und verwies darauf, dass sich an den Fundamentaldaten des Unternehmens nichts geändert habe. Die anhaltend hohe Nachfrage nach Speicherchips für Künstliche-Intelligenz-Anwendungen stütze das langfristige Wachstum weiterhin.
Der Markt selbst zeigt sich zuletzt uneinheitlich. Zum Handelsschluss am Freitag notierte die Aktie bei 760,90 Euro und damit gut 31 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 1.103,80 Euro, das Ende Juni erreicht wurde. Über die vergangenen 30 Tage verlor das Papier 11,29 Prozent – jener Rücksetzer, auf den sich sowohl Citi als auch Bank of America in ihren Einschätzungen beziehen.
Rekordzahlen und Milliarden-Auftragsbestand stützen den Ausblick
Die unterschiedlichen Analystenurteile treffen auf ein Unternehmen, das zuletzt operativ deutlich zulegte. Im dritten Geschäftsquartal, das am 28. Mai endete, erzielte Micron einen Umsatz von 41,46 Milliarden US-Dollar – nach 23,86 Milliarden im Quartal davor und 9,30 Milliarden im Vorjahreszeitraum. Der GAAP-Nettogewinn lag bei 28,24 Milliarden US-Dollar beziehungsweise 24,67 US-Dollar pro Aktie, der operative Cashflow stieg auf 25,39 Milliarden US-Dollar.
Für das laufende vierte Geschäftsquartal stellte das Unternehmen einen Rekordumsatz von 50,0 Milliarden US-Dollar in Aussicht, mit einer Schwankungsbreite von einer Milliarde nach oben oder unten. Die Bruttomarge soll bei rund 86 Prozent liegen, der Gewinn pro Aktie bei 31,00 US-Dollar plus oder minus einem Dollar. Untermauert wird dieser Ausblick durch 16 strategische Kundenverträge: Der offene Auftragsbestand lag zum Quartalsende bei über 5 Milliarden US-Dollar, unter Einbeziehung der nach Quartalsende geschlossenen Vereinbarungen summiert sich der Wert nach Unternehmensangaben auf rund 100 Milliarden US-Dollar. Zu den jüngsten Abschlüssen zählt eine strategische Vereinbarung mit dem KI-Unternehmen Anthropic, die Speicher- und Storage-Architektur, Lieferbeziehungen sowie eine Investition Microns in die Serie-H-Finanzierungsrunde von Anthropic umfasst.
Neues Produkt für Rechenzentren
Auf der Produktseite präsentierte Micron am Donnerstag gemeinsam mit Microchip eine durchgängige Speicherlösung auf Basis der SSD 9650, die nach Unternehmensangaben als erste in Serie gefertigte PCIe-Gen-6-SSD für den Einsatz in KI-Systemen und Rechenzentren gilt. Die Ankündigung reiht sich in eine Serie von Vorstößen im margenstarken Hochleistungssegment ein, das für die Wachstumsstory des Unternehmens zentral ist.
Für Anleger ergibt sich damit ein zweigeteiltes Bild: Auf der einen Seite ein operatives Geschäft mit Rekordzahlen, prall gefülltem Auftragsbuch und einem wachsenden Produktportfolio für den KI-Markt. Auf der anderen Seite eine Aktie, die nach einem beispiellosen Lauf – seit Jahresbeginn steht ein Plus von 201,82 Prozent – zuletzt spürbar an Schwung verlor. Ob sich die Preisentwicklung bei Speicherchips tatsächlich so eintrübt, wie Citi es befürchtet, oder ob Bank of America mit ihrer Einschätzung einer bloßen Stimmungskorrektur recht behält, dürfte sich erst in den kommenden Quartalsberichten zeigen.
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