Micron: Citi senkt Kursziel auf 1.150 Dollar

Trotz Rekordquartal und starkem KI-Wachstum senkt Citi das Kursziel für Micron. Die Preisdynamik bei DRAM und NAND zeigt erste Abkühlungstendenzen.

Dieter Jaworski ·
Micron Technology Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Rekordquartal übertrifft Erwartungen deutlich
  • Citi senkt Kursziel trotz Kaufempfehlung
  • SK Hynix investiert Milliarden in Kapazitäten
  • CEO verkauft Aktien im Wert von 37 Millionen Dollar

Es gibt Aktien, die erzählen die Geschichte einer ganzen Branche. Micron Technology ist derzeit so ein Fall. Wer auf den Kurs schaut, sieht ein Wertpapier, das binnen zwölf Monaten um 692,60 Prozent zugelegt hat – ein Wert, der die schiere Dimension des KI-getriebenen Speicherbooms greifbar macht. Und doch notiert die Aktie am Freitag bei 760,90 Euro rund 31,07 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch. Genau in diesem Spannungsfeld zwischen langfristiger Euphorie und kurzfristiger Ernüchterung spielt sich gerade die eigentliche Geschichte ab.

Zwischen Rekordquartal und Realitätscheck

Fundamental gibt es an Micron wenig zu deuteln. Im dritten Geschäftsquartal, das Ende Mai 2026 endete, verdiente das Unternehmen 25,11 Dollar je Aktie und übertraf die Erwartungen von 20,28 Dollar um fast ein Viertel. Der Umsatz kletterte auf 41,46 Milliarden Dollar, weit über den prognostizierten 35,25 Milliarden. Für das laufende vierte Quartal stellte Micron einen Umsatz von 50 Milliarden Dollar in Aussicht, mit einer Schwankungsbreite von einer Milliarde, sowie einen bereinigten Gewinn von 31 Dollar je Aktie. Untermauert wird diese Zuversicht durch 16 langfristige Lieferverträge mit Rechenzentrumsbetreibern und Autoherstellern, die Finanzierungszusagen von rund 22 Milliarden Dollar umfassen. Perspektivisch soll die Hälfte oder mehr des Konzernumsatzes über solche mehrjährigen Abkommen abgesichert sein. Das klingt nach einem Unternehmen, das nicht mehr im Rhythmus der Zykluslaunen tanzt, sondern sich Planungssicherheit erkauft.

Wenn der Preisrausch abkühlt

Doch genau dieser Optimismus bekam am Wochenende einen Dämpfer. Citi senkte das Kursziel von 1.400 auf 1.150 Dollar, hielt zugleich aber an der Kaufempfehlung fest. Der Grund ist bemerkenswert konkret: Nach Gesprächen mit Teilnehmern der Speicher-Lieferkette auf einer Branchenkonferenz kommt das Analysehaus zu dem Schluss, dass die Preisdynamik bei DRAM und NAND zwar real, aber am Abflachen ist. Citi erwartet, dass beide Preise in den kommenden vier Quartalen sequenziell nachgeben und im zweiten Quartal 2027 ihren Höhepunkt erreichen. Für die zweite Jahreshälfte 2027 rechnet das Haus mit einem Rückgang der DRAM-Preise um 3 Prozent und der NAND-Preise um 5 Prozent im Halbjahresvergleich. Die Bruttomarge, aktuell im mittleren 80-Prozent-Bereich, dürfte sich demnach in Richtung mittlerer 70er Prozent bewegen – ein Effekt, der auch durch langfristige Lieferverträge gedämpft wird, unter denen bereits rund 40 Prozent der DRAM-Bits liegen. Noch am 3. August hatte Citi ein unverändertes Kursziel von 1.400 Dollar bestätigt; die Korrektur nur wenige Tage später zeigt, wie schnell sich die Einschätzung selbst bei grundsätzlich positiver Haltung verschieben kann.

Der Wettlauf ums Kapital

Während Citi die Preiskurve vorsichtiger zeichnet, bauen Wettbewerber munter weiter aus. SK Hynix ließ seinen Vorstand zusätzliche Investitionen in Höhe von 54,3 Billionen Won – umgerechnet rund 38,15 Milliarden Dollar – für die Chipfertigung in Südkorea absegnen, eingebettet in ein gemeinsames Vorhaben mit Samsung von insgesamt 800 Billionen Won für neue Fertigungskomplexe. Wer glaubt, der Speicherboom sei ein reines Kapazitätsproblem, das sich von selbst löst, unterschätzt die Wucht, mit der hier investiert wird. Parallel dazu zeigt sich, wie politisch der Speichermarkt inzwischen aufgeladen ist: Micron soll bei der US-Regierung dafür werben, dass Apple in Geräten außerhalb der USA keine DRAM- und NAND-Bauteile der chinesischen Anbieter CXMT und YMTC verwenden darf. Technologische Führung wird hier offen mit geopolitischem Druck verteidigt – ein Muster, das die gesamte Chipbranche zunehmend prägt.

Vertrauen in Zahlen – oder in Kasse?

Ein kleiner, aber bezeichnender Nebenstrang: Micron-Chef Sanjay Mehrotra verkaufte am 24. Juli rund 40.000 eigene Aktien für insgesamt etwa 37,3 Millionen Dollar, abgewickelt über einen bereits im Januar 2026 aufgesetzten automatisierten Handelsplan. Solche Verkäufe folgen festen Regeln und sind kein Signal im engeren Sinne – trotzdem passen sie ins Bild eines Unternehmens, das gerade auf Rekordniveau operiert und dessen Führung Gewinne mitnimmt, während Analysten über die Nachhaltigkeit der Preisrallye diskutieren. Die nächsten Quartalszahlen, terminiert für den 29. September, werden zeigen, ob die Realität der Nachfrage mit den ambitionierten Prognosen mithält – oder ob der Markt gerade beginnt, den Superzyklus neu zu kalibrieren.

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Micron Technology Aktie

760,90 EUR

– 4,10 EUR -0,54 %
KGV 19,90
Sektor Technologie
Div.-Rendite 0,06 %
Marktkapitalisierung 1,01 Bio. EUR
ISIN: US5951121038 WKN: 869020

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