Micron: Die Speicherpreise entscheiden über die nächste Kursrichtung
Citi Research senkt das Kursziel für Micron auf 1.150 Dollar, erwartet aber weiterhin eine Kaufempfehlung. Die Aktie notiert deutlich unter ihrem Rekordhoch.

Kurz zusammengefasst
- Citi senkt Kursziel auf 1.150 Dollar
- Speicherpreise sollen in vier Quartalen sinken
- Rekordumsatz von 41,46 Milliarden Dollar
- Bank of America hält an 1.550 Dollar fest
Ausgangslage: Kürzung trotz Rekordquartal
Am Freitag schloss die Aktie von Micron Technology bei 760,90 Euro, ein Minus von 0,54 Prozent zum Vortag. Der Titel notiert damit 31,07 Prozent unter seinem im Juni erreichten 52-Wochen-Hoch. Der Rückschlag der vergangenen Wochen fällt zusammen mit einer vorsichtigeren Einschätzung von Citi Research: Das Institut senkte am Freitag das Kursziel für Micron von 1.400 auf 1.150 US-Dollar, beließ die Einstufung aber bei „Buy“. Analyst Atif Malik begründete den Schritt mit einer erwarteten Abkühlung der Speicherpreise – DRAM und NAND dürften in den kommenden vier Quartalen jeweils sequenziell nachgeben, mit einem Preishoch erst im zweiten Fiskalquartal des kommenden Jahres. Für Anleger, die zuletzt an eine ungebrochene KI-Rally gewöhnt waren, ist die Kürzung ein Weckruf: Die Rekordzahlen aus dem dritten Fiskalquartal – 41,46 Milliarden Dollar Umsatz und ein Gewinn von 24,67 Dollar pro Aktie – liegen bereits Wochen zurück, der Markt blickt jetzt nach vorn auf den Preiszyklus.
Die entscheidende Frage
Der eine Faktor, der über den nächsten Kursschritt entscheidet, ist die Preisentwicklung bei DRAM und NAND. Micron verdient sein Geld in Zyklen, in denen Angebot und Nachfrage die Marge bestimmen. Bleibt die von Citi erwartete Verlangsamung moderat, passt die für das vierte Fiskalquartal ausgegebene Prognose weiterhin – 50 Milliarden Dollar Umsatz plus/minus einer Milliarde, eine Bruttomarge von rund 86 Prozent und ein Gewinn von 31 Dollar pro Aktie plus/minus einem Dollar. Setzt sich der von Citi skizzierte Abwärtstrend dagegen schneller durch als angenommen, drohen Anschlussrevisionen bei Marge und Gewinnschätzungen für das kommende Fiskaljahr.
Bullisches Szenario
Für Optimisten bleibt der Investmentfall intakt. Bank of America bekräftigte am Montag ihre Kaufempfehlung mit einem im Juni gesetzten Kursziel von 1.550 Dollar. Analyst Vivek Arya argumentierte, der Kursrückgang von rund 34 Prozent gegenüber dem Junihoch preise bereits einen Abschwung ein, der tatsächlich noch nicht begonnen habe. Untermauert wird das Bild durch die Produktseite: Gemeinsam mit Microchip Technology präsentierte Micron ebenfalls am Freitag eine durchgängige PCIe-Gen-6-Speicherlösung rund um die SSD 9650 – nach Unternehmensangaben die erste in Serie produzierte PCIe-Gen-6-SSD der Branche. Parallel treibt Micron seinen US-Ausbau voran: Am 9. Juli wurde der erste Beton für das neue Werk im Bundesstaat New York gegossen, begleitet von einer angekündigten strategischen Investition von bis zu drei Milliarden Dollar zur Stärkung der US-Produktion. Sollte die KI-getriebene Nachfrage nach Speicherchips robust bleiben, könnte sich die von Citi erwartete Preisverlangsamung als milder erweisen als befürchtet – und die Guidance für das vierte Fiskalquartal sogar übertroffen werden.
Bärisches Szenario
Die Risikoseite ist ebenso konkret. Investor Michael Burry hatte Anfang Juli eine Short-Position gegen Micron zu 1.051,87 Dollar aufgebaut und am 10. Juli in einer Notiz vor einem „Tod durch tausend Schnitte“ für den KI-Handel gewarnt. Auch innerhalb des Unternehmens gab es Bewegung: Vorstandschef Sanjay Mehrotra veräußerte Ende Juli rund 40.000 Aktien im Wert von etwa 37,3 Millionen Dollar, wie aus einer Pflichtmitteilung hervorgeht. Hinzu kommt politischer Gegenwind: Apple wirbt laut einem Bericht des Wall Street Journal bei der US-Regierung, unter anderem bei Handelsminister Howard Lutnick und Finanzminister Scott Bessent, dafür, Speicherchips der chinesischen Anbieter CXMT und YMTC für außerhalb der USA verkaufte Produkte nutzen zu dürfen. Micron, nach eigener Darstellung der einzige große US-Speicherhersteller, lobbyiert dagegen – das Management warnt, eine solche Freigabe könnte die heimische Fertigung schwächen, unabhängig vom Absatzmarkt der Produkte. Der Streit ist bislang unentschieden, ein Ausgang zulasten Microns ließe sich als struktureller Nachfragedämpfer lesen. Der chinesische Konkurrent CXMT, jüngst an der Börse Shanghai gelistet, könnte über Investitionen in High-Bandwidth-Memory zudem mittelfristig zu einem ernsteren Wettbewerber aufsteigen. Am Mittwoch rutschten außerdem Branchenwerte wie Western Digital, Applied Materials, Marvell, AMD und Nvidia gemeinsam mit Micron ab, ausgelöst durch allgemeine Sorgen über KI-Bewertungen und einen schwächeren Ton nach vorläufigen Zahlen von Samsung.
Ausblick
Solange die Speicherpreise die von Citi skizzierte, moderate Abkühlung nicht deutlich unterschreiten und Micron seine Umsatz- und Margenziele für das vierte Fiskalquartal erreicht, bleibt das Szenario der Optimisten – gestützt durch Bank of Americas Kursziel von 1.550 Dollar – der wahrscheinlichere Pfad. Kippt der Preistrend schneller als von Citi erwartet, oder entscheidet die US-Regierung im Lobbying-Streit zugunsten von Apples chinesischen Lieferanten, dürfte sich der Abwärtsdruck der vergangenen Wochen fortsetzen. Der nächste konkrete Prüfstein folgt am 29. September, wenn Micron nach Börsenschluss seine Zahlen für das vierte Fiskalquartal vorlegt. Bis dahin bleibt die Aktie ein Gradmesser dafür, wie der Markt die Balance zwischen anhaltendem KI-Boom und einem heraufziehenden Speicherpreiszyklus bewertet.
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