Micron Technology Aktie: Können Microns neue Werke den HBM-Boom tragen?
Microns HBM-Lieferungen für 2026 sind vergeben; ob Kunden die zusätzliche Kapazität 2027 verbindlich abnehmen, bleibt offen.

Kurz zusammengefasst
- HBM-Lieferungen für 2026 vollständig vergeben
- Nachfragebindung für neue Kapazitäten 2027 offen
- 86,8 Prozent GAAP-Bruttomarge im vierten Geschäftsquartal
- CXMT plant Server-DDR5-Angebot bis Jahresende
Wie belastbar ist Microns Speicherboom, wenn CXMT eine neue Server-DDR5-Architektur ankündigt und Micron seine Kapazitäten ausbaut? Darüber spricht die Stock World Redaktion mit Eduard Altmann.

Micron Technology (US5951121038) — Schlusskurse 23.04.2026 bis 20.10.2026, Angaben in EUR. Stand: 20.10.2026.
Stock World Redaktion: CXMT will bis Jahresende Server-DDR5 mit einer kompakteren Speicherzelle anbieten. Wie schnell könnte das Microns hohe Speicherpreise unter Druck setzen?
Eduard Altmann: Eine Produktankündigung sagt noch nichts über Ausbeute in der Serienfertigung oder verlorene Micron-Aufträge. Das unmittelbare Risiko wird überschätzt. Mich beschäftigt stärker, was geschieht, wenn die großen Hersteller ihre Kapazitäten ausbauen und die Nachfrage später weniger knapp ist. Die Marge lebt von Knappheit. CXMT ist ein möglicher zusätzlicher Anbieter in dieser Rechnung, bislang aber kein Beleg für ein Überangebot.
Stock World Redaktion: Sie sagen: „Die Marge lebt von Knappheit.“ Warum geben Ihnen Microns HBM-Verträge dann Zuversicht, wenn neue Kapazitäten diese Knappheit beseitigen könnten?
Eduard Altmann: Die Verträge geben mir Zuversicht für die nahe Produktion: Microns HBM-Lieferungen für 2026 sind vollständig vergeben. Sie beantworten die längere Frage nicht.
Entscheidend wird die HBM-Allokation für 2027: Wie viel der zusätzlichen Kapazität sichern sich Kunden verbindlich, bevor sie verfügbar ist? Der Analysten-Konsens sieht den Nachfrageboom. Ich halte die Lücke zwischen gesicherter und erst erwarteter Nachfrage für den wichtigeren Punkt.
Stock World Redaktion: Micron erzielte im vierten Geschäftsquartal 2026 eine GAAP-Bruttomarge von 86,8 Prozent. Was rechtfertigt angesichts Ihrer Zweifel überhaupt eine höhere faire Bewertung?
Eduard Altmann: Micron profitiert von einem Markt mit wenigen großen Herstellern und hat bei HBM bereits feste Abnehmer. Das ist Substanz. Die genannte Marge zeigt allerdings auch, wie außergewöhnlich die gegenwärtige Knappheit ist; ich würde sie nicht als dauerhaften Maßstab für die Bewertung verwenden.
Ein präzises faires Kursniveau lasse ich hier bewusst offen. Mein Urteil hängt stärker daran, ob Micron den Ausbau durch feste Nachfrage deckt, als an der Fortschreibung eines Spitzenquartals.
Stock World Redaktion: Ist Ihre Vorsicht beim Ausbau übertrieben, solange Micron seine HBM-Produktion bereits vollständig vergeben hat?
Eduard Altmann: Nein. Heute sind die Bestellungen stark. Neue Werke müssen auch später gebraucht werden. Sonst wird ein guter Plan teuer.
Stock World Redaktion: Micron hat für den 21. Oktober ein Technologie-Webinar angekündigt. Was müsste dort deutlich werden, damit Sie den Ausbau weniger skeptisch sehen?
Eduard Altmann: Ein besseres Produkt allein würde mich kaum umstimmen. Micron müsste glaubhaft machen, dass Kunden die zusätzliche HBM-Produktion langfristig abnehmen; SK Hynix hat bei HBM für Nvidia weiterhin die führende Position.
Ich messe meine These laufend am Anteil der HBM-Kapazität, der für 2027 verbindlich zugeteilt ist. Steigt dieser Anteil auch mit dem Ausbau kräftig, habe ich die Gefahr überschätzt, dass Micron an der Nachfrage vorbeibaut. Ein Webinar kann dazu Hinweise geben, Verträge ersetzen kann es nicht.
Stock World Redaktion: Sie machen die HBM-Allokation für 2027 zum Maßstab. Welches Urteil über Microns Bewertung folgt daraus heute?
Eduard Altmann: Ich sehe ein starkes Geschäft und halte eine höhere Bewertung grundsätzlich für begründbar. Mein Vorbehalt wiegt trotzdem schwer: Die volle Auslastung von 2026 ist belegt, die der neuen Kapazitäten noch nicht. Wer Microns gegenwärtige Marge für selbstverständlich hält, verlangt vom Geschäft einen Beweis, den es erst erbringen muss.
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