Micron: UBS sieht 72,7 Prozent Aufwärtspotenzial

Micron-Aktie fällt wegen steigender Anleiherenditen, während UBS ein Kursziel von 1.625 Dollar bekräftigt und die starke operative Entwicklung hervorhebt.

Redaktion Stock-World ·
Abstrakte Nahaufnahme eines Silizium-Wafers in einer High-Tech-Produktionsumgebung. (KI-generiertes Symbolbild)
Symbolbild, KI-generiert

Kurz zusammengefasst

  • Kursrutsch durch steigende Anleiherenditen
  • UBS bestätigt Kaufempfehlung mit hohem Kursziel
  • HBM-Kapazität für 2026 bereits ausgebucht
  • Hedgefonds zeigen uneinheitliche Positionierungen

Es gibt Tage, an denen zwei Erzählungen frontal aufeinanderprallen, und heute ist so ein Tag für Micron. Auf der einen Seite steht eine Kursanleihen-Panik, die den gesamten Tech-Sektor durchschüttelt. Auf der anderen Seite steht eine Analystenschar, die gerade erst bekräftigt hat, dass die Aktie um mehr als 60 Prozent unterbewertet sei. Beide Seiten können nicht dauerhaft recht haben.

Die Fakten der Panik sind schnell erzählt. Die 30-jährige US-Staatsanleihe kletterte auf über 5,3 Prozent, den höchsten Stand seit 2007. Die Ölpreise zogen nach gescheiterten Nahost-Verhandlungen an, Brent notierte über 90 Dollar.

In diesem Umfeld brach der gesamte Halbleitersektor ein: Samsung verlor an der Heimatbörse 7,82 Prozent, SK Hynix 9,75 Prozent, der südkoreanische Kospi rutschte um über 5 Prozent ab. Micron selbst fiel um 7,02 Prozent auf 940,76 Dollar. Im deutschen Handel notiert die Aktie aktuell bei 802,00 Euro, nach einem Minus von 1,5 Prozent am heutigen Tag und einem gestrigen Schlusskurs von 813,80 Euro.

Die Rendite als Spielverderber

Was hier passiert, hat mit Microns Geschäft eigentlich wenig zu tun. Es ist ein Makro-Beben, das Wachstumswerte über die gesamte Breite trifft, weil steigende Anleiherenditen künftige Gewinne rechnerisch weniger wert machen. Genau deshalb trifft es Halbleiterwerte mit ihren hohen Bewertungsmultiplikatoren besonders hart – Micron eingeschlossen, obwohl das Unternehmen operativ gerade eine seiner stärksten Phasen erlebt.

Und die ist tatsächlich beeindruckend. UBS-Analyst Timothy Arcuri bekräftigte am Mittwoch sein Kaufrating mit einem Kursziel von 1.625 Dollar, was einem Aufwärtspotenzial von rund 72,7 Prozent entspricht.

Der Analyst gehört laut eigener Einordnung zu den erfolgreichsten Analysten überhaupt. UBS begründet die Zuversicht mit dem HBM4-Hochlauf, einer für 2026 bereits ausgebuchten HBM-Kapazität und langfristigen Verträgen, die 60 bis 70 Prozent des DDR5-Geschäfts abdecken.

Die Bank rechnet mit einem Gewinn je Aktie von 74 Dollar im laufenden Geschäftsjahr, der bis zum Geschäftsjahr 2028 auf 266 Dollar steigen soll. Der Street-Konsens liegt bei einem durchschnittlichen Kursziel von 1.568,39 Dollar.

Diese Zahlen sind kein Zufall. Ein Investorenbrief von Eagle Capital Management brachte es diese Woche auf den Punkt: Micron verdient inzwischen mehr als Apple oder Microsoft. Das ist eine bemerkenswerte Verschiebung für ein Unternehmen, das über Jahrzehnte als zyklischer Rohstofflieferant der Tech-Branche galt.

Speicherchip-Preise haben sich laut Marktbeobachtern etwa vervierfacht, während Microns Quartalsgewinn nahezu das 15-Fache des Vorjahreswerts erreichte.

Wer hat recht – die Bullen oder die Bären?

Bemerkenswert ist, wer bei diesem Boom aussteigt und wer einsteigt. Mehrere große Hedgefonds reduzierten im zweiten Quartal ihre Micron-Positionen deutlich, Appaloosa etwa um 41 Prozent. Coatue Management dagegen erhöhte seinen Bestand um mehr als das Achtzehnfache auf 3,63 Milliarden Dollar.

Auch Cathie Woods ARK Invest bleibt skeptisch gegenüber Speicherwerten insgesamt und setzt lieber auf Chip-Designs, die ohne externen HBM-Speicher auskommen – ein Hinweis darauf, dass nicht alle in der Branche an die Dauerhaftigkeit der aktuellen Preisdynamik glauben.

Die eigentliche Frage lautet also nicht, ob Micron kurzfristig Kursschwankungen ausgesetzt ist – das ist bei einer annualisierten Volatilität von 95 Prozent ohnehin klar. Die Frage ist, ob die strukturelle Speicherknappheit, die laut UBS bis mindestens 2027 anhalten und erst 2028 durch neues DRAM-Angebot gelindert werden soll, robuster ist als die aktuelle Zinsangst.

TrendForce berichtet, dass Hersteller ihre Investitionskürzungen bereits beenden und neue Kapazitäten planen – ein Zeichen, dass die Industrie selbst an Nachhaltigkeit glaubt.

Der Kurs steht derzeit rund 27 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 1.103,80 Euro, aber immer noch 725 Prozent über seinem Tief von vor einem Jahr. Diese Spanne zeigt, wie sehr die Aktie in den vergangenen zwölf Monaten zum Spielball zwischen Euphorie und Nervosität geworden ist.

Wer heute auf den Kurs schaut, sieht vor allem die Zinsangst. Wer auf die Fundamentaldaten schaut, sieht einen Speicherhersteller, der so profitabel ist wie nie zuvor.

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Micron Technology Aktie

918,80 EUR

– 4,90 EUR -0,53 %
KGV 13,94
KUV 13,73
Sektor Technologie
Div.-Rendite 0,05 %
Marktkapitalisierung 1,17 Bio. USD
Ø Kursziel 1.520,02 USD
ISIN: US5951121038 WKN: 869020

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