Micron: UBS sieht Knappheit bis 2027

Micron profitiert von knappen Speicherchips und steigenden Preisen, bleibt jedoch von Zinsen, geopolitischen Spannungen und Quartalszahlen abhängig.

Andreas Sommer ·
Abstrakte Darstellung einer modernen Halbleiterfertigung mit Fokus auf Silizium-Wafer und industrielle Hochtechnologie. (KI-generiertes Symbolbild)
Symbolbild, KI-generiert

Kurz zusammengefasst

  • Speicherchips gewinnen im Halbleitermarkt an Gewicht
  • DRAM- und NAND-Preise sollen deutlich steigen
  • Micron notiert 23 Prozent unter Jahreshoch
  • Quartalszahlen Ende September als wichtiger Test

Die Frage, die sich Anleger bei Micron derzeit stellen müssen, ist simpel: Ist die Rally, die die Aktie binnen zwölf Monaten um mehrere Hundert Prozent nach oben getragen hat, fundamental gedeckt – oder läuft hier nur Momentum? Nach allem, was ich aus der aktuellen Nachrichtenlage lese, überwiegen für mich die Argumente für Ersteres, auch wenn eine Verschnaufpause überfällig wirkt.

Ein Markt, der sich neu sortiert

Der eigentliche Treiber ist nicht Micron allein, sondern eine Verschiebung in der gesamten Halbleiterbranche. Der Susquehanna-Analyst Mehdi Hosseini bringt es auf den Punkt: Speicherchips machen inzwischen 50 bis 55 Prozent der Halbleiterumsätze aus, historisch waren es nur 20 bis 30 Prozent. Das ist keine Randnotiz, das ist eine Verschiebung der Machtverhältnisse im Chipsektor – und Micron sitzt mitten drin.

UBS geht davon aus, dass die Speicherchip-Knappheit bis 2027 anhält und der gesamte Halbleiterzyklus mindestens bis 2028 läuft. Beide Häuser nennen Micron explizit als Favoriten, UBS sogar neben Nvidia, TSMC und den koreanischen Schwergewichten.

Was mich an dieser These überzeugt, ist die Preisdynamik, die dahintersteht: DRAM-Preise sollen laut Susquehanna im laufenden Quartal um 50 Prozent steigen, NAND um 60 Prozent. Auch wenn solche Zahlen mit Vorsicht zu genießen sind – sie beschreiben eine Angebotslücke, die nicht über Nacht verschwindet.

Kioxia, ein direkter Wettbewerber im NAND-Geschäft, meldete zuletzt einen um das 48-Fache gestiegenen Nettogewinn, getrieben von NAND-Preisen, die um 70 Prozent anzogen. Das ist kein Micron-spezifisches Ereignis, aber es bestätigt das Branchenbild, aus dem Micron seinen Rückenwind bezieht.

Woran ich Zweifel anmelde

Ganz ohne Fragezeichen ist das Bild nicht. Der Aktienkurs notiert aktuell bei 853,90 Euro und damit rund 23 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 1.103,80 Euro – ein Hinweis darauf, dass der Markt selbst nach der jüngsten Euphorie inzwischen etwas vorsichtiger kalkuliert.

Zugleich zeigt der Abstand von 5,7 Prozent zum 50-Tage-Durchschnitt, dass die Aktie sich nach der Konsolidierung wieder over dem kurzfristigen Trend bewegt – für mich ein Indiz, dass die Erholung der vergangenen Wochen noch nicht ausgereizt ist, auch wenn sie nicht mehr ungebremst nach oben schießt.

Hinzu kommt ein makroökonomisches Risiko, das ich nicht kleinreden möchte: JPMorgan nennt zwar vier Gründe für bullische US-Aktien insgesamt, macht die weitere Zinsentscheidung aber explizit von den September-Inflationsdaten abhängig.

Steigende Anleiherenditen – die Zehnjahresrendite näherte sich zuletzt Höchstständen seit 2023 – könnten Wachstumswerten wie Micron, deren Bewertung stark auf künftigen Gewinnen fußt, empfindlich zusetzen.

Auch geopolitische Reibung, etwa Chinas restriktivere Exportpraxis bei kritischen Materialien gegenüber Taiwan, zeigt: Die Lieferkette rund um Speicherchips bleibt anfällig für politische Störungen.

Mein Fazit

Unterm Strich sehe ich bei Micron ein Unternehmen, das von einer strukturellen Verknappung profitiert, die von mehreren unabhängigen Analystenstimmen bestätigt wird – nicht von einer einzelnen optimistischen Prognose.

Die bevorstehenden Quartalszahlen Ende September dürften zeigen, ob sich die Preissprünge bei DRAM und NAND tatsächlich in der Marge niederschlagen. Für mich überwiegt derzeit die Einschätzung, dass die Korrektur vom Hoch eher eine Verschnaufpause als eine Trendwende ist – vorausgesetzt, die Zinsdaten in den kommenden Tagen liefern keine unangenehme Überraschung.

Wer die Aktie bereits hält, findet in den aktuellen Rahmendaten wenig Grund zur Panik. Wer neu einsteigen will, sollte sich der erhöhten Schwankungsbreite bewusst sein, die ein Markt mit derart explosiver Kursentwicklung zwangsläufig mit sich bringt.

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