Microsoft: 190 Milliarden Dollar für KI-Infrastruktur

Microsoft übertrifft Erwartungen im dritten Quartal, investiert aber massiv in KI und passt die OpenAI-Partnerschaft an.

Redaktion Stock-World ·
Microsoft Aktie (KI-generiertes Symbolbild)
Symbolbild, KI-generiert

Kurz zusammengefasst

  • Umsatzplus von 18 Prozent erreicht
  • Neue Lizenzvereinbarung mit OpenAI
  • Rekordinvestitionen von 190 Milliarden Dollar
  • M365 Copilot mit 20 Millionen Nutzern

Microsoft liefert ein starkes Quartal — und schickt die Anleger trotzdem auf eine Achterbahnfahrt. Rekordausgaben für KI-Infrastruktur und eine grundlegend veränderte Partnerschaft mit OpenAI dominieren die Nachrichtenlage nach Börsenschluss.

OpenAI-Deal neu verhandelt

Die wohl bedeutendste Änderung betrifft das Verhältnis zu OpenAI. Die Exklusivität ist Geschichte: OpenAI muss Azure künftig nicht mehr als alleinige Rechenplattform nutzen. Das bisherige Umsatzbeteiligungsmodell wurde aufgelöst.

An seine Stelle tritt eine nicht-exklusive Lizenzvereinbarung bis 2032. Microsoft behält eine Umsatzbeteiligung von 20 Prozent bis 2030. Azure bleibt bevorzugter Infrastrukturanbieter — allerdings ohne vertraglichen Zwang.

Parallel dazu wächst Microsofts eigenes KI-Geschäft. Der M365 Copilot kommt inzwischen auf über 20 Millionen zahlende Nutzer, verglichen mit 15 Millionen im Januar.

190 Milliarden für KI-Infrastruktur

Microsoft hebt die Investitionsplanung für das Gesamtjahr 2026 auf 190 Milliarden Dollar an. Der bisherige Marktkonsens lag bei rund 155 Milliarden Dollar. Im abgelaufenen Quartal flossen 31,9 Milliarden Dollar in Investitionen — 49 Prozent mehr als im Vorjahr.

CFO Amy Hood kündigt für das vierte Quartal Ausgaben von rund 40 Milliarden Dollar an. Das Ziel: die KI-Infrastruktur schnell genug ausbauen, um die wachsende Nachfrage zu bedienen.

Das zahlt sich im Cloud-Segment bereits aus. Der Bereich Intelligent Cloud erzielte 34,7 Milliarden Dollar Umsatz — ein Plus von 30 Prozent.

Zahlen über Erwartungen, Ausblick knapp darunter

Der Quartalsumsatz stieg um 18 Prozent auf 82,9 Milliarden Dollar. Analysten hatten 81,4 Milliarden erwartet. Der verwässerte Gewinn je Aktie lag bei 4,27 Dollar und übertraf den Konsens von 4,06 Dollar.

Azure wuchs um 40 Prozent — minimal über der Erwartung von 39,3 Prozent. Der KI-Jahresumsatz läuft inzwischen auf eine Jahresrate von über 37 Milliarden Dollar hinaus, ein Anstieg von 123 Prozent. Schwächer lief das Segment Personal Computing: Umsatz minus 1 Prozent auf 13,2 Milliarden Dollar, Xbox-Dienste minus 5 Prozent.

Für das vierte Quartal erwartet Microsoft einen Umsatz zwischen 86,7 und 87,8 Milliarden Dollar. Die Mitte dieser Spanne liegt knapp unter dem Marktkonsens von 87,5 Milliarden. Die operative Marge dürfte auf rund 44 Prozent sinken, nach 46,3 Prozent im dritten Quartal.

Umbau auch intern

Microsoft vollzieht den Schwenk Richtung KI auch personell. Die langjährigen Manager Rajesh Jha und Phil Spencer verlassen das Unternehmen. Erstmals seit mehr als 50 Jahren legt Microsoft ein Abfindungsprogramm für Mitarbeiter auf.

Die Aktie notierte zuletzt bei 363 Euro und liegt damit rund 22 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch. Seit Jahresbeginn steht ein Minus von knapp 10 Prozent. Ob die starken Cloud-Zahlen und die erhöhten Investitionspläne das Vertrauen der Anleger zurückgewinnen, entscheidet sich in den kommenden Handelstagen — wenn der Markt die Neuausrichtung in vollem Umfang bewertet.

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