Microsoft Aktie: 175 Milliarden Dollar für KI

Microsoft meldet starke Quartalszahlen, kündigt aber massive KI-Investitionen an. Insider-Verkäufe und rechtliche Fragen trüben das Bild.

Eduard Altmann ·
Microsoft Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Umsatzplus von 18 Prozent
  • KI-Investitionen von 175 Milliarden Dollar
  • Insider-Verkäufe bei Microsoft
  • Sammelklage gegen Microsoft eingereicht

Manchmal sagt eine Aktie mehr über den Zustand einer Branche aus, wenn nichts Spektakuläres passiert, als wenn alle Schlagzeilen brüllen. Genau das erlebt Microsoft-Aktionäre gerade: Der Kurs notiert vorbörslich bei 424,70 Euro, ein Rückgang von 0,7 Prozent gegenüber dem Mittwochsschluss von 427,50 Euro.

Über die vergangenen sieben Tage steht ein Minus von 2,1 Prozent, während die letzten 30 Tage ein Plus von 26 Prozent zeigen. Zwei Wahrheiten gleichzeitig – Ermüdung im Detail, Euphorie im größeren Bild. Willkommen im Alltag der KI-Rally.

Zwischen Milliarden-Investitionen und Insider-Verkäufen

Während das Unternehmen Ende Juli für sein viertes Quartal des Geschäftsjahres 2026 einen Umsatz von 90,01 Milliarden Dollar meldete – ein Plus von 18 Prozent gegenüber dem Vorjahr – und ein bereinigtes Ergebnis pro Aktie von 4,74 Dollar auswies, das die Konsensschätzung von 4,24 Dollar deutlich übertraf, richtet sich der Blick der Anleger längst auf das, was danach kommt.

Microsoft kündigte für das Geschäftsjahr 2027 Investitionsausgaben von rund 175 Milliarden Dollar an, um die Nachfrage nach KI-Kapazitäten zu bedienen. Das ist keine Randnotiz, das ist eine Kampfansage an jeden, der glaubt, der KI-Boom könnte sich verlangsamen.

Gleichzeitig verkauften zwei Führungskräfte in der ersten Augusthälfte Aktienpakete: Judson Althoff, CEO von Microsoft Commercial, trennte sich am 5. August von 10.000 Aktien zu einem gewichteten Durchschnittspreis von 487,89 Dollar, umgerechnet knapp 4,88 Millionen Dollar.

Chief Marketing Officer Takeshi Numoto verkaufte tags darauf 4.810 Aktien, eine Reduzierung seines Direktbesitzes um gut zehn Prozent. Solche Verkäufe sind bei Führungskräften nach starken Kursanstiegen nichts Ungewöhnliches – doch sie werfen die Frage auf, wie viel vom Kursanstieg der vergangenen Wochen bereits eingepreist ist.

Auf der Investorenseite zeigt sich ein gespaltenes Bild. Tiger Global Management reduzierte seine Microsoft-Position um 54,4 Prozent und verkaufte fast drei Millionen Aktien. Andere bauten massiv aus: Geode Capital Management kaufte 1,91 Millionen Aktien hinzu und kommt nun auf einen Bestand von 182,6 Millionen Aktien im Wert von etwa 88 Milliarden Dollar.

Infusive Asset Management steigerte seinen Bestand um 277,5 Prozent und machte Microsoft damit zur größten Position im Portfolio. Wer hier nach einem klaren Trend sucht, wird enttäuscht – die einen steigen aus, die anderen steigen tiefer ein. Das ist das Bild einer Aktie, die zum Prüfstein für unterschiedliche Überzeugungen über die Zukunft der künstlichen Intelligenz geworden ist.

Der rechtliche Schatten über dem KI-Versprechen

Nicht alles läuft reibungslos für den Konzern. Am Dienstag verstrich die Frist für Anleger, sich als Hauptkläger in einer Sammelklage zu melden, die von den Kanzleien The Gross Law Firm sowie Bronstein, Gewirtz & Grossman eingereicht wurde.

Der Vorwurf: irreführende Aussagen zur Leistungsfähigkeit von Copilot und zu Kapazitätsengpässen bei Azure zwischen Mai 2025 und Januar 2026. Parallel dazu untersucht die britische Wettbewerbsbehörde CMA, ob Microsoft Kunden automatisch in teurere Microsoft-365-Abonnements mit Copilot-Funktionen einschreibt. Beide Verfahren berühren den Kern des Geschäftsmodells: das Versprechen, dass KI-Funktionen echten Mehrwert liefern und nicht nur höhere Rechnungen.

Diese Spannung – zwischen dem, was Microsoft verspricht, und dem, was Regulierer und Kläger hinterfragen – ist der eigentliche rote Faden hinter den Kurszahlen. Der Abstand zum 50-Tage-Durchschnitt von 357,12 Euro beträgt derzeit 19 Prozent, ein Zeichen dafür, wie weit sich der Kurs von seiner mittelfristigen Basis entfernt hat. Der RSI von 68,6 signalisiert zudem, dass die Aktie technisch nahe an einer überkauften Zone operiert.

Am 11. August veröffentlichte Microsoft seine monatlichen Sicherheitsupdates und schloss 421 Schwachstellen, darunter 42 als kritisch eingestufte Lücken und eine bereits aktiv ausgenutzte Zero-Day-Schwachstelle im Windows-Treiber AFD.sys, die laut Berichten von der Gruppe Lazarus attackiert wurde.

Solche Meldungen erinnern daran, dass hinter der KI-Erzählung ein Betriebssystem-Ökosystem mit Milliarden Nutzern steckt, das ständig verteidigt werden muss.

Für Aktionäre bleibt am Ende eine Abwägung: Wachstumszahlen und Investitionsversprechen von historischer Größenordnung stehen einer Bewertung gegenüber, die technisch angespannt wirkt, und einem regulatorischen Umfeld, das zunehmend genauer hinschaut.

Am 20. August wird der Dividendenstichtag erreicht, die Auszahlung von 0,91 Dollar pro Aktie folgt am 10. September. Ein kleiner, verlässlicher Fixpunkt in einer Geschichte, die sonst von großen, unsicheren Zahlen dominiert wird.

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425,55 EUR

– 1,70 EUR -0,40 %
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KUV 11,19
Sektor Technologie
Div.-Rendite 0,72 %
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Ø Kursziel 563,84 USD
ISIN: US5949181045 WKN: 870747

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