Microsoft Aktie: 5,65 Prozent Plus auf 425,75 Euro
Microsofts Azure-Umsatz übersteigt 100 Mrd. Dollar, Copilot zählt 30 Mio. Nutzer. Die Aktie steigt deutlich, doch der RSI signalisiert Überhitzung.

Kurz zusammengefasst
- Azure-Umsatz über 100 Milliarden Dollar
- Copilot: 30 Millionen zahlende Nutzer
- Aktie 38,64 Prozent über Junitief
- RSI bei 78,2 signalisiert Überhitzung
5,65 Prozent Plus an einem Tag, fast ein Viertel Kursgewinn in einer Woche: Microsoft erlebt derzeit eine der schärfsten Neubewertungen der jüngsten Zeit. Der Kurs klettert auf 425,75 Euro. Das ist kein technischer Ausrutscher nach oben, sondern der Ausdruck einer veränderten Wahrnehmung: Anleger glauben inzwischen, dass sich die milliardenschweren KI-Investitionen tatsächlich auszahlen.
Vom Ausgabenrisiko zur Gewinnmaschine
Monatelang stellte der Markt eine einfache Frage: Rechnet sich das KI-Wettrüsten überhaupt? Die jüngsten Geschäftszahlen liefern eine klare Antwort. Azure erzielt inzwischen mehr als 100 Milliarden Dollar Jahresumsatz, das Wachstum beschleunigt sich auf 43 Prozent im Jahresvergleich. Aus „KI kostet“ wird „KI verdient“.
Auch das Copilot-Geschäft liefert Substanz. Microsoft 365 Copilot zählt mittlerweile mehr als 30 Millionen zahlende Nutzer. Microsoft stellt zudem auf nutzungsbasierte Abrechnung um, gestützt durch neue generative Modelle seit Juli 2026. Diese Monetarisierung übertrifft die vieler Konkurrenten deutlich.
Charttechnisch heiß, fundamental fundiert
Die Aktie hat wichtige Widerstände nach oben durchbrochen. Sie handelt 14,50 Prozent über ihrem 200-Tage-Durchschnitt von 371,83 Euro.
Das Tief vom 25. Juni 2026 bei 307,10 Euro liegt inzwischen 38,64 Prozent zurück – ein deutliches Signal, dass sich ein Boden gebildet hat.
Die Geschwindigkeit dieser Erholung ist allerdings eine Warnung für sich. Der 14-Tage-RSI steht bei 78,2 und signalisiert eine deutlich überkaufte Lage. Solche Werte gehen häufig einer Verschnaufpause voraus, in der der Markt die Gewinne verdaut. Kurzfristig ist also Vorsicht angebracht, auch wenn die grundsätzliche Richtung stimmt.
Ein Auftragsbestand, der Sicherheit gibt
Was diese Rally von einer reinen Spekulationsblase unterscheidet, ist der Blick auf die Auftragsbücher. Die offenen Leistungsverpflichtungen, im Fachjargon Remaining Performance Obligations, erreichen 678 Milliarden Dollar. Eine solche Umsatzsichtbarkeit ist im Technologiesektor selten und stützt die These einer nachhaltigen Neubewertung.
Microsoft hält gleichzeitig die Investitionsausgaben unter Kontrolle, während das Wachstum zulegt. Genau diese Kombination spricht für eine fortgesetzte Annäherung an historische Bewertungsprämien.
Kurzfristig dürfte der überkaufte RSI-Wert von 78,2 für eine Verschnaufpause sorgen. Am grundsätzlichen Bild ändert das wenig: Die „KI-Winter“-Ängste vom Juni wirken im Rückblick verfrüht. Der Markt bewertet Microsoft nicht mehr nach Potenzial, sondern nach nachweisbarer, skalierbarer Leistung in der Cloud.
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