Microsoft Aktie: Azure springt 43 Prozent
Microsoft meldet Rekordquartal mit 18% Umsatzplus, während Klageandrohung und Sparprogramme die KI-Erfolgsstory trüben.

Kurz zusammengefasst
- Umsatzsprung um 18 Prozent
- Azure-Wachstum von 43 Prozent
- Kurszielanhebung durch Citi-Analysten
- Sammelklage gegen Microsoft-Führung
Wer in den vergangenen zwei Wochen auf Microsoft geschaut hat, sah eine Aktie, die sich aus dem Jahrestief herauskatapultiert hat wie kaum eine andere im Technologiesektor. Und doch erzählt der Kurs nur die halbe Geschichte. Während die Cloud-Sparte Rekordzahlen liefert, mehren sich hinter den Kulissen die Fragezeichen – von stillen Entlassungswellen bis zu einer Klage, die ausgerechnet den Kern des KI-Versprechens infrage stellt. Der Konzern steht damit exemplarisch für eine Branche, die enorme Gewinne aus der KI-Wette zieht, dabei aber ihre eigenen Beschäftigten und Anleger unter erheblichen Druck setzt.
Der Zahlensprung, der den Kurs drehte
Am 29. Juli legte Microsoft die Zahlen für das vierte Quartal des Geschäftsjahres 2026 vor, das Ende Juni geschlossen wurde: 90,0 Milliarden Dollar Umsatz, ein Plus von 18 Prozent gegenüber dem Vorjahr, sowie ein Nettogewinn nach GAAP von 35,8 Milliarden Dollar – ein Zuwachs von 31 Prozent. Azure knackte im Quartal die Marke von 100 Milliarden Dollar Jahresumsatzrate, angetrieben von einem Sprung der Azure-Erlöse um 43 Prozent. Für das Geschäftsjahr 2027 stellte das Management einen positiven freien Cashflow in Aussicht – trotz weiterhin hoher Investitionen in die KI-Infrastruktur.
Die Reaktion an der Börse fiel entsprechend heftig aus: Zwischen dem 29. Juli und dem 6. August legte die Aktie um rund 25 Prozent zu und drehte damit einen zuvor negativen Jahresverlauf ins Plus. Aktuell notiert das Papier bei 429,25 Euro, alleine in den vergangenen sieben Handelstagen hat sich der Kurs um 9,74 Prozent verteuert. Zum bisherigen 52-Wochen-Hoch aus dem Oktober fehlen dennoch noch gut zehn Prozent – die Rally hat den Kurs also kräftig nach oben katapultiert, ohne bislang neue Bestmarken zu erreichen.
Citi-Analyst Tyler Radke reagierte am heutigen Donnerstag mit einer Anhebung des Kursziels von 570 auf 600 Dollar und bestätigte sein Kaufvotum unter Verweis auf den Azure-Sprung. Tigress Financial hatte bereits gestern nach der Kursrally an seiner Kaufeinschätzung festgehalten. Beide Häuser sehen im Cloud-Wachstum den entscheidenden Werttreiber – ein Konsens, der sich mit dem Enthusiasmus vieler Marktteilnehmer deckt.
Schattenseiten des KI-Booms
So beeindruckend die Wachstumszahlen sind, so unbequem sind die Nachrichten, die parallel durchdringen. Medienberichten zufolge rollt derzeit eine neue Welle sogenannter „stiller Entlassungen“ und Performance Improvement Plans durch mehrere Abteilungen – Teil einer globalen Strategie freiwilliger Trennungen. Das passt schwer zusammen mit einem Konzern, der gerade Rekordgewinne feiert, zeigt aber, wie stark Microsoft parallel zur KI-Expansion an anderer Stelle spart.
Brisanter ist eine Sammelklage, für die am 11. August die Frist für die Benennung des Hauptklägers ausläuft. Die Klage wirft Vorstandschef Satya Nadella und Finanzchefin Amy Hood vor, irreführende Aussagen zur Copilot-Akzeptanz und zu Kapazitätsengpässen bei Azure gemacht zu haben. Ausgerechnet die beiden Themen, die aktuell den Kursaufschwung tragen, stehen damit juristisch auf dem Prüfstand.
Zusätzlich verkaufte Takeshi Numoto, Executive Vice President und Chief Marketing Officer, am Mittwoch 4.810 Aktien zu einem Durchschnittspreis von 496,48 Dollar – ein Gegenwert von rund 2,39 Millionen Dollar. Solche Insider-Verkäufe sind für sich genommen kein Alarmsignal, fallen aber in eine Phase, in der Microsoft just seine interne Insider-Handelsrichtlinie verschärft und die Nutzung vertraulicher Informationen für Prognosemärkte und Event-Kontrakte ausdrücklich untersagt hat.
Was jetzt zählt
Operativ treibt Microsoft die KI-Strategie unterdessen unbeirrt voran: eine neue Zertifizierung für das Management von Copilot in Unternehmen, über 30 Updates für Microsoft 365 im August und ein hauseigener Chip namens Maia 200, der laut Unternehmensangaben eine um 40 Prozent verbesserte Leistung pro Watt bei KI-Workloads liefert. Am 20. August folgt der Stichtag für die nächste Quartalsdividende von 0,91 Dollar pro Aktie, zahlbar am 10. September.
Der RSI von 76,5 signalisiert nach der jüngsten Rally eine überkaufte Lage – ein technisches Warnsignal, das die fundamentale Wachstumsstory nicht schmälert, aber zur Vorsicht mahnt. Zwischen Rekordumsätzen, Klageandrohung und Stellenabbau zeigt sich: Der KI-Boom bei Microsoft ist real, doch er hat seinen Preis – für Mitarbeiter, für die Rechtsabteilung und womöglich auch für die Nerven der Anleger.
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