Microsoft Aktie: Azure wächst um 43 Prozent

Microsofts Cloud-Sparte wächst stark, während KI-Ausgaben die Kosten treiben. Analysten sehen Chancen, Investoren bleiben jedoch vorsichtig.

Dr. Robert Sasse ·
Microsoft Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Cloud-Umsatz steigt um 32 Prozent
  • Azure wächst um 43 Prozent
  • KI-Investitionen erhöhen Servicekosten
  • Institutionelle Anleger reduzieren Positionen

Es gibt einen Moment in jedem Technologiezyklus, in dem sich die Frage umkehrt. Erst fragt man, ob ein Unternehmen genug investiert. Dann fragt man, ob es zu viel investiert. Microsoft steckt gerade mitten in diesem Kippmoment – und die jüngsten Quartalszahlen liefern reichlich Stoff, um beide Fragen gleichzeitig zu stellen.

Wachstum, das die Ausgaben rechtfertigt

Im vierten Geschäftsquartal legte die Cloud-Sparte Intelligent Cloud um 32 Prozent zu und macht inzwischen 44 Prozent des Konzernumsatzes aus. Azure, das eigentliche Herzstück der KI-Erzählung, wuchs um 43 Prozent.

Das Segment Productivity kam auf 14 Prozent Plus, während More Personal Computing – das klassische PC-Geschäft – um 4 Prozent schrumpfte. Der Gewinn je Aktie stieg nach GAAP um 32 Prozent auf 4,81 Dollar.

Das ist die eine Seite der Gleichung. Die andere: Die Servicekosten kletterten mit 28 Prozent sogar schneller als der zugehörige Umsatz mit 23 Prozent. Wer die Cloud betreibt, muss sie auch bezahlen – Rechenzentren, Chips, Strom, Kühlung.

Eine Analyse, die sich auf eine Einschätzung von Seeking Alpha stützt, beschreibt die explodierenden KI-Investitionen dennoch als „gutes Problem“: Skaleneffekte und Preissetzungsmacht würden die operative Profitabilität stützen, nicht untergraben.

Der freie Cashflow bleibt demnach hoch, die Bewertung liegt bei rund dem 28,5-Fachen des non-GAAP-Gewinns für 2026 und beim 25-Fachen für 2027 – kein Schnäppchen, aber auch keine Blase im eigentlichen Sinn.

Die große Wette der ganzen Branche

Genau hier wird Microsoft zum Symbol für etwas Größeres. Die gesamte Technologiebranche hat sich in eine Kapitalintensität hineinmanövriert, die es in dieser Form noch nicht gab.

Analysten von Goldman Sachs rechnen für 2027 mit Hyperscaler-Investitionen von 1,1 Billionen Dollar – ein Betrag, der den operativen Cashflow der Konzerne um 150 Milliarden Dollar übersteigt. Gleichzeitig sollen Aktienrückkäufe von 1,4 Billionen Dollar die steigende Aktienausgabe rund um KI-Finanzierungen auffangen.

Der Investor Michael Burry, bekannt für seine frühe Wette gegen den US-Immobilienmarkt, zieht Parallelen zur Dotcom-Blase und zur Finanzkrise. Er hält Short-Positionen in KI-Aktien und erwartet einen Wendepunkt bis 2028. Seine Kritikpunkte: die schiere Kapitalintensität der Branche, fragwürdige Umsatzqualität bei manchen Anbietern, wachsende Verschuldung.

Man muss seine Prognose nicht teilen, um die Frage ernst zu nehmen, die dahintersteckt: Wie viele Jahre kann eine Branche fast eine Billion Dollar jährlich verbrennen, bevor die Rendite darauf zur entscheidenden Kennziffer wird?

Institutionelle Anleger werden vorsichtiger – teilweise

Bei Microsoft selbst zeigt sich diese Ambivalenz bereits in den Depots großer Investoren. Aus den 13F-Meldungen für das zweite Quartal geht hervor, dass 44 Prozent der Institutionen ihre Positionen in den sogenannten Magnificent Seven reduzierten, während 42 Prozent aufstockten – ein fast ausgeglichenes Bild.

Tiger Global etwa baute seine Positionen bei Microsoft, Nvidia und Meta ab. Das ist kein Alarmsignal, aber ein Hinweis darauf, dass der Konsens brüchiger wird, als es die Kursverläufe vermuten lassen.

Auf der operativen Seite expandiert Microsoft unterdessen unbeirrt weiter. Die Partnerschaft mit dem Versicherer Manulife wurde um fünf Jahre verlängert, mit der Einführung von Microsoft Frontier Suite und Agent 365 für mehr als 30.000 Mitarbeiter. Auf der eigenen Entwicklerkonferenz Build wurden zudem sieben sogenannte MAI-Modelle sowie eine neue Surface-RTX-Spark-Entwicklerbox vorgestellt, die im Herbst erscheinen soll.

Was daraus folgt

Der Aktienkurs notiert am Freitag bei 428,00 Euro, ein Rückgang von 0,7 Prozent zum Vortag. Mit einem Abstand von 19 Prozent zum 50-Tage-Durchschnitt und einem RSI von 69,3 signalisiert das Papier kurzfristig eine gewisse Überhitzung, während der Abstand zum 52-Wochen-Hoch von rund 10 Prozent zeigt, dass noch Luft nach oben bestand – und teils schon wieder verloren ging.

Die eigentliche Frage lautet nicht, ob Microsoft im KI-Rennen mithalten kann. Das Wachstum bei Azure beantwortet das eindeutig. Die eigentliche Frage ist, wie lange Kapitalmärkte bereit sind, Kapitalintensität mit Wachstumsraten zu verrechnen, statt mit Renditen. Solange Microsoft diese Rechnung für sich entscheidet, bleibt der Konzern das Aushängeschild der Branche. Kippt sie, wird aus dem Aushängeschild schnell ein Mahnmal.

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Microsoft Aktie

428,00 EUR

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KGV 27,71
Sektor Technologie
Div.-Rendite 0,73 %
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ISIN: US5949181045 WKN: 870747

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