Microvast: 96,5 statt 136,4 Millionen Dollar Umsatz
Microvast sieht sich mit erweiterten Sammelklagen wegen angeblicher Täuschung über Finanzkennzahlen konfrontiert. Die Aktie notiert nahe ihrem Jahrestief.

Kurz zusammengefasst
- Sammelklage gegen Microvast ausgeweitet
- Vorwurf irreführender Umsatz- und Margenprognosen
- Aktie nahe 52-Wochen-Tief nach Kursverlusten
- Frist für Hauptklägerantrag im September 2026
Die Microvast Holdings sieht sich mit einer Intensivierung rechtlicher Auseinandersetzungen konfrontiert. Mehrere US-Anwaltskanzleien rufen Investoren am heutigen Dienstag dazu auf, sich einer laufenden Sammelklage gegen das Unternehmen anzuschließen. Im Kern geht es um den Vorwurf, das Management habe Aktionäre über die operativen Fortschritte und die finanzielle Stabilität des Batterieherstellers getäuscht. Während die rechtlichen Fronten verhärten, notiert die Aktie im deutschen Handel mit einem Schlusskurs von 0,6870 Euro nur noch hauchdünn über ihrem gestern erreichten 52-Wochen-Tief von 0,6860 Euro.
Vorwurf der Täuschung über Expansionsziele
Hintergrund der juristischen Schritte sind mutmaßliche Falschaussagen während des Zeitraums vom 1. April 2025 bis zum 16. März 2026. Die Kläger werfen dem Unternehmen vor, die Ziele für die Bruttomarge sowie den Zeitplan für den Ausbau der Produktionsstätte Huzhou Phase 3.2 in China unrealistisch dargestellt zu haben. Ursprünglich hatte Microvast in Aussicht gestellt, diese Erweiterung bis zum vierten Quartal 2025 abzuschließen. Zudem wurden Umsatzprognosen in einer Spanne von 450 bis 475 Millionen US-Dollar und ein Bruttomargenziel von 30 Prozent kommuniziert.
Diese Erwartungen wurden laut den Kanzleien Levi & Korsinsky sowie der Portnoy Law Firm jedoch massiv verfehlt. Die tatsächlichen Ergebnisse für das vierte Quartal 2025 offenbarten eine dramatische Abweichung: Statt des erwarteten Konsenses von 136,4 Millionen US-Dollar meldete Microvast lediglich einen Umsatz von 96,5 Millionen US-Dollar. Besonders schwer wog der Einbruch der Bruttomarge auf nur noch 1,0 Prozent, nachdem zuvor noch Werte von 36 Prozent erreicht worden waren. Ein wesentlicher Faktor hierfür war eine Wertberichtigung auf Lagerbestände in Höhe von 32,5 Millionen US-Dollar.
Operative Enttäuschungen und Kursverfall
Der Weg zum aktuellen Kursniveau war von einer Serie negativer Nachrichten geprägt. Bereits im Juni 2025 belastete ein Bericht von Grizzly Research das Vertrauen der Anleger. Es folgten personelle Turbulenzen durch den Rücktritt des Finanzvorstands im August 2025 und die offizielle Bekanntgabe von Verzögerungen beim Huzhou-Projekt im November 2025. Als die endgültigen Zahlen für das Geschäftsjahr 2025 im März dieses Jahres veröffentlicht wurden, reagierte der Markt mit einem Kurssturz von über 34 Prozent innerhalb eines einzigen Handelstages.
Diese Entwicklung spiegelt sich auch in der langfristigen Performance wider. Seit Jahresbeginn hat das Papier bereits 71,09 Prozent an Wert verloren. Das Unternehmen kämpft damit nicht nur an der juristischen Front, sondern auch mit dem Vertrauensverlust am Kapitalmarkt, der die Marktkapitalisierung auf nunmehr rund 234,33 Millionen Euro zusammenschmelzen ließ.
Fristen und Bedeutung für Aktionäre
Für betroffene Anleger rückt nun ein wichtiger Termin näher: Der 21. September 2026 markiert die Frist für die Beantragung der Rolle als Hauptkläger im laufenden Verfahren vor einem US-Bundesgericht. Die Klageschrift umfasst Vorwürfe nach den Abschnitten 10(b) und 20(a) des Securities Exchange Act. Die Anwälte argumentieren, dass das Unternehmen wesentliche Risiken, wie die Abhängigkeit von bestimmten Großaufträgen und die mangelnde interne Kontrolle über die Finanzberichterstattung, systematisch verschwiegen habe.
Da die Aktie derzeit massiv unter Druck steht und die operativen Kennzahlen weit hinter den ursprünglichen Versprechungen zurückgeblieben sind, wird der Ausgang dieses Verfahrens für die künftige Bewertung von Microvast als entscheidend angesehen. Bisher hat sich das Unternehmen nicht öffentlich zu den jüngsten Aufforderungen der Kanzleien geäußert.
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