Moderna Aktie: Bancel kontert Skeptiker
Die Kombination mit Keytruda verringerte bei Hochrisiko-Melanom das Rückfall- oder Sterberisiko um 42 Prozent; weitere Studien sollen die Daten bestätigen.

Kurz zusammengefasst
- Aktie verlor nach Datenleck 18 Prozent
- Rückfall- oder Sterberisiko sank um 42 Prozent
- Impfstoff wird gemeinsam mit Merck entwickelt
- Weitere Studien müssen Melanomdaten bestätigen
Moderna-Chef Stéphane Bancel weist die Lesart zurück, sein Krebsimpfstoff intismeran sei eine Enttäuschung. An der Börse verfängt die Verteidigung bisher nicht: Vorbörslich gab die Aktie an der NASDAQ zeitweise um 1,53 Prozent auf 195,80 US-Dollar nach.
Kursrutsch nach Datenleck
Auslöser der Nervosität war der vergangene Donnerstag. Nach einem Datenleck zu intismeran brach die Aktie um 18 Prozent ein und verfehlte nur knapp den größten Tagesverlust ihrer Geschichte. Bancel zeigte sich überrascht. Entscheidend seien die Daten, sagt er.
Und die fallen aus seiner Sicht gut aus. Bei Melanompatienten mit hohem Risiko senkte die Kombination aus intismeran und Keytruda das Risiko eines Rückfalls oder Todes um 42 Prozent, verglichen mit Keytruda allein. Entwickelt wird der Impfstoff gemeinsam mit Merck & Co.
Warum die Anleger dennoch verkauften, bleibt Interpretationssache. Denkbar sind überzogene Erwartungen an den Wert, Gewinnmitnahmen nach dem Muster „Kaufen bei Gerüchten, Verkaufen bei Fakten“ oder Zweifel, ob die Wirkung auf andere Krebsarten übertragbar ist. Bancel will das nicht ausschließen: Das müsse man Investoren und Hedgefonds fragen. Der Rutsch kam wenige Tage vor einer bedeutenden Onkologiekonferenz.
Der Keytruda-Vergleich
Beim Potenzial wird der Manager deutlich selbstbewusster. Manche glaubten, intismeran könne mit der Zeit größer werden als Keytruda, die Immuntherapie von Merck & Co. mit 32 Milliarden US-Dollar Umsatz im Jahr 2025. Er bremst aber sofort: „Mit der Zeit. Nicht nächste Woche.“ Seiner Ansicht nach wirkt der Impfstoff überall, wo Keytruda wirkt.
Die Krebsmedizin ist damit das Herzstück von Modernas zweitem Akt nach der Pandemie. Der Kurs spiegelt diese Wende deutlich: Von 490 US-Dollar im Jahr 2021 fiel er bis November 2025 auf 22 US-Dollar. Erst die Teilauswertung der Phase-3-Studie trieb ihn im Sommer 2026 wieder über 250 US-Dollar.
Konkurrenz für BioNTech
Der Erfolg könnte den Wettbewerb bei mRNA-basierten Krebstherapien verschärfen. BioNTech arbeitet ebenfalls an individualisierten mRNA-Impfstoffen und verfolgt eigene Ansätze gegen Tumorzellen.
Moderna muss nun die Melanomdaten in weiteren Studien bestätigen. Laufen bereits Untersuchungen zu anderen Krebsarten, fällt dort die nächste Entscheidung über Bancels Anspruch.
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