Moderna Aktie: Onkologie-Wende gelingt
Moderna und Merck überzeugen mit Phase-3-Daten zum Melanom-Impfstoff. Die Aktie verzeichnet den größten Kurssprung der Firmengeschichte.

Kurz zusammengefasst
- Kurssprung von 150 Prozent
- Phase-3-Erfolg beim Melanom-Impfstoff
- Partnerschaft mit Merck & Co.
- Ausweitung auf neun Krebsstudien
Ein Krebsimpfstoff sorgt für den größten Kurssprung in der Geschichte von Moderna. Die Aktie schoss am Mittwoch zeitweise um rund 150 Prozent nach oben – ausgelöst durch Phase-3-Daten, die dem Unternehmen einen komplett neuen Markt eröffnen könnten.
Was die Studie zeigt
Moderna und Merck & Co. haben Ergebnisse zu ihrem gemeinsamen Krebsimpfstoff vorgelegt, der zusammen mit dem Merck-Wirkstoff Keytruda gegen malignes Melanom eingesetzt wird.
In einer Studie mit rund 1.100 Patienten senkte die Kombinationstherapie das Risiko eines Rückfalls oder Todesfalls klinisch bedeutsam und statistisch signifikant gegenüber einer alleinigen Keytruda-Behandlung. Es ist der erste erfolgreiche Phase-3-Nachweis für einen Krebsbehandlungsimpfstoff überhaupt. Die Studienleiterin sprach von einem Meilenstein für die adjuvante Melanom-Therapie.
Der Impfstoff mit dem Namen Intismeran Autogene wird individuell aus dem Erbgut des jeweiligen Tumors hergestellt und soll dem Immunsystem zeigen, welche Mutationen es angreifen soll.
Bereits im Juni hatten Fünf-Jahres-Daten aus der vorangegangenen Phase-2-Studie gezeigt, dass sich Rückfälle oder Todesfälle bei Melanom-Patienten durch die Kombinationstherapie etwa halbierten. Moderna und Merck wollen die neuen Daten nun auf einem Fachkongress präsentieren und parallel mit der US-Arzneimittelbehörde FDA über eine Zulassung sprechen.
Neues Geschäftsfeld jenseits von Corona
Für Moderna geht es um mehr als ein einzelnes Präparat. Der Ansatz wird derzeit in neun Studien gegen verschiedene Krebsarten getestet, darunter Lungen-, Blasen-, Nieren-, Magen- und Bauchspeicheldrüsenkrebs. JPMorgan hatte die Therapie bereits vor der aktuellen Datenlage als wichtigstes Pipeline-Produkt des Unternehmens bezeichnet – mit dem Potenzial, den Übergang von Atemwegs-Impfstoffen hin zur Onkologie zu vollziehen.
Für Merck wiederum wäre ein zugelassener Krebsimpfstoff ein wichtiger Baustein, um absehbare Umsatzausfälle durch den nahenden Patentablauf von Keytruda abzufedern – ein Medikament, das dem Konzern im vergangenen Jahr rund 32 Milliarden US-Dollar Umsatz einbrachte. Die Merck-Aktie legte im Zuge der Nachricht ebenfalls kräftig zu, im Schlepptau stieg auch die Aktie von BioNTech deutlich.
Das Analystenbild bei Moderna bleibt trotz der Euphorie gespalten: Kursziele reichen derzeit von 39 bis 77 US-Dollar – deutlich unter dem aktuellen Kursniveau, was die Unsicherheit über die langfristige kommerzielle Bewertung der neuen Pipeline widerspiegelt.
Als nächstes stehen die detaillierten Studiendaten auf einem noch zu benennenden Fachkongress im Fokus. Parallel laufen die Gespräche mit der FDA, während die Studie weiterläuft und Endpunkte wie das Gesamtüberleben der Patienten in den Blick rücken.
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