Moderna nach dem Melanom-Erfolg: Wie tragfähig ist die Cancer-Vaccine-Story?

Moderna-Aktie schwankt nach Melanom-Studienerfolg stark. Anleger diskutieren, ob der Kursanstieg auf weitere Tumorindikationen übertragbar ist.

Felix Baarz ·
Moderna Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Kurs nach Studie stark gestiegen
  • Frage nach Übertragbarkeit auf andere Tumoren
  • Zulassungsgespräche mit Behörden angekündigt
  • Aktie notiert unter 52-Wochen-Hoch

Ausgangslage

Gut eine Woche ist es her, dass Moderna und Merck positive Phase-3-Daten zu intismeran autogene in Kombination mit Keytruda vorlegten. Die Studie INTerpath-001 erreichte bei vollständig resezierten Melanomen im Stadium IIB-IV sowohl das primäre Ziel des rezidivfreien Überlebens als auch den wichtigen sekundären Endpunkt der fernmetastasenfreien Zeit.

Reuters berichtete, die Aktie habe daraufhin ihren größten Tagesgewinn überhaupt verzeichnet, die New York Times sprach von einer nahezu verdreifachten Notierung binnen eines Handelstages. Am Folgetag kam es laut CNBC zu einer Konsolidierung, weil Anleger nach der Kaufwelle Gewinne mitnahmen.

Seither ist die eigentliche Nachricht verarbeitet, doch die Aktie bewegt sich weiter in ungewöhnlichen Bahnen: Nach einem Anstieg von 155 Prozent binnen 30 Tagen steht der Kurs nun bei 125,02 Euro, nachdem er heute um 8,0 Prozent nachgegeben hat. Das eigentliche Thema für Anleger ist damit nicht mehr die Studie selbst, sondern die Frage, ob sich um diesen einen Datenpunkt eine dauerhafte Neubewertung des gesamten Unternehmens rechtfertigen lässt.

Die entscheidende Frage

Der zentrale Faktor lautet: Lässt sich der Erfolg bei Melanomen auf andere, größere Tumorindikationen übertragen? Moderna-Präsident Stephen Hoge sagte gegenüber Reuters, weitere Studienergebnisse in anderen Tumorarten würden innerhalb der kommenden zwei Jahre erwartet.

Genau darin liegt der Kern der Bewertungsfrage: Ein positives Signal bei einer vergleichsweise begrenzten Indikation ist etwas anderes als ein belastbarer Nachweis, dass die mRNA-Plattform als Krebstherapie breit funktioniert.

STAT verwies in einer Einordnung darauf, dass die Studie 1.137 Teilnehmer umfasste – solide für eine Zulassungsstudie, aber eine einzelne Indikation bleibt eine einzelne Indikation.

Bullisches Szenario

Bestätigen sich die Ergebnisse in weiteren Tumorentitäten, wäre dies laut Reuters der erste späte klinische Erfolg für einen mRNA-Krebsimpfstoff überhaupt – ein Präzedenzfall, der die gesamte Onkologie-Pipeline von Moderna neu bewerten würde.

Merck und Moderna kündigten an, die Daten auf einem kommenden Fachkongress zu präsentieren und den Dialog mit Regulierungsbehörden über eine Zulassung aufzunehmen.

Gelingt dieser Schritt zügig, könnte intismeran autogene zum ersten kommerziellen mRNA-Krebstherapeutikum werden und Modernas Umsatzbasis über das Impfstoffgeschäft hinaus diversifizieren. In diesem Szenario wäre die aktuelle Bewertung, so hoch sie erscheint, ein Vorgriff auf eine strukturell neue Ertragsquelle.

Bärisches Szenario

Das Risiko liegt in der Übertragbarkeit und im Timing. Bislang existiert ein positives Ergebnis in einer einzigen Indikation – weitere Auslesungen stehen laut Hoge erst in den kommenden zwei Jahren an, ein konkretes Datum nannte er nicht.

Bis dahin bleibt die Aktie anfällig für Rückschläge, sollte sich in anderen Tumorarten kein vergleichbarer Effekt zeigen oder sich der Zulassungsprozess verzögern. Hinzu kommt die technische Anfälligkeit: Der Kurs notiert 16 Prozent unter dem erst vor wenigen Tagen erreichten 52-Wochen-Hoch, nachdem die Rally binnen einer Woche bereits um 16 Prozent zurückgekommen ist.

Eine derart schnelle und heftige Bewegung – ausgelöst von einem einzelnen Studienereignis – lässt Raum für ebenso schnelle Korrekturen, sobald sich die Erwartungshaltung an neuen Fakten reiben muss statt an Hoffnung.

Ausblick

Solange kein neuer negativer Datenpunkt aus der Onkologie-Pipeline auftaucht und der Dialog mit den Regulierungsbehörden wie angekündigt voranschreitet, dürfte die Melanom-Studie als Fundament für die optimistische Lesart bestehen bleiben – auch wenn kurzfristige Kursschwankungen wie die heutige Konsolidierung dazugehören.

Kippt hingegen die Erwartungshaltung, etwa weil sich der Zeitplan für weitere Auslesungen verzögert oder erste Signale aus anderen Tumorarten ausbleiben, dürfte die Bewertung rasch unter Druck geraten, da sie aktuell stark auf ein einziges positives Ergebnis gestützt ist.

Der nächste konkrete Fixpunkt für Anleger ist die angekündigte Präsentation der Daten auf einem Fachkongress sowie der Fortgang der Gespräche mit den Zulassungsbehörden – beides ohne festes Datum, aber richtungsweisend dafür, wie schnell aus der klinischen Nachricht ein kommerzieller Fortschritt wird.

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Moderna Aktie

126,38 EUR

– 9,78 EUR -7,18 %
KGV
KUV 23,89
Sektor Gesundheitswesen
Div.-Rendite
Marktkapitalisierung 57,94 Mrd. USD
Ø Kursziel 91,39 USD
ISIN: US60770K1079 WKN: A2N9D9

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