Münchener Rück Aktie: Eden Re und Leo Re laufen aus
Der Rückversicherer senkt die Risikoabgabe drastisch und setzt auf eigene Bilanzstärke bei sinkenden Preisen.

Kurz zusammengefasst
- Rückgang der Retrozessionsdeckung um 60 Prozent
- Aufgabe von Sidecar-Strukturen und Katastrophenanleihe
- Hohe Solvency-II-Quote von 292 Prozent
- Aktienrückkaufprogramm über 2,25 Milliarden Euro
Die Münchener Rück ändert ihre Strategie grundlegend. Der weltgrößte Rückversicherer behält deutlich mehr Risiken in den eigenen Büchern. Eine Schwemme an billigem Kapital drückt die Preise im globalen Markt. Das Management zieht daraus nun die Konsequenzen.
Drastischer Schnitt bei der Absicherung
Bisher reichte der Konzern einen großen Teil seiner Risiken an Dritte weiter. Diese sogenannte Retrozessionsdeckung sinkt nun drastisch. Das Volumen fällt von 1,55 Milliarden US-Dollar auf 600 Millionen US-Dollar. Das entspricht einem Minus von mehr als 60 Prozent.
Parallel dazu trennt sich das Unternehmen von zwei Nebenversicherungsstrukturen. Die Sidecars Eden Re und Leo Re laufen aus. Auch ein wichtiger Katastrophenanleihevertrag wird nicht verlängert. Die Münchener Rück reagiert damit auf einen spürbaren Preisverfall.
Der globale Rückversicherungsmarkt ist mit 805 Milliarden US-Dollar stark kapitalisiert. Bei den Juni-Erneuerungsrunden sanken die Raten für Sach-Katastrophenversicherungen um bis zu 20 Prozent. Das Management lehnt unzureichend bepreiste Verträge konsequent ab. Diese Zeichnungsdisziplin erfordert ein starkes Fundament.
Solide Zahlen stützen den Kurs
Die eigene Bilanzstärke erlaubt diesen Schritt. Die Solvency-II-Quote lag zuletzt bei 292 Prozent und übertrifft das interne Ziel deutlich. Zum Jahresauftakt erwirtschaftete das Unternehmen einen Nettogewinn von 1,71 Milliarden Euro.
Zusätzlich stützt ein laufendes Aktienrückkaufprogramm im Wert von 2,25 Milliarden Euro den Kurs. Zuletzt sammelte das Management Mitte Juni weitere Papiere am Markt ein. An der Börse notierte die Münchener Rück Aktie am Freitag bei 477,40 Euro. Seit Jahresbeginn steht ein Minus von rund 13 Prozent auf der Anzeigetafel.
Blick auf die Hurrikansaison
Der Abstand zum 200-Tage-Durchschnitt beträgt aktuell gut neun Prozent. Das Chartbild bleibt angeschlagen. Operativ blickt der Konzern nun auf die Hurrikansaison. El Niño sorgt im Nordatlantik voraussichtlich für ein unterdurchschnittliches Jahr.
Das Risiko verschiebt sich stattdessen in den Pazifik. Dort rechnet die Münchener Rück mit elf schweren Taifunen. Die Investmentbank RBC belässt ihre Einstufung auf Sector Perform mit einem Kursziel von 490 Euro. Die Analysten verweisen auf Unsicherheiten im Prämienzyklus. Die Juli-Erneuerungsrunde wird nun zum ersten Härtetest für das neue Preisniveau.
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