Munich Re hebt an, Safran bestätigt: Die Börse belohnt nur Spielraum nach oben

Holcim erhöht die Wachstumserwartung, während Safrans bestätigte Jahresziele den Kursrückgang nicht verhindern.

Eduard Altmann ·
KI-generiertes Symbolbild
Symbolbild, KI-generiert

Kurz zusammengefasst

  • Munich Re setzt Jahresziel auf 6,6 Milliarden Euro
  • Holcim erwartet mehr Wachstum im Gesamtjahr
  • Safran-Aktie verliert rund neun Prozent
  • BASF erhöht Evonik-Barangebot auf 24 Euro

Liebe Börsianerinnen und Börsianer,

wer an der Börse derzeit nur sein Wort hält, wird dafür bestraft. Das zeigt dieser Freitag der Berichtssaison sehr deutlich. Wer die Jahresprognose anhebt, wird belohnt oder zumindest verschont. Wer sie bloß bestätigt, verliert.

Dahinter steht ein rauer Rahmen: ein Ölpreis über 110 Dollar, steigende Zinsen und schwächelnde Einkaufsmanagerindizes. Diese Umfragen unter Einkaufsleitern gelten als Stimmungsbarometer der Wirtschaft. In diesem Umfeld reicht „im Plan“ nicht mehr. Der Markt will sehen, dass noch Luft nach oben ist.

Die Anheber: Versicherer und Baustoffe

Munich Re hat nach einem Quartalsgewinn über den Erwartungen ihr Jahresziel angehoben, auf 6,6 Milliarden Euro nach zuvor 6,3 Milliarden Euro. Die Aktie reagiert darauf kaum und gibt leicht nach. Ist das eine Enttäuschung? Eher nicht, denn auch Allianz und Hannover Rück geben leicht nach, während Munich Re die zweite positive Überraschung aus dem Finanzsektor an diesem Tag liefert.

Noch deutlicher fällt das Urteil beim Baustoffkonzern Holcim aus. Das wiederkehrende operative Ergebnis stieg im dritten Quartal um 16,8 Prozent, und Holcim erwartet nun mehr Wachstum im Gesamtjahr. Es ist bereits die zweite Anhebung in Folge, was Goldman Sachs ausdrücklich würdigt. Die Holcim-Aktie legt kräftig zu.

Der deutsche Wettbewerber Heidelberg Materials zieht mit nach oben. Konzernchef Dominik von Achten sieht im Zeitraum Juli bis September erste Anzeichen einer Erholung im Bau, gestützt vom Infrastrukturpaket und von Investitionen in Energie und Rechenzentren.

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Die amtliche Statistik stützt das: Der Auftragseingang im Bauhauptgewerbe sprang im August um 23 Prozent gegenüber dem Vormonat, ein Rekordplus. Im Juli hatte Heidelberg Materials die Gewinnprognose noch gekürzt, und seit Jahresbeginn hat die Aktie gut ein Drittel an Wert verloren.

Bestätigen die eigenen Zahlen am 4. November das Bild von Holcim, gehört sie zu den wenigen DAX-Werten mit Nachholpotenzial und wachsendem Auftragsbuch zugleich.

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Safran: Wer nur bestätigt, verliert

Safran hat im dritten Quartal den Umsatz ohne Sondereffekte um 14,7 Prozent gesteigert und die Jahresziele bestätigt. Trotzdem fällt die Safran-Aktie um rund 9 Prozent auf den tiefsten Stand seit Mai.

Warum dieser Kursrutsch? Die Antwort steckt im Detail. Das Wachstum bei zivilen Ersatzteilen hat sich von 29,3 Prozent im ersten Quartal auf 17,0 Prozent im dritten verlangsamt. Zudem schwieg Safran zu 2027, während GE Aerospace jüngst seine Prognose angehoben hatte.

Auch der Triebwerksbauer MTU Aero Engines, Partner im selben Geschäft, und Rolls-Royce verlieren deutlich. Die Analysten halten dagegen: Berenberg und RBC bleiben bei „Kaufen“, JPMorgan rät bei Kursschwäche mittel- und langfristig zum Einstieg. Das Nachrüstgeschäft mit Fluggesellschaften bleibt robust, doch sein Wachstum normalisiert sich ausgerechnet jetzt. Genau diese Normalisierung hatten die Kurse noch nicht vorweggenommen.

BASF legt für Evonik nach

BASF hat sein Barangebot für Evonik laut Handelsblatt und Bloomberg auf 24 Euro je Aktie erhöht. Die erste Offerte über 22,15 Euro hatte Evonik als zu niedrig zurückgewiesen. Diesmal kommen Zusagen hinzu: keine betriebsbedingten Kündigungen bis 2032, Erhalt der Tarifverträge, ein Vorstandsressort in Essen und der Weiterbetrieb der Chemieparks Marl und Wesseling.

Die Evonik-Aktie steigt leicht auf rund 21,16 Euro und liegt damit nahe ihrem Jahreshoch. Wieso bleibt sie so deutlich unter dem Gebot? Der Abstand spiegelt eine offene Frage: Die RAG-Stiftung hält rund 43 Prozent und hat sich noch nicht geäußert, ohne sie geht nichts.

BASF selbst gibt leicht nach und legt kommende Woche Quartalszahlen vor. Dann muss Konzernchef Kamieth erklären, wie er den Kauf finanzieren will, ohne die Dividende zu gefährden.

Sartorius: Die Analysten überbieten sich

Der Laborausrüster Sartorius ist heute der Gewinner der Gesundheitsbranche. RBC stuft die Vorzugsaktien auf „Outperform“ hoch und traut ihnen damit mehr zu als dem Markt. Das Kursziel steigt von 220 auf 330 Euro. Barclays, Jefferies und die LBBW ziehen mit eigenen Kurszielen nach, selbst Goldman Sachs hebt an, bleibt aber neutral.

Grundlage sind die Neunmonatszahlen. Entscheidend ist der freie Mittelzufluss, also das Geld, das nach den Investitionen übrig bleibt: Er stieg um 55 Prozent. Das zählt für die Bilanz, denn die Nettoverschuldung liegt noch beim 3,3-Fachen des Betriebsergebnisses vor Abschreibungen.

Die Sartorius-Aktie notiert knapp unter dem Jahreshoch, das sie gestern markiert hat. Bis zum durchschnittlichen Kursziel der Analysten ist der Abstand überschaubar. Wer investiert ist, sollte die hohe Schwankung an Zahlentagen einkalkulieren, auf die RBC selbst hinweist.

Konjunktur und Zinsen: Die Woche der Entscheidungen

Die deutsche Privatwirtschaft verliert an Schwung. Der Sammelindex der Einkaufsmanager fiel im Oktober auf 52,8 Punkte. Die Industrie legte dabei überraschend zu, der Dienstleistungssektor gab nach, und Frankreich rutschte sogar in die Schrumpfung.

Der Renditeabstand französischer zu deutschen Staatsanleihen liegt vor der Entscheidung der Ratingagentur Moody’s bei rund 170 Basispunkten, dem höchsten Stand seit 2011. Ein Basispunkt ist ein Hundertstel Prozentpunkt. Das Umfeld für Banken bleibt damit heikel. Die Deutsche Bank legt kommende Woche Zahlen vor, ihre Aktie hat zuletzt deutlich verloren und notiert weit unter dem Septemberhoch.

Am Mittwoch entscheidet die Fed, und am Terminmarkt, wo auf künftige Zinsen gesetzt wird, gilt eine Pause mit über 90 Prozent als wahrscheinlich. Am Donnerstag folgt die EZB, auch hier wird eine Pause erwartet, für Dezember aber eine Zinserhöhung.

Am Freitag kommt die erste Schätzung zum deutschen Wirtschaftswachstum im dritten Quartal, BNP Paribas rechnet mit 0,2 Prozent. Dazu berichten Mercedes-Benz und Volkswagen, deren Aktien weit unter ihren Hochs liegen.

Unterm Strich

Diese Woche hat ein klares Muster gezeigt: Wer anhebt, wird belohnt, wer nur bestätigt, wird bestraft. Kommende Woche wird dieses Muster bei BASF, der Deutschen Bank und den Autobauern erneut auf die Probe gestellt. Die Zinsentscheidungen liefern den Rahmen, die Quartalszahlen entscheiden die Richtung.

Wer Qualität mit verlässlichem Geldzufluss sucht, findet sie derzeit eher bei Versicherern, Baustoffen und Laborausrüstern als bei zyklischen Industriewerten, deren Geschäft stark mit der Konjunktur schwankt. Nutzen Sie die zwei börsenfreien Tage zum Durchatmen, denn ab Mittwoch wird es dicht.

Beste Grüße, Ihr Eduard Altmann

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