Musks Konzerngeflecht vor dem Test: Teslas Mittwoch zählt mehr als jeder Absatz

Teslas Bericht am Mittwoch rückt die Finanzierung der KI-Ambitionen und das Zusammenspiel von Musks Unternehmen in den Fokus.

Eduard Altmann ·

Kurz zusammengefasst

  • Tesla-Zahlen erscheinen Mittwoch nach US-Börsenschluss
  • Markt prüft Teslas Rolle im KI-Geschäft
  • EU-Neuzulassungen für September am Donnerstag erwartet
  • flatexDEGIRO plant Aktienrückkauf bis 100 Millionen Euro

Liebe Börsianerinnen und Börsianer,

Teslas Quartalszahlen sind diesmal kein Autotermin.

Tesla legt am Mittwoch um 22:05 Uhr deutscher Zeit Quartalszahlen vor. Für Anleger zählt dieser Termin mehr als Teslas Absatz: Er zeigt, ob Elon Musks Geflecht aus Autobauer, Raumfahrt und KI noch das Vertrauen des Marktes hat.

Reuters zählt Tesla und SpaceX ausdrücklich zu den Berichten, an denen sich die wackelnde KI-Rally in der kommenden Woche messen lassen muss. In Europa fällt der Termin zudem in eine Woche, in der am Donnerstag die EU-Neuzulassungen den Zustand des Automarkts zeigen.

Tesla: Mittwochabend im KI-Test

Wer Tesla am Mittwoch nur an Auslieferungen misst, schaut auf die falsche Zahl. Tesla berichtet nach US-Börsenschluss, im deutschen Handel kann die Aktie also erst am Donnerstag reagieren. Konkrete Erwartungen an Umsatz oder Gewinn nennen die Vorschauen zur Woche nicht.

Schon das sagt etwas. Tesla steht dort nicht unter den Autobauern. Tesla steht neben SAP, IBM, Texas Instruments und Lam Research, die am selben Mittwochabend berichten, als Prüfstein für die KI-Erzählung.

Das Umfeld ist rau. Tesla berichtet in eine Marktlage hinein, in der der Nasdaq 100 laut Bloomberg in der abgelaufenen Woche seine schlechteste Woche seit April 2025 verbucht hat, ausgelöst von einem Ausverkauf bei Halbleiterwerten. Garrett Melson, Portfoliostratege bei Natixis Investment Managers Solutions, spricht von einer nervösen Erzählung und großer Unsicherheit darüber, wo die KI gerade steht.

Meta, das laut Reuters ebenfalls in der kommenden Woche berichtet, und die Chipwerte liefern den Rahmen, Tesla und SpaceX den Musk-Faktor. Wenn Anleger an der Finanzierbarkeit des KI-Ausbaus zweifeln, trifft das zuerst jene Unternehmen, deren Bewertung auf künftigen statt auf heutigen Gewinnen ruht.

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Starlink, Apple und Grok: Wie Musks Firmen zusammenwachsen

Musks Firmen sind längst keine getrennten Wetten mehr. Wie eng sie verzahnt sind, zeigt eine Analyse der Bank of America zu Apple vom 12. Oktober. SpaceX hat sich ein landesweites 800-Megahertz-Spektrum von Grain Management gesichert, nach Frequenzkäufen von rund 17 Milliarden Dollar bei EchoStar.

Dazu kommen die Genehmigung für eine Konstellation von 15.000 Satelliten und die Erlaubnis, Mobilfunk ohne einen terrestrischen Netzbetreiber anzubieten.

Die Analysten um Wamsi Mohan sehen daraus drei Risiken für Apple: den Wegfall der Zuschüsse der Netzbetreiber, ein hypothetisches SpaceX-Smartphone und die Verzahnung von Tesla, SpaceX und Grok-KI-Diensten. Rund 53 Millionen iPhones pro Jahr laufen über die drei großen US-Netzbetreiber. Kurzfristig sei die Wirkung auf Apples Ergebnis begrenzt.

Für Tesla-Aktionäre liegt der Punkt woanders: Wenn ein Konzern in das Geschäft eines anderen hineinwächst, bewertet der Markt ihn nach dem Umfang des gesamten Vorhabens, und er bestraft jeden Zweifel an der Finanzierung umso härter. Teslas Zahlen zeigen, ob das operative Geschäft diese Erzählung trägt, ein Maßstab, den Anleger laut Reuters in derselben Woche auch an SpaceX anlegen können.

GM und EU-Neuzulassungen: Die Maßstäbe für Tesla

Wer Tesla als Autobauer einordnen will, bekommt in dieser Woche zwei Vergleichsgrößen. General Motors legt am Dienstag um 12:30 Uhr Quartalszahlen vor und liefert den Maßstab eines klassischen US-Herstellers. Am Donnerstag um 6:00 Uhr kommen die EU-Neuzulassungen für September: Volkswirte erwarten im Schnitt ein Plus von 10,1 Prozent zum Vorjahr nach 4,5 Prozent im Vormonat.

Gewicht bekommt die Zahl durch das Autopaket, das Berlin und Paris laut Finanzminister Lars Klingbeil fast ausverhandelt haben. Das Paket sieht Kaufanreize für E-Autos mit Vorzug für europäische Hersteller und Schutzmechanismen gegenüber China vor. Für Tesla wirkt das in zwei Richtungen: Förderung für Elektroautos hilft, eine Förderung mit Heimatbonus hilft vor allem den Wettbewerbern.

Dazu kommt das Öl. Zum Wochenschluss kostete Brent nahe 110 Dollar. Am Wochenende meldeten Irans Revolutionsgarden, in der Straße von Hormus sei ein Supertanker mit mehr als zwei Millionen Barrel Rohöl auf eine Seemine gefahren. Unabhängig prüfen ließ sich das zunächst nicht.

Außenminister Abbas Araqchi erklärte am Sonntag, Teherans Angebot zur Öffnung der Meerenge binnen sieben Tagen liege weiter auf dem Tisch. Wenn Kraftstoff teurer wird, rechnet sich der Umstieg aufs Elektroauto schneller; zugleich treibt ein hoher Ölpreis die Zinserwartungen, was hoch bewertete Wachstumswerte belastet.

Deutsche Börse, SAP, Einkaufsmanager: Die Woche in drei Terminen

Für deutsche Depots fallen die wichtigsten Signale nicht in Kalifornien. Die Deutsche Börse legt am Dienstag um 19:00 Uhr Quartalszahlen vor, die Analystenkonferenz ist am Mittwoch um 14:00 Uhr. Im Vorjahresquartal lagen die Nettoerlöse ohne Treasury-Ergebnis bei 1,24 Milliarden Euro, das Jahresziel lautet 5,70 Milliarden Euro. Wenn Märkte stark schwanken, steigen die Handelsvolumen und damit die Erlöse eines Börsenbetreibers.

SAP berichtet am Mittwoch um 22:05 Uhr, der DAX kann erst am Donnerstag reagieren. Für mich ist das der wichtigere Termin für deutsche Depots, weil SAP am selben Abend wie Tesla, IBM und die Chipausrüster in den KI-Test geht.

Am Freitag kommen die Einkaufsmanagerindizes. Für die deutsche Industrie erwarten Volkswirte um 9:30 Uhr im Schnitt 54 Punkte nach 53,9. Für die Dienstleister der Eurozone erwarten sie um 10:00 Uhr 52,8 nach 53,0.

Das zählt, weil EZB-Präsidentin Christine Lagarde am Samstag in Bangkok sagte, der Anleiheausverkauf habe die Finanzierungsbedingungen deutlich verschärft und werde das Wachstum stärker bremsen als im September angenommen. Nach zwei Zinserhöhungen binnen vier Monaten wird im Dezember eine weitere auf 2,75 Prozent erwartet. Lagarde spricht zudem am Mittwoch um 18:00 Uhr, Bundesbankpräsident Nagel um 9:15 Uhr.

Microsoft, Nscale, flatexDEGIRO: Ein Rückzug und ein Rückkauf

Ein Rückzug bei Microsoft zeigt, wie dünn das Eis im Rechenzentrumsgeschäft geworden ist. Microsoft hat sich aus einem Rechenzentrumsprojekt mit dem britischen Cloud-Anbieter Nscale in Loughton zurückgezogen, wie Reuters am Sonntag unter Berufung auf den Telegraph berichtet. Gründe nannte das Blatt nicht, beide Firmen äußerten sich zunächst nicht.

Nscale hat im September einen US-Börsengang beantragt, mit Microsoft und Anthropic als erwarteten Großkunden. Nscale konkurriert mit CoreWeave, das Truist trotz der Finanzierungssorgen wegen der Umsatzsicherheit aus dem Auftragsbestand zum Kauf empfiehlt.

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flatexDEGIRO will eigene Aktien für bis zu 100 Millionen Euro zurückkaufen und beantragt dafür die Genehmigung der BaFin; Quartalszahlen gibt es am Mittwoch um 18:00 Uhr. Bitcoin stand am Samstagabend bei rund 81.400 Dollar, seit Freitag praktisch unverändert.

Unterm Strich

Die Antwort fällt am Mittwochabend nach US-Schluss, in Europa sichtbar erst am Donnerstag. Was ich aus den Vorschauen mitnehme: Tesla wird an diesem Termin nicht als Autobauer gemessen.

Gemessen wird, ob ein Konzern, dessen Schwesterfirma Frequenzen für Milliarden kauft, im Kerngeschäft genug verdient, um die Zweifel an der KI-Finanzierung von sich fernzuhalten. Die Neuzulassungen am Donnerstag und das Autopaket aus Berlin und Paris entscheiden dann, wie viel vom europäischen Markt für Tesla bleibt.

Beste Grüße,

Ihr Eduard Altmann

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