Mutares vor der Frage: Trägt das Portfolio die Wachstumsziele?

Mutares meldet nach milliardenschwerer SABIC-Übernahme ein positives bereinigtes EBITDA. Die bestätigte Prognose für 2026 hängt nun von der Sanierung des Segments Goods & Services ab.

Felix Baarz ·
Mutares Aktie

Kurz zusammengefasst

  • EBITDA dreht auf 67 Millionen Euro
  • SABIC-Übernahme als NexPoint Materials abgeschlossen
  • Goods & Services rutscht tief in Verlustzone
  • Guidance 2026: Umsatz bis 9,1 Milliarden Euro

Ausgangslage

Mutares steckt mitten im größten Umbau der Firmengeschichte. Vor rund zwei Wochen hat der Beteiligungskonzern die milliardenschwere Übernahme des Kunststoffgeschäfts von SABIC abgeschlossen und tritt seither unter dem Namen NexPoint Materials im neuen Segment „Chemicals & Materials“ an. Parallel dazu wurde der Car-Top-Systems-Geschäftsbereich von Magna in die HILO Group integriert.

Die Halbjahreszahlen, ebenfalls vor rund zwei Wochen vorgelegt, zeigen einen deutlichen operativen Fortschritt: Das bereinigte EBITDA drehte von minus 89 Millionen Euro auf plus 67 Millionen Euro ins Positive. Der Aktienkurs honoriert das bislang nur zurückhaltend – mit 26,95 Euro notiert das Papier weiterhin rund 23 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 35,15 Euro.

Was den Blick nach vorn jetzt besonders relevant macht: Mutares hat mit der bestätigten Guidance für 2026 (Umsatz 7,9 bis 9,1 Milliarden Euro, Holding-Nettogewinn 165 bis 200 Millionen Euro) einen ambitionierten Rahmen abgesteckt. Ob dieser trägt, entscheidet sich nicht an den Schlagzeilen der jüngsten Zukäufe, sondern an der Frage, wie schnell die schwächeren Konzernteile die Kurve kriegen.

Die entscheidende Frage

Der eine Faktor, an dem sich die Bewertung von Mutares in den kommenden Monaten entscheidet, ist die Entwicklung des Segments Goods & Services. Während Energy & Technology im ersten Halbjahr ein bereinigtes EBITDA von 56 Millionen Euro erwirtschaftete und Automotive trotz Abrufverschiebungen und verzögerter Serienanläufe immerhin 38 Millionen Euro beisteuerte, rutschte Goods & Services mit minus 45 Millionen Euro tief in die roten Zahlen.

Rückläufige Umsätze und schwache Ergebnisbeiträge jüngerer Akquisitionen belasten dieses Segment spürbar. Solange dieser Bereich das Konzernergebnis auffrisst, bleibt der Turnaround unvollständig – unabhängig davon, wie gut NexPoint Materials oder Car Top Systems performen.

Bullisches Szenario

Für Optimisten spricht die Breite der operativen Verbesserung. Drei von vier Segmenten liefern bereits positive Beiträge, und die Integration von NexPoint Materials bringt mit rund 2 Milliarden Euro Jahresumsatz und einer Marktposition als weltweit zweitgrößter Polycarbonat-Hersteller substanzielles Wachstumspotenzial in den Konzern.

Auch der Schuldenabbau kommt voran: Im Juni kaufte Mutares eigene Nordic Bonds im Nominalvolumen von 18 Millionen Euro zurück, Teil eines Programms zur Reduktion der Holding-Verschuldung auf 250 bis 300 Millionen Euro bis Jahresende.

Die Bond-Covenants wurden zum 30. Juni vollumfänglich eingehalten. Gelingt es, Goods & Services zu stabilisieren oder Teile davon profitabel zu veräußern – wie es mit Kalzip, inTime Group und Peugeot Motocycles im ersten Halbjahr bereits vorgemacht wurde –, dürfte die Guidance erreichbar bleiben und der Kurs Spielraum nach oben bekommen.

Das Analysehaus Sphene Capital bestätigte am 6. August seine Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 49,30 Euro auf Sicht von 36 Monaten, wenngleich diese Einschätzung inzwischen älter als vier Wochen ist und nicht als aktueller Stand gelten sollte.

Bärisches Szenario

Das Risiko liegt in der Struktur des Geschäftsmodells selbst. Mutares kauft bewusst Sanierungsfälle und Randgeschäfte großer Konzerne – die Ergebnisse jüngerer Akquisitionen im Segment Goods & Services zeigen, dass Turnarounds Zeit brauchen und nicht immer gelingen.

Zudem bleibt Automotive durch Abrufverschiebungen und Stornierungen anfällig für eine schwächelnde Fahrzeugkonjunktur. Sollte sich die Integration von NexPoint Materials als komplexer erweisen als geplant oder die Nachfrage in der Chemieindustrie enttäuschen, würde ein zentraler Wachstumstreiber wegfallen.

Der Kurs notiert bereits knapp unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 27,55 Euro und rund 6 Prozent unter dem 200-Tage-Durchschnitt von 28,76 Euro – ein Zeichen dafür, dass der Markt die operative Wende noch nicht vollständig einpreist.

Ausblick

Solange Mutares weitere Segmentteile aus der Verlustzone führt oder gezielt abstößt, bleibt die bestätigte Jahresguidance im Bereich des Erreichbaren, und die Mittelfristziele von mindestens 25 Prozent jährlichem Wachstum bis 2030 wirken nicht unrealistisch.

Kippt die Stabilisierung bei Goods & Services jedoch, dürfte die Lücke zwischen operativer Story und Kursentwicklung bestehen bleiben. Ein konkreter Prüfstein folgt am 19. November mit dem Investor Day in London, bei dem Anleger detailliertere Aussagen zur Segmentstrategie erwarten dürften.

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