Coinbase geht in den USA mit einem neuen Kreditprodukt für gestaktes Ether an den Start – und das mitten in einem politisch aufgeheizten Umfeld rund um die Krypto-Regulierung. Während die Aktie nach einem starken Rückgang weiter unter Druck steht, setzt das Management operativ auf mehr Kapitaleffizienz und neue Ertragsquellen. Entscheidend ist dabei die Frage, ob die Kombination aus Produktausbau und politischem Gegenwind den Börsenwert eher stützt oder belastet.
Neues Kreditprodukt für gestaktes Ether
Seit heute bietet Coinbase ausgewählten US-Kunden (mit Ausnahme von New York) die Möglichkeit, sich gegen ihre gestakten Ether-Bestände Geld zu leihen, ohne ihre Positionen verkaufen zu müssen. Grundlage ist cbETH, der tokenisierte Staking-Token von Coinbase, der als Sicherheit hinterlegt wird.
Die wichtigsten Eckpunkte des Angebots:
- Kredit in USDC mit direkter Umwandlung in US-Dollar innerhalb der Plattform
- Überbesicherte Struktur über das Onchain-Lending-Protokoll Morpho
- Variable Zinssätze abhängig von Marktbedingungen
- Kein fixes Laufzeitende, keine festen Tilgungspläne
- Liquidationsschwelle bei 86 % Beleihungsquote
- Sofortige Verfügbarkeit in den meisten US-Bundesstaaten
Damit können Nutzer ihre ETH-Exposure und Staking-Erträge behalten und gleichzeitig Liquidität für Käufe, Portfolio-Umschichtungen oder Ausgaben freisetzen. Strategisch positioniert sich Coinbase damit näher an DeFi-Protokollen und Wettbewerbsbörsen, die ebenfalls Kredite gegen gestakte Assets anbieten, und versucht, möglichst viel Wertschöpfung im eigenen Ökosystem zu halten.
Aktie nach starkem Rückgang
An der Börse spiegeln sich die operativen Schritte derzeit nur begrenzt wider. Der Kurs liegt mit rund 189,98 Euro deutlich unter den Niveaus der vergangenen Monate. Auf Wochensicht ergibt sich ein Minus von gut 21 %, auf Sicht von zwölf Monaten steht ein Rückgang von rund 33 % zu Buche.
Besonders ins Auge fällt der Abstand zum 52‑Wochen-Hoch von 361,25 Euro: Die Aktie notiert aktuell fast 47 % darunter und auch klar unter allen wichtigen gleitenden Durchschnitten. Das unterstreicht den anhaltenden Druck nach einer sehr volatilen Phase – trotz des neuen Produktimpulses.
Politischer Gegenwind in Washington
Parallel zum Produktausbau verschärft sich der Konflikt um die US-Krypto-Regulierung. Coinbase hatte Anfang der Woche seine Unterstützung für den CLARITY Act, einen Entwurf des Bankenausschusses im US-Senat zur Marktstruktur, zurückgezogen.
Kara Calvert, Vice President U.S. Policy bei Coinbase, begründete dies mit mehreren aus Unternehmenssicht „fatalen“ problematischen Punkten, darunter:
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- Ein faktisches Verbot von Kundenbelohnungen auf Stablecoin-Guthaben
- Der Entzug der Möglichkeit der SEC, für neue Technologien gezielte Ausnahmen („exemptive relief“) zu gewähren
- Weitreichendere staatliche Zugriffsmöglichkeiten auf Transaktionsdaten aus dem DeFi-Bereich
- Spielräume für traditionelle Banken, Konkurrenz durch krypto-native Zahlungsprodukte zu begrenzen
Zudem bemängelte Coinbase, dass dem Entwurf weniger als 24 Stunden bis zur angesetzten Ausschusssitzung („Markup“) geblieben seien. In dieser kurzen Zeit seien sechs geplante Änderungen nicht diskutierbar gewesen, die aus Sicht des Unternehmens den Entwurf noch deutlich verschlechtert hätten.
Trotz des offenen Dissenses zeigt sich Coinbase auf der politischen Bühne nicht grundsätzlich pessimistisch: Calvert verwies positiv auf einen separaten Entwurf des Agrarausschusses, der der Rohstoffaufsicht CFTC Kompetenzen für den Spotmarkt einräumen würde, und hält ein Gesetzespaket noch vor den Zwischenwahlen im November 2026 für möglich.
Analysten vor Zahlen zurückhaltender
Auch die Analystenseite reagiert gemischt. Piper Sandler hat Mitte Januar das Kursziel von 350 auf 270 US‑Dollar gesenkt – ein Rückgang um knapp 23 Prozent – und bleibt bei einer neutralen Einstufung. Hintergrund ist die vorsichtigere Einschätzung vor den anstehenden Zahlen zum vierten Quartal 2025.
Die Erwartungen für die Profitabilität wurden deutlich zurückgenommen:
- Q4 2025: Erwarteter bereinigter Gewinn je Aktie 1,02 US‑Dollar
– ein Rückgang um rund 70 % gegenüber 3,39 US‑Dollar im Vorjahresquartal - Gesamtjahr 2025: Konsens-EPS von 4,50 US‑Dollar
– nach 7,60 US‑Dollar im Jahr 2024
Im Schnitt zeigt sich die Analystengemeinde dennoch vergleichsweise konstruktiv. Das Konsens-Rating liegt bei „Moderate Buy“, mit einem durchschnittlichen Kursziel von 349,95 US‑Dollar. Von 38 Analysten sprechen 20 eine starke Kaufempfehlung aus, einer liegt leicht darüber („Moderate Buy“), elf votieren für Halten, zwei für „Strong Sell“. Aus den genannten Daten leitet sich im Ausgangstext ein rechnerisches Aufwärtspotenzial von etwa 53 % gegenüber dem damaligen Kursniveau ab.
Ausblick: Produktoffensive trifft Regulierungsthema
Das neue Kreditprodukt ist ein weiterer Baustein in der von CEO Brian Armstrong skizzierten „Alles-Börse“-Strategie. Ziel ist es, auf einer Plattform Krypto, Aktien, Prognosemärkte und Rohstoffe über Spot-, Termin- und Optionsprodukte hinweg zu bündeln und Kunden möglichst viele Finanzfunktionen aus einer Hand anzubieten.
Kurzfristig bleiben jedoch zwei Faktoren entscheidend: Zum einen könnte das gemeinsame SEC-CFTC‑Event am 27. Januar zur Harmonisierung der Digital-Asset-Regulierung erste Signale liefern, wie der regulatorische Rahmen in den USA weiter gedacht wird. Zum anderen dürfte der Q4‑Bericht 2025, der in den kommenden Wochen erwartet wird, konkrete Hinweise darauf geben, ob Coinbase trotz sinkender Gewinne operativ genug Zugkraft entwickelt, um die Kursverluste der vergangenen Monate zu begrenzen.
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