Gerresheimer Aktie: Auf allen Fronten

Der Bilanzskandal bei Gerresheimer zieht weitere Kreise. Gegen den früheren Abschlussprüfer KPMG läuft ein berufsrechtliches Verfahren, während die DSW Schadensersatzansprüche gegen die ehemalige Unternehmensführung prüft.

Felix Baarz ·
Gerresheimer Aktie

Kurz zusammengefasst

  • APAS leitet Verfahren gegen Prüfer KPMG ein
  • DSW prüft Klagen gegen frühere Geschäftsführung
  • Verkauf der profitablen Sparte Centor geplant
  • Milliardenschwere Wertminderungen für 2025 erwartet

Der Bilanzskandal bei Gerresheimer weitet sich aus. Während das Unternehmen bereits mit eingefrorenen Berichten, technischem Kreditverzug und einem SDAX-Ausschluss kämpft, geraten nun auch der frühere Abschlussprüfer und die ehemalige Unternehmensführung unter rechtlichen Druck.

APAS und DSW erhöhen den Druck

Die Abschlussprüferaufsichtsstelle APAS hat ein berufsrechtliches Verfahren gegen KPMG eingeleitet. Der Vorwurf: Die Prüfungsgesellschaft hatte den Jahresabschluss 2024 trotz systematischer Fehler bei der Umsatzrealisierung uneingeschränkt testiert. Konkret geht es um sogenannte „Bill-and-Hold“-Vereinbarungen — Waren wurden in Rechnung gestellt, aber erst später ausgeliefert, ein klarer Verstoß gegen IFRS-Regeln. Die fehlerhaften Buchungen umfassen 35 Millionen Euro Umsatz und 24 Millionen Euro bereinigtes EBITDA. Besonders brisant: KPMG hatte erst 2024 den bisherigen Prüfer Deloitte abgelöst und beglaubigte unmittelbar danach einen fehlerbehafteten Abschluss.

Parallel prüft der Aktionärsschutzverband DSW Schadensersatzansprüche gegen den früheren CEO Dietmar Siemssen, den früheren CFO Bernd Metzner sowie den Prüfungsausschuss des Aufsichtsrats. Im Mittelpunkt stehen Bewertungsfragen rund um Unternehmenswerte von rund 676 Millionen Euro sowie Technologiewerte der Sparte Advanced Technologies. Ein Prozessfinanzierer könnte einbezogen werden.

Centor-Verkauf und Milliarden-Abschreibungen

Um Liquidität zu sichern, greift das Management zu einschneidenden Maßnahmen. Die US-Medikamentenverpackungssparte Centor steht über Morgan Stanley zum Verkauf — zuletzt mit 292 Millionen Euro bewertet. Das Problem: Centor gilt als eines der profitabelsten Segmente im Portfolio. Ein Verkauf würde zwar dringend benötigtes Kapital bringen, die Gesamtprofitabilität der Gruppe jedoch weiter belasten.

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Zusätzlich erwartet Gerresheimer für das Geschäftsjahr 2025 nicht-zahlungswirksame Wertminderungen von 220 bis 240 Millionen Euro — hauptsächlich auf Technologie- und Entwicklungsprojekte der Sensile Medical AG sowie auf Vermögenswerte des Werks in Chicago.

Alles hängt am Juni-Abschluss

Der fehlende testierte Abschluss hat den gesamten Berichtsrhythmus zum Erliegen gebracht. Jahresabschluss 2025, Q1-Bericht 2026 und die ordentliche Hauptversammlung liegen auf Eis. Weil Gerresheimer vertraglich zugesicherte Reporting-Pflichten verletzt hat, befindet sich das Unternehmen in technischem Verzug und verhandelt mit Kreditgebern über Fristverlängerungen.

Die Umsatzprognose von 2,3 bis 2,4 Milliarden Euro für 2026 steht explizit unter dem Vorbehalt tragfähiger Ergebnisse aus diesen Kreditgesprächen und den laufenden BaFin-Ermittlungen. Solange kein testierter Abschluss vorliegt, bleiben auch mögliche Übernahmeszenarien blockiert. Der nächste fest terminierte Berichtstermin ist der Halbjahresbericht am 14. Juli 2026 — ein Datum, das zunehmend zur Wegmarke für die gesamte Stabilisierung des Unternehmens wird.

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Gerresheimer Aktie

16,80 EUR

– 0,35 EUR -2,04 %
KGV 25,25
Sektor Gesundheitswesen
Div.-Rendite 0,23 %
Marktkapitalisierung 593,05 Mio. EUR
ISIN: DE000A0LD6E6 WKN: A0LD6E

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