Liebe Leserinnen und Leser,
70 Prozent weniger Öl aus dem Irak. 35 Prozent Preisaufschlag beim US-Rohöl innerhalb einer einzigen Woche. Und eine Wahrscheinlichkeit für eine Zinssenkung der Bank of England im März, die von 90 auf 30 Prozent kollabiert ist.
Es sind diese drei Zahlen, die den heutigen Handelstag auf seinen brutalen Kern verdichten. Die diplomatischen Hoffnungen, von denen ich Ihnen gestern noch berichtete, sind über das Wochenende endgültig in Rauch aufgegangen. Mit der Ernennung von Modschtaba Chamenei zum neuen obersten Führer im Iran und den massiven wechselseitigen Angriffen in der Golfregion hat der Konflikt eine Eskalationsstufe erreicht, die wir noch vor zehn Tagen für undenkbar hielten.
Was wir an diesem Montag erleben, ist mehr als ein geopolitischer Schock. Es ist eine fundamentale Neubewertung der globalen Geldpolitik. Das Gespenst der Stagflation – stagnierendes Wachstum bei explodierender Inflation – hat sich mit voller Wucht auf dem Parkett materialisiert.
Die 100-Dollar-Barriere fällt
Die wichtigste Energieader der Welt ist faktisch durchtrennt. Die Straße von Hormus, durch die normalerweise rund 20 Prozent des globalen Öls fließen, gleicht einer Sperrzone. Wo noch vor Tagen über 30 Tanker täglich passierten, wagen sich nur noch zwei bis drei Schiffe durch. Die Konsequenz ist historisch: Erstmals seit 2022 hat der Ölpreis die psychologisch entscheidende 100-Dollar-Marke durchbrochen.
Die US-Sorte WTI verzeichnete mit einem Plus von über 35 Prozent den größten wöchentlichen Preissprung aller Zeiten und notierte zeitweise bei über 114 Dollar. Brent kratzte in der Spitze sogar an der 120-Dollar-Marke. Die irakische Produktion ist Berichten zufolge um 70 Prozent eingebrochen, auch Kuwait und die Vereinigten Arabischen Emirate kämpfen mit massiven Ausfällen.
US-Präsident Trump kommentierte den Preisschock auf Truth Social lapidar: Die kurzfristigen Ölpreisanstiege seien ein „sehr kleiner Preis“ für die Beseitigung der iranischen Nuklearbedrohung. Für die Weltwirtschaft ist dieser „kleine Preis“ freilich ein massiver Bremsklotz. Die G7-Finanzminister beraten bereits über die koordinierte Freigabe strategischer Ölreserven – doch selbst das würde nur die Lieferungen von zwei bis drei Wochen kompensieren.
Das Ende der Zins-Illusion
Tokio und Seoul traf es am härtesten. Der Nikkei stürzte um über 5 Prozent ab, der Kospi verlor gar 6 Prozent. Südkorea erwägt nun erstmals seit 30 Jahren eine staatliche Ölpreisobergrenze. In Europa gaben DAX und CAC 40 zeitweise über 2,5 Prozent nach, der FTSE 100 verlor knapp 1,7 Prozent. An der Wall Street fielen die Dow-Futures um rund 600 Punkte. Selbst die globale Luftfahrt steht still: Dubai, Doha, Abu Dhabi geschlossen, Zehntausende Passagiere gestrandet.
Doch der eigentliche Paradigmenwechsel vollzieht sich an den Anleihemärkten. Noch vor wenigen Tagen waren fallende Zinsen das unumstößliche Mantra für 2026. Der Ölpreisschock hat diese Erwartungen pulverisiert. Die Märkte rechnen nun nur noch mit einer einzigen Zinssenkung im gesamten Jahr 2026 durch die Bank of England. Für die Europäische Zentralbank haben Häuser wie Morgan Stanley ihre Zinssenkungserwartungen für 2026 komplett gestrichen.
Die Logik dahinter ist schmerzhaft simpel: Wenn Energie drastisch teurer wird, frisst sich die Inflation erneut durch die Lieferketten. Die Notenbanken sitzen in der Falle.
Berlins pragmatische Notwehr
Wie reagiert Deutschland auf diese Bedrohung seiner industriellen Basis? Mit bemerkenswertem Pragmatismus. Die deutsche Steinkohlewirtschaft bot an, fast sieben Gigawatt zusätzliche Leistung aus der Reserve zur Stromerzeugung bereitzustellen – das entspricht rund zehn Prozent der deutschen Spitzenlast. Ein schmutziger, aber womöglich notwendiger Schritt, um Gas zu sparen und die Strompreise zu deckeln.
Der Rüstungssektor rückt derweil weiter in den Fokus. Jefferies stufte die Hensoldt-Aktie auf „Buy“ und hob das Kursziel auf 90 Euro an – die prall gefüllten Auftragsbücher für Luftverteidigungssysteme machen es möglich. Passend dazu wagte der Lübecker Marinespezialist Gabler den Sprung aufs Frankfurter Parkett. Zwar gab der Erstkurs nach einem Start über dem Ausgabepreis leicht nach, doch das Timing des IPOs unterstreicht den anhaltenden Boom der Sicherheitswerte.
Bundeskanzler Merz versucht derweil, Stabilität zu signalisieren. Ungeachtet der jüngsten Landtagswahlen – bei denen die FDP in Baden-Württemberg mit 4,4 Prozent aus dem Parlament flog – soll die Regierungsarbeit der schwarz-roten Koalition ohne Verzögerungen weitergehen.
Bitcoins unerwartete Standhaftigkeit
Ein paradoxer Kontrapunkt zum Schluss: Während Aktien und Anleihen bluten, kletterte Bitcoin um rund 1 Prozent auf etwa 67.580 Dollar. Noch am Wochenende hatte ich Ihnen von der Ernüchterung bei Krypto berichtet – nun greifen einige Investoren doch auf die digitale Leitwährung zurück, während traditionelle Währungen durch den drohenden Inflationsschub an Kaufkraft zu verlieren drohen.
Das große Geld fließt weiter in die Krypto-Infrastruktur: Die Stablecoin-Plattform KAST sammelte 80 Millionen Dollar ein. Digitale Währungen emanzipieren sich zunehmend vom reinen Spekulationsobjekt hin zur funktionalen Finanzinfrastruktur – besonders für Schwellenländer.
Während traditionelle Buy-and-Hold-Strategien in diesem turbulenten Umfeld leiden, zeigt Trading-Experte Jörg Mahnert in seinem Webinar „Absahnplan“, wie Anleger gerade von extremen Marktbewegungen profitieren können. Mit der bewährten Point & Figure Methode identifiziert er klare Kauf- und Verkaufssignale – unabhängig davon, ob Märkte steigen oder fallen. In konkreten Praxisbeispielen demonstriert er, wie aus strukturierten Trades innerhalb von Wochen zweistellige Renditen entstehen können, etwa +68 Prozent mit Renk in 62 Tagen oder +108 Prozent mit Rheinmetall in 60 Tagen. Sie erhalten im Webinar einen ersten konkreten Trade mit definiertem Einstieg, Kursziel und Zeitfenster. Das Konzept basiert auf einer klaren Ja/Nein-Logik: Entweder eine technische Marke wird durchbrochen oder nicht – ohne Rätselraten, ohne Bauchgefühl. Details zur Trading-Strategie im kostenlosen Webinar
Was das für Sie bedeutet
Wir erleben mehr als eine temporäre Marktkorrektur. Wenn die wichtigste Ölroute der Welt blockiert ist, verändern sich die makroökonomischen Grundrechenarten. Die Hoffnung auf billiges Geld und sinkende Zinsen können wir vorerst begraben.
Für Anleger heißt das: Preissetzungsmacht und robuste Bilanzen werden in den kommenden Monaten noch entscheidender. Unternehmen, die steigende Energiekosten nicht weitergeben können, stehen vor einer brutalen Margenkompression. Behalten Sie in den kommenden Tagen vor allem die Reaktionen der Notenbanker im Auge. Jeder Halbsatz aus Frankfurt, London oder Washington wird nun auf der Goldwaage gewogen.
Ich wünsche Ihnen trotz der turbulenten Nachrichtenlage einen klaren Kopf für diese entscheidende Woche.
Herzlichst,
Ihr Eduard Altmann
