Bayer Aktie: Vergleich enttäuscht

Bayers geplanter Vergleich im Glyphosat-Streit belastet die Bilanz mit höheren Rückstellungen und führt zu einem massiven Kursrutsch, während Unsicherheiten über die Zustimmung der Kläger bleiben.

Kurz zusammengefasst:
  • Aktie verliert bis zu zwölf Prozent nach Vergleichsankündigung
  • Rückstellungen steigen auf 11,8 Milliarden Euro an
  • Finanzierung über neuen Milliarden-Bankkredit
  • Gerichtliche Genehmigung des Vergleichs steht noch aus

Bayer will den jahrelangen Rechtsstreit um das Unkrautvernichtungsmittel Roundup mit einem milliardenschweren Vergleich beenden. Doch was zunächst wie eine Befreiung aussah, entpuppt sich als Belastung: Die Aktie stürzte am Mittwoch um bis zu 12 Prozent ab – trotz euphorischer Kursgewinne von über 7 Prozent am Vortag.

Die wichtigsten Fakten:
– Vergleichsvolumen: bis zu 7,25 Milliarden Dollar
– Zahlungszeitraum: bis zu 21 Jahre
– Erhöhte Rückstellungen: von 7,8 auf 11,8 Milliarden Euro
– Erwartete Auszahlungen 2026: 5 Milliarden Euro
– Finanzierung: Bankkredit über 8 Milliarden Dollar

Bayer

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Die Unsicherheit bleibt

Der Leverkusener Konzern hat eine Rahmenvereinbarung zur Beilegung der Glyphosat-Klagen in den USA vorgelegt. Die Vereinbarung soll sowohl bestehende als auch künftige Produkthaftungsklagen abdecken. Kläger behaupten, der Wirkstoff Glyphosat verursache Krebs – was Bayer bestreitet.

Doch JPMorgan-Analysten kritisieren einen entscheidenden Punkt: Bayer hat nicht offengelegt, wie viele Kläger zustimmen müssen, damit der Vergleich rechtskräftig wird. Die Bereitschaft der Kläger bleibe unklar. Zudem muss ein Gericht in Missouri den Vergleich genehmigen. Parallel wartet Bayer auf eine grundsätzliche Entscheidung des U.S. Supreme Court zu seiner Anfechtung der Klagen.

„Dies ist noch kein abgeschlossenes Geschäft“, warnt Analyst Stephan Wulf von Oddo BHF. Markus Manns von Union Investment sieht den Vorschlag „noch nicht als den Durchbruch, den viele Investoren erhofft hatten.“

Massive Belastung für die Bilanz

Die finanziellen Konsequenzen sind erheblich. Bayer erhöht seine Prozessrückstellungen um 4 Milliarden Euro auf insgesamt 11,8 Milliarden Euro. Für 2026 rechnet der Konzern mit Auszahlungen von 5 Milliarden Euro – was zu einem negativen Cashflow führen wird.

Zur Finanzierung hat Bayer einen Bankkredit über 8 Milliarden Dollar aufgenommen. Eine Kapitalerhöhung sei nicht geplant, betonte CFO Wolfgang Nickl. Morgan Stanley-Analysten sprechen von den „Kosten erhöhter Planungssicherheit“ und verweisen auf eine künftig höhere Verschuldung.

Freie Kapazitäten für strategische Themen

Trotz der Unsicherheiten gibt es auch positive Stimmen. Union Investment-Manager Manns weist darauf hin, dass die Bearbeitung der Klagen erhebliche Managementkapazitäten gebunden habe. Diese könnten nun für strategische Themen wie Portfolioveränderungen und schnellere Markteinführungen genutzt werden.

Die Aktie notiert bei 44,08 Euro und bleibt damit deutlich unter dem Zwischenhoch vom Vortag. Bis zur gerichtlichen Genehmigung und Klärung der Kläger-Beteiligung dürfte die Unsicherheit die Kursentwicklung weiter belasten.

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