Liebe Leserinnen und Leser,nnhaben Sie heute Morgen die Heizung auch eine Stufe höher gedreht? Während wir uns hierzulande über vereiste Windschutzscheiben ärgern, spielt sich an den Energiemärkten ein Drama ab, das in der Kakophonie der Tech-Jubelrufe fast untergeht.nnIn Amsterdam ist der Gaspreis binnen einer Woche um 25 Prozent nach oben geschossen. Es ist ein „perfekter Sturm“ aus klirrender Kälte und geopolitischen Nadelstichen, der uns schmerzhaft daran erinnert: Die Wirtschaft besteht nicht nur aus digitalen Charts und KI-Träumen. Sie besteht aus Molekülen, Pipelines und Thermostaten.nnDoch während Europa friert und sorgenvoll auf den Zähler blickt, wird jenseits des Atlantiks und in Asien das Feuer unter dem Kessel der Weltwirtschaft so kräftig geschürt, dass selbst skeptische Analysten ihre Modelle überarbeiten müssen. Es ist ein Freitag der extremen Kontraste: Hier die Sorge um die Energiekosten und Finanzlücken bei der Bahn, dort eine entfesselte Investitionswut.nnLassen Sie uns diese Woche sortieren.nn### Der 100-Milliarden-Dollar-SpatenstichnnGestern sprachen wir an dieser Stelle über die gewaltigen Investitionspläne von TSMC. Heute legt die US-Industrie noch eine Schippe drauf – und was für eine.nnMicron Technology hat im Bundesstaat New York den ersten Spatenstich für einen 100-Milliarden-Dollar-Komplex gesetzt. Das ist keine abstrakte Zahl in einer Bilanz, das ist Industriepolitik in Beton und Stahl. Es zeigt, mit welcher Wucht die USA die Re-Industrialisierung vorantreiben. Die Botschaft ist klar: Chips sind das Öl des 21. Jahrhunderts, und Amerika will die Raffinerien auf eigenem Boden haben.nnDieser Investitionsrausch zieht Kreise bis in den DAX: Siemens Energy (+4,2 Prozent) profitiert massiv. Wer Fabriken für 100 Milliarden baut, braucht eine Energieinfrastruktur, die keine Wünsche offenlässt. Das Münchner Unternehmen positioniert sich hier erfolgreich als der Ausrüster im Goldrausch. Auch Infineon (+1,6 Prozent) lässt sich von der guten Laune anstecken, die TSMC gestern ausgelöst und Micron heute zementiert hat. TD Cowen hat das Kursziel für die Taiwanesen prompt auf 370 Dollar angehoben.nn
Passend zu diesem Halbleiter-Boom hat Börsenexperte Felix Baarz eine detaillierte Analyse durchgeführt, die weit über die bekannten Namen hinausgeht. In seinem kostenlosen Webinar stellt er vier Chip-Aktien vor, die vom globalen Investitionsrausch besonders profitieren könnten – darunter nicht nur die offensichtlichen Chip-Hersteller, sondern auch spezialisierte Zulieferer für Produktionsanlagen und Infrastruktur. Baarz analysiert konkret, welche Unternehmen von den staatlichen Subventionsprogrammen in USA, Europa und Asien profitieren und wie der KI-Boom die Nachfrage nach Spezialchips antreibt. Sie erfahren, welche Geschäftsmodelle besonders robust sind und wie Sie ein diversifiziertes Halbleiter-Portfolio aufbauen können. Der Markt steuert laut McKinsey auf eine Billion Dollar Jahresumsatz zu – und Baarz zeigt, wer die Gewinner dieses Megatrends sein könnten. Kostenlose Chip-Analyse von Felix Baarznn### Ausverkauf oder Ritterschlag?nnMitten in die deutsche Debatte über Standortschwäche und Deindustrialisierung platzte heute eine Nachricht, die in Duisburg für Erleichterung, in Berlin aber für Nachdenklichkeit sorgen sollte. Der US-Konzern Worthington Steel will den Traditions-Stahlhändler Klöckner & Co übernehmen.nn2,1 Milliarden Euro liegen auf dem Tisch, das entspricht 11 Euro pro Aktie. Der Kurssprung war die logische Konsequenz, doch die tiefere Implikation ist ambivalenter Natur: Deutsche Substanzwerte sind für amerikanische Strategen hochattraktiv – aber eben auch, weil sie im internationalen Vergleich extrem günstig bewertet sind.nnEs ist die Bestätigung, dass in deutschen Unternehmen viel Wert steckt („Value“), aber auch ein Warnsignal: Während wir uns hierzulande in Strukturdebatten verheddern, greifen ausländische Investoren zu Discounter-Preisen zu. Für geduldige Anleger, die auf den Turnaround der „Old Economy“ gesetzt haben, zahlt sich der lange Atem heute aus.nn### US-Banken: Der Motor brummtnnWährend das deutsche Verkehrsministerium heute eingestehen musste, dass für wichtige Bahnprojekte das Geld fehlt (auch wenn man betont, dass „nichts gestoppt“ wird), zeigen US-Banken, wie eine robuste Konjunktur aussieht.nnPNC Financial Services meldete einen Gewinnsprung von 27 Prozent im vierten Quartal. Ein Gewinn pro Aktie von 4,88 Dollar (erwartet waren 4,23 Dollar) spricht eine deutliche Sprache. Noch wichtiger ist das makroökonomische Bild, das diese Zahlen untermauern: Die US-Industrieproduktion stieg im Dezember um 0,4 Prozent, die Kapazitätsauslastung kletterte auf 76,3 Prozent.nnWer auf eine harte Landung der US-Wirtschaft gewettet hat, muss seine Bücher neu ordnen. Die amerikanische Wirtschaft zeigt sich zum Jahresstart 2026 erstaunlich resilient. Das verringert zwar den Druck auf die Fed, die Zinsen schnell zu senken, aber es zeigt auch: Die Unternehmen verdienen prächtig Geld, auch ohne billiges Notenbank-Doping.nn### Die Weltkarte der RisikennnDie Geopolitik bleibt auch 2026 der unberechenbare Faktor X. Im Iran ist das Internet weiterhin blockiert, das Onlinebanking gestört – ein klares Indiz dafür, dass das Regime die internen Unruhen keineswegs unter Kontrolle hat. Dass der Kreml heute verkündete, Wladimir Putin würde „vermitteln“, darf man getrost als Drohung oder zumindest als Versuch der Einflussnahme werten.nnGleichzeitig sehen wir in Venezuela komplexe Hinterzimmer-Diplomatie: CIA-Chef John Ratcliffe trifft sich in Caracas mit der Regierung, während die Opposition selbstbewusst Ansprüche stellt.nnUnd dann wäre da noch die fast surreale Note des Tages: Italiens Verteidigungsminister bezeichnete die Idee einer militärischen Erkundungsmission in Grönland als „Witz“. Doch angesichts des bekannten Interesses von Donald Trump an der Insel ist das Lachen in Kopenhagen und Brüssel wohl eher nervös. Geopolitik ist kein abstraktes Risiko, sondern ein direkter Preistreiber – siehe Gasmarkt.nn### Krypto: Abkühlung nach dem RauschnnEin kurzer Blick auf die digitalen Assets: Bitcoin kämpft nach dem jüngsten Rücksetzer um Bodenbildung und pendelt zwischen 94.000 und 98.000 Dollar. Die Euphorie des Rekordhochs vom Oktober 2025 (über 126.000 Dollar) ist einer nüchternen Realität gewichen.nnTD Cowen hat das Kursziel für MicroStrategy, quasi das Bitcoin-Derivat unter den Aktien, auf 440 Dollar gesenkt. Dennoch: Der „Fear & Greed Index“ zeigt mit einem Wert von 62 („Gier“) schon wieder erste Anzeichen von Risikoappetit. Der Markt atmet durch, aber er schläft nicht.nn### Die QuintessenznnWas nehmen wir mit in dieses Wochenende?nn1. Die Lokomotive: Die US-Wirtschaft und der Tech-Sektor ziehen den globalen Zug. Die Investitionen von Micron und TSMC sind gigantisch und real.n2. Der Ausverkauf: Deutsche Unternehmen sind günstig und werden gekauft (Klöckner), während der Staat Investitionslücken verwaltet (Bahn).n3. Der Warnschuss: Energie bleibt die Achillesferse Europas. Ein Gaspreisanstieg von 25 Prozent binnen Wochenfrist ist ein Signal, das man in Berlin sehr ernst nehmen sollte.nnDer DAX hat nach seiner Rekordrallye heute eine kleine Atempause eingelegt und notiert leicht im Minus bei rund 25.230 Punkten. Das ist gesund. Nächste Woche richten sich alle Augen auf die Bank of Japan und weitere US-Quartalszahlen.nnIch wünsche Ihnen ein erholsames Wochenende – und drehen Sie die Heizung nicht zu weit runter.nnHerzlichst,nnIhrnnEduard Altmann
