So skrupellos frisierten Ex-Allianz-Manager offenbar Fondskennzahlen - Fondsnews


19.05.22 14:04
Meldung
 
Wien (www.fondscheck.de) - Das Drama um die Hedgefonds von Allianz Global Investors entpuppt sich als regelrechte Räuberpistole, so die Experten von "FONDS professionell".


Drei ehemalige Portfoliomanager hätten den Ermittlern zufolge ungeniert Kennzahlen manipuliert. Für die Allianz-Tochter wiederum werfe der Skandal die Frage nach einer Fusion auf.

Was der Chef des US-Wertpapieraufsicht SEC, Gary Gensler, der Öffentlichkeit präsentiere, klinge wie aus einem Kriminalroman: Dreist manipulierte Kennzahlen, konspirative Treffen auf einer verlassenen Baustelle sowie ein vermeintlicher Besuch der Toilette, der zur Flucht genutzt werde. Doch all dies habe sich bei dem Debakel rund um die Structured-Alpha-Strategien von Allianz Global Investors zugetragen. Der Fall habe sich zu einem Skandal ausgeweitet, zur Verbannung des Fondsanbieters vom US-Markt geführt und der Muttergesellschaft Allianz einen Schaden in Höhe von rund sechs Milliarden US-Dollar eingebrockt. Aktionärsvertreter würden sich erschrocken zeigen, dass die Allianz so lange offenbar nichts von den Vorgängen bemerkt habe.

Die Structured-Alpha-Fonds hätten unter institutionellen Investoren mit einer ausgefeilten Risikoabsicherung geworben, die über ausgeklügelte Optionsstrategien erfolgt sei. Doch den drei Portfoliomanagern habe 2015 gedämmert, dass die mehrfachen Sicherungslinien immer teurer geworden seien. Sie hätten vor der Wahl gestanden: Eine geringere Rendite hinzunehmen oder günstigere Absicherungen einzugehen. Den Fahndern zufolge hätten sich die Ex-Allianz-Manager für letzteres entschieden - ohne die Investoren darüber zu informieren.

Den Ermittlern zufolge hätten die drei Beschuldigten dann ungeniert Lügen aufgetischt, um Verluste zu verstecken. Dabei "manipulierten sie zahlreiche Finanzberichte und andere Informationen, die den Anlegern zur Verfügung gestellt wurden, um das Ausmaß des wahren Risikos von Structured Alpha und die tatsächliche Performance der Fonds zu verschleiern", meine die SEC.

Die dabei an den Tag gelegte Unverfrorenheit habe selbst die hartgesottenen Ermittler überrascht. So sollten die Manager in einem Risikoreport für die Anleger mögliche Verluste in einem Crash-Szenario von minus 42,1505 auf minus 4,1505 Prozent reduziert haben - "einfach indem sie die Zwei weggelassen haben". In einem weiteren Beispiel sollten sie Verluste von minus 18,26 auf minus 9,26 Prozent "geglättet" haben, indem sie die Zahl vor dem Komma halbiert hätten.

Im Zuge des Marktverfalls durch die Corona-Pandemie hätten sich die Verluste jedoch nicht länger verheimlichen lassen. Die Manager hätten ihren Job verloren, die Strategien seien eingestellt worden. Die Anleger, meist US-Pensionsfonds, hätten auf Schadenersatz geklagt. Die Ermittlungen von SEC und Staatsanwaltschaft hätten manche Kuriosität ans Licht gefördert. So hätten sich angeblich zwei der Beschuldigten auf einer verlassenen Baustelle getroffen, um ihre Aussagen gegenüber der SEC abzustimmen. Der dritte Manager wiederum habe während einer Befragung durch die Behörden einen vermeintlichen Gang zur Toilette genutzt, um zu türmen.

Mittlerweile hätten sich alle Verdächtigen gestellt, zwei würden sich schuldig bekennen und mit den Ermittlern kooperieren. Die Anwälte von einem der Manager würden hingegen den Vorwürfen entgegnen, die Anklage sei ein "wenig durchdachter Versuch der Regierung, die Auswirkungen der beispiellosen, durch Covid verursachten Marktverwerfungen vom März 2020 zu kriminalisieren", berichte die Nachrichtenagentur "Bloomberg". Die Verluste seien bedauerlich, jedoch "nicht das Ergebnis eines Verbrechens".

Allianz GI wiederum habe sich des Wertpapierbetrugs für schuldig bekannt und zahle eine Milliardensumme an geschädigte Investoren und Bußgelder, um den Fall beizulegen. Das Unternehmen selbst habe keine Rolle bei dem Betrug gespielt, betone das Haus gegenüber "Bloomberg". Die Manager hätten "isoliert" gehandelt und "schwerwiegende Verfehlungen" begangen. In der Folge bleibe die Tochter des Versicherers jedoch für zehn Jahre vom US-Geschäft ausgeschlossen. Dieses gebe die Gesellschaft an den US-Fondsanbieter Voya Investment Management ab.

In diesem Zuge verliere Allianz GI rund 120 Milliarden Dollar an verwaltetem Vermögen. Damit fehle dem Anbieter künftig rund ein Sechstel des weltweiten Fondsvolumens von rund 640 Milliarden Euro. Dies nähre Spekulationen um einen Verkauf. In Branchenkreisen werde eine Übernahme durch den deutschen Branchenprimus DWS diskutiert, kolportiere das "Handelsblatt". Die Deutsche-Bank-Tochter habe sich zuletzt offen für Zukäufe gezeigt. Auch eine Fusion mit der anderen Asset-Management-Tochter der Allianz, PIMCO, werde ins Spiel gebracht. Dies gelte jedoch unter Investoren wie Insidern als unrealistisch, berichte das "Handelsblatt". (19.05.2022/fc/n/s)


 

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