Gold durchbricht 5.100-Dollar-Marke

Der Goldpreis erreicht ein neues Allzeithoch, angetrieben durch politische Unsicherheit, massive Zentralbankkäufe und eine breite Edelmetall-Rallye. Analysten sehen weiteres Potenzial.

Kurz zusammengefasst:
  • Gold durchbricht erstmals die Marke von 5.100 US-Dollar
  • Trump-Politik und Unsicherheit als Haupttreiber der Rallye
  • Zentralbanken kaufen Gold massiv zur De-Dollarisierung
  • Auch Silber und Platin erreichen neue Höchststände

Der Goldpreis hat am Montag eine spektakuläre Rallye hingelegt und erstmals die Marke von 5.100 US-Dollar je Feinunze durchbrochen. Mit einem Plus von 2,2 Prozent auf 5.093,96 Dollar setzte das Edelmetall seine beispiellose Kursrally fort – und ein Ende der Rekordjagd ist nicht in Sicht. Schon 2025 war ein außergewöhnliches Jahr für Goldanleger: Mit einem Wertzuwachs von 64 Prozent verzeichnete das Edelmetall den stärksten Jahresanstieg seit 1979. Allein im Januar 2026 hat Gold weitere 18 Prozent zugelegt.

Trump-Politik befeuert Flucht in sichere Häfen

Verantwortlich für den massiven Zufluss in Gold ist vor allem die Politik von US-Präsident Donald Trump, die für anhaltende Unsicherheit an den Märkten sorgt. „Trump und die Unsicherheit, die er auf mehreren Ebenen schafft, bleiben der Haupttreiber für die steigenden Preise“, erklärt Ole Hansen, Rohstoffstratege bei der Saxo Bank. Die Angst, den Einstieg zu verpassen, treibe zusätzliche Investoren in den Markt.

Am Wochenende kündigte Trump erneut Zölle an: 100 Prozent auf kanadische Waren, falls Kanada ein Handelsabkommen mit China abschließe, sowie 200 Prozent auf französische Weine und Champagner. Zuvor hatte er bereits mit der gewaltsamen Annexion Grönlands gedroht, bevor er diese Drohung wieder abschwächte. „Diese Regierung hat einen dauerhaften Bruch in der Art und Weise verursacht, wie Dinge erledigt werden. Deshalb flüchten jetzt alle in Gold als einzige Alternative“, sagt Kyle Rodda, Marktanalyst bei Capital.com.

Edelmetalle glänzen auf ganzer Linie

Die Rallye beschränkt sich nicht nur auf Gold. Auch Silber durchbrach am Freitag erstmals die 100-Dollar-Marke und kletterte am Montag um weitere 6,2 Prozent auf 109,36 Dollar. Mit einem Anstieg von über 50 Prozent allein im Januar und einem spektakulären Plus von 147 Prozent im Jahr 2025 übertrifft Silber sogar die Performance von Gold. Platin erreichte mit 2.897,35 Dollar ein Allzeithoch, während Palladium auf ein Drei-Jahres-Hoch von 2.095,19 Dollar kletterte.

Der schwächere Dollar verstärkt die Attraktivität der Edelmetalle zusätzlich. Der Dollar-Index fiel auf ein Vier-Monats-Tief, was goldene Zeiten für Käufer außerhalb der USA bedeutet. Prashant Newnaha, Zinsstratege bei TD Securities, sieht darin einen strategischen Schachzug: „Es fühlt sich an, als hätte das US-Finanzministerium freie Hand bekommen, um letztlich die Agenda der Regierung für einen schwächeren Dollar voranzutreiben.“

Zentralbanken als Käufer-Armee

Ein wesentlicher Stützpfeiler der Goldrally sind die massiven Käufe von Zentralbanken weltweit. Chinas Notenbank kaufte im Dezember bereits den 14. Monat in Folge Gold, während Polens Zentralbank ihre Reserven von 550 Tonnen Ende 2025 auf 700 Tonnen ausbauen will. Goldman Sachs prognostiziert durchschnittliche Käufe von 60 Tonnen pro Monat, da Schwellenländer ihre Reserven diversifizieren.

„Der Haupttreiber hinter dem Goldpreisanstieg sind Zentralbanken, die sich von der Dollar-Abhängigkeit lösen wollen“, erklärt Analyst Ross Norman. „Und wo sollten sie sonst hingehen außer zu Gold?“ Diese De-Dollarisierung ist kein kurzfristiger Trend, sondern eine strategische Neuausrichtung, die den Goldpreis nachhaltig stützen dürfte.

Auch Privatanleger zeigen ungebrochene Kaufbereitschaft. Gold-ETFs verzeichneten 2025 Rekord-Zuflüsse von 89 Milliarden Dollar – der höchste Wert seit 2020. In Europa greifen Anleger verstärkt zu physischen Goldbarren und -münzen, auch wenn erste Gewinnmitnahmen zu beobachten sind.

Yen-Intervention wirft Schatten auf Dollar

Parallel zur Gold-Rallye erlebte der Devisenmarkt am Montag dramatische Bewegungen. Der japanische Yen schoss auf ein Zwei-Monats-Hoch von 153,89 pro Dollar, nachdem die New York Fed am Freitag Kurschecks bei Händlern durchgeführt hatte – oft ein Vorläufer tatsächlicher Marktinterventionen. Die Spekulation über eine koordinierte Intervention Japans und der USA zum ersten Mal seit 15 Jahren hält die Märkte in Atem.

„Die bloße Erwartung einer möglichen Intervention kann bereits zur Stärkung der Währung beitragen“, sagt Carlos Casanova, Asien-Ökonom bei UBP. Japans Finanzministerin Satsuki Katayama und die Regierung von Premierministerin Sanae Takaichi haben wiederholt erklärt, sie würden „notwendige Schritte“ gegen spekulative Währungsbewegungen ergreifen. Das Risiko-Ertrags-Verhältnis für Yen-Leerverkäufer hat sich damit massiv verschlechtert.

Analysten sehen Potenzial bis 6.000 Dollar

Die Aussichten für Gold bleiben bullish. Goldman Sachs hat seine Prognose für Dezember 2026 von 4.900 auf 5.400 Dollar angehoben. Unabhängige Analysten wie Ross Norman erwarten Spitzenwerte von bis zu 6.400 Dollar bei einem Durchschnitt von 5.375 Dollar für dieses Jahr. Philip Newman von Metals Focus rechnet damit, dass Gold bei etwa 5.500 Dollar seinen Höhepunkt erreichen könnte.

„Die einzige Gewissheit im Moment scheint Unsicherheit zu sein – und das spielt Gold perfekt in die Hände“, fasst Norman zusammen. Zwar könnten zwischenzeitliche Gewinnmitnahmen für Korrekturen sorgen, doch Experten erwarten, dass diese von starkem Kaufinteresse aufgefangen werden. Alexander Zumpfe von Heraeus Metals warnt allerdings: „Weitere Aufwärtsbewegungen können nicht ausgeschlossen werden, besonders wenn das Vertrauen in Währungen oder Finanzanlagen weiter erodiert. Solche Bewegungen könnten jedoch von scharfen Zwischenkorrekturen begleitet werden.“

Doch was könnte die Rallye stoppen? Analysten nennen vor allem eine Rücknahme der Zinssenkungserwartungen für die Fed, eine Beruhigung der geopolitischen Lage oder eine Rückkehr zu stabileren wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen in den USA. Aktuell erscheint dieses Szenario jedoch unwahrscheinlich – was Gold weiter Auftrieb geben dürfte.

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