Siemens liefert starke Zahlen – und trotzdem wird unter Investoren wieder härter diskutiert. Der Grund: Künstliche Intelligenz gilt zwar als Nachfrage-Treiber für Industrie und Rechenzentren, könnte aber ausgerechnet im Softwaregeschäft neue Risiken schaffen. Wie robust ist die Story, wenn KI künftig mehr kann als nur „unterstützen“?
Starke Quartalszahlen treffen auf Bewertungsfragen
Auslöser der aktuellen Debatte ist das starke erste Quartal des Geschäftsjahres 2026, das Siemens am 12. Februar vorgelegt hat. Der Auftragseingang stieg auf 21,4 Mrd. Euro (+10% vergleichbar), der Umsatz auf 19,1 Mrd. Euro (+8%). Im Industrial Business kletterte der Gewinn auf 2,9 Mrd. Euro (+15%), die Marge verbesserte sich auf 15,6%.
Unterm Strich lag der Nettogewinn bei 2,2 Mrd. Euro – deutlich unter dem Vorjahreswert, der allerdings durch einen Sondereffekt von 2,1 Mrd. Euro aus dem Innomotics-Verkauf verzerrt war. Wichtig für die Erwartungslage: Siemens hob die EPS-Prognose (pre PPA) für das Gesamtjahr auf 10,70 bis 11,10 Euro an (zuvor 10,40 bis 11,00 Euro).
Am Markt spiegelt sich die Gemengelage aus guten Daten und Bewertungsdiskussion in eher zäher kurzfristiger Tendenz: Die Aktie notiert heute bei 240,55 Euro, in den letzten 30 Tagen steht ein Minus von 5,48% zu Buche.
Digital Industries: Operativ stark, strategisch sensibel
Besonders auffällig war das Quartal in Digital Industries. Der Gewinn sprang um 37% auf 804 Mio. Euro, die Marge stieg auf 17,8%. Auch die Aufträge legten zu: +13% (vergleichbar) auf 4,8 Mrd. Euro, mit starken Zuwächsen in den USA und China.
Genau hier sitzt aber der Nerv der Bloomberg-Diskussion: Im Softwarebereich stellt sich die Frage, ob generative KI bestehende Industriesoftware langfristig eher ergänzt oder teilweise ersetzt. CEO Roland Busch betonte laut Reuters auf der Analystenkonferenz am 12. Februar, dass physikbasierte Simulationssoftware durch KI angereichert werde und nicht ersetzbar sei – unter anderem wegen Kosten- und Präzisionsanforderungen in industriellen Anwendungen. Die Sorge bleibt dennoch ein Thema, weil sich Software-Bewertungen oft schneller drehen als klassische Industriezyklen.
Smart Infrastructure profitiert vom Rechenzentrums-Boom
Rückenwind kommt zugleich aus einem sehr handfesten KI-Effekt: dem Ausbau von Rechenzentren. In Smart Infrastructure meldete Siemens einen Rekord-Auftragseingang von 7,2 Mrd. Euro (+22% vergleichbar) und eine Marge von 19,0%. Laut Reuters stiegen die US-Aufträge in der Sparte um 54%, getrieben durch Nachfrage nach Rechenzentrum-Infrastruktur; der Umsatz im Rechenzentrum-Segment wuchs demnach um mehr als ein Drittel im Quartal.
Was jetzt wichtig wird
Neben KI prägen zwei weitere Punkte die Investorenerwartungen: Siemens will den Anteil an Siemens Healthineers von 67% auf 37% reduzieren und die Tochter dekonsolidieren; ein Update dazu ist für das zweite Kalenderquartal 2026 angekündigt. Außerdem laufen laut Unternehmensangaben weitere Schritte in der Nachfolgeplanung – die Entscheidung über den künftigen Aufsichtsratsvorsitz soll laut Reuters spätestens 2027 fallen.
Konkreter nächster Anker für den Markt ist der Ergebnisfahrplan: Die nächsten Quartalszahlen legt Siemens am 13. Mai 2026 vor. Dann wird sich zeigen, ob der starke Auftragstrend – inklusive Rechenzentrumsdynamik – die KI-Skepsis rund um das Softwaregeschäft weiter überdeckt oder erneut befeuert.
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