Mit der geplanten Übernahme des Geschäftsbereichs Engineering Thermoplastics von SABIC stellt Mutares sein Geschäftsmodell auf eine neue Größenordnung. Die Akquisition schafft ein komplett neues Segment und verdoppelt fast den Konzernumsatz – aber sie erhöht auch das Ausführungsrisiko deutlich. Der Markt reagiert entsprechend vorsichtig: Nach einem Zwischenhoch im Januar ist die Aktie wieder auf Distanz zu ihrem Jahresrekord gegangen.
SABIC-Deal verändert die Struktur
Kern der aktuellen Story ist der Einstieg in den Bereich „Chemicals & Materials“ durch den Kauf des SABIC-Geschäftsbereichs Engineering Thermoplastics. Das Zielvolumen ist beeindruckend:
- Geplanter Umsatz des erworbenen Bereichs: rund 2,5 Milliarden US-Dollar
- Unternehmenswert der Transaktion: rund 450 Millionen US-Dollar
- Geplanter Abschluss: zweite Jahreshälfte 2026
Damit verdoppelt Mutares das eigene Konzernvolumen nahezu und baut ein neues, eigenständiges Segment auf. Strategisch ist das ein klarer Sprung nach vorn, operativ allerdings eine große Herausforderung.
Die Dimension des Deals bindet erhebliche finanzielle und personelle Ressourcen. Der Kapitalmarkt preist dieses Integrationsrisiko ein. Entscheidend wird sein, ob es gelingt, die neuen Umsätze zügig in stabile und profitable Margen zu überführen – zumal sich der Vollzug der Transaktion noch bis in die zweite Hälfte des kommenden Jahres hinzieht.
Hohe Transaktionsdichte im Kerngeschäft
Parallel zum SABIC-Großprojekt läuft das Kerngeschäft von Mutares mit Zukäufen und Exits auf hohem Tempo weiter. Gerade im Januar 2026 war die Transaktionsaktivität besonders ausgeprägt:
- LiBCycle-Verkauf: Der Spezialist für Batterien-Logistik wurde an die Reverse Logistics Group veräußert. Der Exit ist bereits abgeschlossen.
- Kalzip-Verkauf: Für den Hersteller von Dach- und Fassadensystemen wurde eine Verkaufsvereinbarung mit Tremco CPG unterschrieben. Der Abschluss wird im zweiten Quartal 2026 erwartet.
- US-Expansion mit Greer Steel: Mit der Übernahme des Anbieters für kaltgewalzte Stahlbänder hat Mutares eine strategische Plattform in Nordamerika aufgebaut.
- Conexus-Verkauf: Die Vereinbarung zum Verkauf an ATS steht, der Abschluss wird für das erste Quartal erwartet.
Diese dichte Abfolge von Käufen und Verkäufen unterstreicht das typische Private-Equity-nahe Modell der Gesellschaft: operative Sanierung, Ausbau und anschließender Exit. Gleichzeitig erhöht sie aber auch die Komplexität im Portfolio, insbesondere in Kombination mit dem großen SABIC-Projekt.
Aktie zwischen Euphorie und Neubewertung
Die Flut an Transaktionsmeldungen sorgte zunächst für spürbaren Rückenwind. Mitte Januar erreichte die Mutares Aktie ein neues 6-Monats-Hoch, gestützt von der Aussicht auf steigende Umsätze und die internationale Expansion.
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Inzwischen dominiert jedoch eine Phase der Neubewertung. Gestern schloss der Titel bei 32,70 Euro und liegt damit klar unter dem 52‑Wochen-Hoch von 46,00 Euro. Auf Sicht von zwölf Monaten steht zwar noch ein Plus von gut 22 Prozent zu Buche, doch der jüngste Rücksetzer signalisiert wachsende Vorsicht im Markt.
Charttechnisch bewegt sich die Aktie oberhalb ihrer wichtigen Durchschnittslinien:
– Der aktuelle Kurs liegt rund 9 Prozent über dem 50‑Tage-Durchschnitt von 29,88 Euro.
– Zum 200‑Tage-Durchschnitt von 30,51 Euro besteht ein Abstand von gut 7 Prozent.
Der 14‑Tage-RSI von 37,3 deutet zudem darauf hin, dass der Titel aus technischer Sicht eher im neutralen bis leicht überverkauften Bereich notiert und keine extreme Überhitzung vorliegt.
Beweisdruck bei Integration und Profitabilität
Wie klar ist die Aufgabe für Mutares definiert? Der Kapitalmarkt konzentriert sich derzeit weniger auf einzelne Exits als vielmehr auf die Frage, ob das Management die stark wachsende Umsatzbasis in absehbarer Zeit in robuste Ertragsmargen verwandeln kann.
Die operative Pipeline ist gut gefüllt:
– Großakquisition mit Milliardenumsatz (SABIC-Engineering-Thermoplastics)
– Mehrere erfolgreiche oder anstehende Exits (LiBCycle, Kalzip, Conexus)
– Aufbau einer nordamerikanischen Plattform mit Greer Steel
Damit rückt nun die „Verdauungsphase“ in den Vordergrund. Integration, Effizienzsteigerung und Margenverbesserung werden zum zentralen Leistungsnachweis. Der Markt bewertet diesen Beweisdruck bereits in der Aktie ein: Trotz solider Jahresperformance und Abstand zum 52‑Wochen-Tief (rund 29 Prozent darüber) bleibt der Kurs deutlich unter dem Hoch, was eine abwartende Haltung vieler Investoren widerspiegelt.
Für die kommenden Quartalen zeichnet sich damit ein klares Szenario ab: Gelingt es, die neu gewonnenen Einheiten strukturiert zu integrieren und erste Fortschritte bei der Profitabilität sichtbar zu machen, könnte der Bewertungsabschlag zum 52‑Wochen-Hoch schrittweise schrumpfen. Bleiben dagegen Verzögerungen oder operative Reibungen dominierend, dürfte der aktuelle Abschlag zum Hochniveau zunächst bestehen bleiben.
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