Nahost-Krise treibt Ölpreis und Gold in die Höhe

Angriffe auf Pipelines und Schifffahrtswege verschärfen die Energiekrise. Zugleich rücken Chinas Rolle und steigende Goldnachfrage in den Fokus.

Felix Baarz ·

Kurz zusammengefasst

  • Saudi-Pipeline nach Drohnenangriff vorübergehend geschlossen
  • Houthis melden Kontrolle über Insel Perim
  • China erhöht Kraftstoffpreise wegen teurerem Rohöl
  • BofA sieht Goldkäufe über 20.000 Tonnen

Der eskalierende Iran-Krieg hat am Wochenende gleich zwei kritische Öl-Nadelöhre gleichzeitig ins Wanken gebracht. Saudi-Arabien musste seine wichtigste Ausweichpipeline abschalten, während Houthi-Kämpfer ihre Kontrolle über die Rote-Meer-Küste ausbauten. Was als regionaler Konflikt begann, entwickelt sich zunehmend zu einem globalen Energiethema – mit Verbindungen bis nach Peking.

Pipeline-Attacke trifft Riad an empfindlicher Stelle

Ein Drohnenangriff auf die East-West-Pipeline zwang Saudi-Arabien am Donnerstag zur vorübergehenden Schließung der 1.200 Kilometer langen Leitung. Genau diese Route sollte eigentlich als Absicherung dienen: Sie erlaubt es dem Königreich, die Straße von Hormuz zu umgehen und Rohöl direkt zum Roten Meer zu transportieren. Zuletzt flossen darüber täglich vier bis fünf Millionen Barrel – etwa vier bis fünf Prozent der weltweiten Ölversorgung.

Ausgerechnet dieser Fluchtweg fällt nun aus, während Hormuz selbst längst zum Nadelöhr geworden ist. Die USA haben Berichten zufolge die militärisch geschützten Zeitfenster für Tanker auf zwei täglich begrenzt, nachdem Iran verstärkt Schiffe bei Nacht angegriffen hatte. Riad und Bagdad machen den Iran-nahen Milizen im Irak die Drohnenherkunft zum Vorwurf; Bagdad entließ daraufhin einen Militärkommandeur und schloss den Grenzübergang Shalamcheh zum Iran.

Kronprinz Mohammed bin Salman soll Donald Trump am Angriffstag gleich zweimal telefonisch um militärische Unterstützung gebeten haben. Washington zeigte sich zu direkten Militärschlägen nicht bereit, sagte aber Geheimdienstinformationen und Zielunterstützung zu – ein diplomatisch heikler Kompromiss, der zeigt, wie zurückhaltend die USA trotz enger Partnerschaft mit Riad agieren.

Houthis kontrollieren Schlüsselposition am Bab-el-Mandeb

Parallel dazu meldeten Houthi-Kämpfer die Einnahme der strategisch bedeutsamen Insel Perim am Eingang zur Bab-el-Mandeb-Straße. Damit sichert sich die Iran-nahe Gruppe eine noch stärkere Position an einem der wichtigsten maritimen Nadelöhre der Welt. Saudi-Arabiens Rohölversorgung ist nach Angaben der Internationalen Energieagentur bereits auf den niedrigsten Stand seit über drei Jahrzehnten gefallen – auch wegen der andauernden Angriffe auf Schiffe in der Meerenge.

Die humanitären Folgen sind gravierend: Rund 46.000 Menschen wurden laut UN-Migrationsagentur seit der jüngsten Eskalation vertrieben, hunderte Flüchtlinge erreichten bereits Dschibuti. Immerhin gibt es diplomatische Bewegung – iranische Vertreter sollten am Montag in Oman mit Golfstaaten über die Schifffahrt durch Hormuz beraten. Ein hochrangiger iranischer Abgeordneter dämpfte jedoch die Erwartungen und erklärte, Gespräche mit Washington seien wertlos, solange die USA Teherans Bedingungen nicht akzeptierten.

Die Folgen zeigen sich längst über den Nahen Osten hinaus: China erhöhte am Samstag seine Benzin- und Dieselpreise unter Verweis auf die gestiegenen Rohölnotierungen, während ein Vertreter des Weißen Hauses die Rekordpreise für Diesel in den USA auf gestörte Raffinerieproduktion im Nahen Osten und in Russland zurückführte.

Chinas heikle Rolle im Hintergrund

Brisant wird die Gemengelage durch einen weiteren Fund: US-Behörden haben laut Wall Street Journal hochauflösende Satellitenbilder chinesischer Anbieter mit einem tödlichen Raketenangriff auf eine US-Basis in Jordanien in Verbindung gebracht. Bei dem Angriff im Juli waren drei US-Soldaten ums Leben gekommen. Iran soll die Bilder sowohl vor als auch nach dem Angriff erhalten haben.

Die Konfrontation ist deshalb pikant, weil Washington bereits im Mai die chinesischen Unternehmen MizarVision, Earth Eye und Chang Guang wegen ähnlicher Vorwürfe sanktioniert hatte. Peking bestreitet eine direkte Verwicklung und verweist auf völkerrechtskonforme Kooperation mit Teheran. Die Vorwürfe dürften den ohnehin schon angespannten Gipfel zwischen Trump und Xi Jinping am 24. September zusätzlich belasten – ein Termin, der ursprünglich wirtschaftliche Themen wie Handelszölle in den Mittelpunkt stellen sollte, nun aber im Schatten der Nahost-Eskalation steht.

US-Offizielle beobachten zudem, ob chinesische Unterstützung dem Iran auch dabei hilft, US-Marineeinheiten präziser anzugreifen. Zuletzt feuerte Teheran ballistische Raketen auf einen amerikanischen Flugzeugträger ab – mit augenscheinlich verbesserter Treffgenauigkeit gegenüber beweglichen Zielen.

Gold profitiert von der Unsicherheit

Wenig überraschend sucht Kapital in solchen Phasen sichere Häfen. Nach Berechnungen von BofA könnten Zentralbanken ihre Goldbestände noch erheblich ausbauen: Unterallokierte Institutionen müssten demnach mehr als 20.000 Tonnen zukaufen, um jenes Niveau zu erreichen, das BofA als effiziente Reserveallokation definiert – nämlich einen Goldanteil von 30 Prozent an den Gesamtreserven.

Besonders groß ist die rechnerische Lücke bei China mit geschätzten 5.628 Tonnen, gefolgt von Japan mit 1.866 und der Schweiz mit 1.192 Tonnen. Die Bank sieht darin einen strukturellen Rückenwind für den Goldpreis, der über die aktuelle geopolitische Krise hinausreicht. Zwar erklärt sich der jüngste Käuferansturm auch aus der akuten Kriegslage, doch die grundsätzliche Diversifizierung weg vom US-Dollar dürfte ein Trend mit langem Atem bleiben.

Fazit: Zwei Krisenherde, eine Achse

Ölpreis über 100 Dollar je Barrel, blockierte Pipelines, ein umkämpftes Nadelöhr am Roten Meer und nun auch noch der Verdacht chinesischer Beteiligung an iranischen Zielerfassungen – die einzelnen Fäden dieser Krise verdichten sich zu einem Gesamtbild wachsender Instabilität. Ob die für Montag angesetzten Gespräche in Oman tatsächlich zu einer Entspannung führen, bleibt offen. Sicher ist: Solange sich die militärische Lage nicht beruhigt, dürften sowohl Ölpreise als auch Goldnachfrage volatil bleiben.

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