NASDAQ 100: Anthropic-IPO im Gegenwind
Nach dem Kursrückgang sinken die Investorenschätzungen für Anthropic auf 1,2 bis 1,3 Billionen Dollar; der Vermarktungsstart folgt kommende Woche.

Kurz zusammengefasst
- NASDAQ 100 steigt am Freitag 1,35 Prozent
- Index verliert seit Ende Oktober 9,5 Prozent
- Anthropic-Schätzungen fallen auf 1,2 bis 1,3 Billionen Dollar
- Vermarktungsstart für kommende Woche vorgesehen
Der Ausverkauf vom Donnerstag wirkt nach, selbst nach der Erholung am Freitag. Er trifft nicht nur laufende Kurse, sondern auch die Pläne für einen der größten Börsengänge der Tech-Geschichte.
Erholung nach dem Rekordverlust
Der NASDAQ 100 legte am Freitag um 1,35 Prozent auf 26.989,99 Punkte zu. Vor allem Halbleiterwerte trugen die Gegenbewegung: AMD, Lam Research und Intel gewannen zwischen 7,7 und 11 Prozent, NVIDIA immerhin 2,8 Prozent. Auch Cloudflare (plus 9,9 Prozent) profitierte von einer angehobenen Jahresprognose.
Für Entwarnung reicht das nicht. Am Donnerstag war der Index um mehr als sechs Prozent eingebrochen und auf den tiefsten Stand seit April gefallen. Seit Ende Oktober summiert sich das Minus auf 9,5 Prozent, auf Wochensicht auf 4,9 Prozent. Der Markt vernichtete am Donnerstag nach Berechnungen rund 2,3 Billionen Dollar an Wert, ein historischer Rekord.
Der marktbreite S&P 500 stieg am Freitag um 0,31 Prozent. Der Dow Jones verlor dagegen weitere 0,46 Prozent. Ein überraschend starker Arbeitsmarktbericht nährte zwar Erwartungen an eine Fed-Zinserhöhung im Dezember, bewegte die Kurse aber kaum.
Politik belastet das KI-Narrativ
Auslöser der Nervosität sind die Kongresswahlen. Der klare Sieg der Demokraten schürt die Sorge vor strengeren Vorgaben für KI-Rechenzentren. Kritiker machen diese für Lärm, Luftverschmutzung und Wassermangel verantwortlich. Zudem könnten die Energiepreise steigen. Verlangsamt sich der Ausbau deutlich, träfe das auch die Konjunktur, denn KI-Investitionen stützen derzeit das US-Wachstum.
UBS-Stratege Mark Haefele hält den KI-Investitionszyklus dennoch für intakt. Er rechnet mit stabilem Gewinnwachstum und sieht in den Fundamentaldaten keinen Grund für einen anhaltenden Abschwung.
Anthropic spürt den Druck
Konkret zeigt sich der Stimmungswandel beim geplanten Börsengang von Anthropic. Anfang Oktober reichten die Schätzungen bis an 2 Billionen Dollar heran. Vor dem offiziellen Start der Vermarktung in der kommenden Woche peilen Investoren nur noch 1,2 bis 1,3 Billionen Dollar an.
Die Einschätzungen gehen auseinander. BNP-Paribas-Stratege Stephan Kemper hält Abschläge von 10 bis 15 Prozent auf frühere Ziele für unvermeidbar. HSBC-Experte Max Kettner sieht eine Bewertung um eine Billion Dollar als gesünder an. Sycomore-Manager David Rainville traut Anthropic dagegen auch bei 1,2 Billionen Dollar ausreichend Käufer zu.
Warnende Beispiele gibt es bereits: Cerebras Systems und Figma notieren trotz aufgestockter Angebote unter ihrem Ausgabepreis. Anthropic könnte deshalb vorsichtig starten oder den Zeitplan verschieben, um frische Quartalszahlen abzuwarten. Die offizielle Vermarktung in der kommenden Woche liefert den nächsten konkreten Hinweis.
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